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Foto von Frau vor einem Ventilator

Strategischer Hitzeschutz: Der Versicherer AXA zeigt, wie es geht

Hitze kann Gesundheit und Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz beeinträchtigen. Die AXA hat ein umfassendes Schutzkonzept für den Innen- und Außendienst erarbeitet.

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Remus-Iuliu Varga (Foto: AXA)

Fast zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland fühlen sich laut DAK-Gesundheitsreport 2024 durch Hitzeperioden bei ihren Tätigkeiten belastet und weniger leistungsfähig. Im Jahr 2022 verzeichneten Unternehmen hierzulande dadurch einen Verlust von 34 Millionen Arbeitsstunden. Das zeigt: Hitze kann zu einem echten Faktor für die Gesundheit der Beschäftigten und den Unternehmenserfolg werden. Bei der AXA hat man darauf reagiert und ein umfassendes Hitzeschutzkonzept entwickelt. Certo sprach mit Remus-Iuliu Varga, Fachkraft für Arbeitssicherheit bei dem Versicherungsunternehmen und für das Projekt verantwortlich.

Herr Varga, was war der Grund dafür, sich bei AXA mit dem Thema Hitzeschutz zu befassen?

Die Folgen des Klimawandels sind längst im Alltag spürbar: aufgeheizte Innenräume, hohe UV-Belastung bei Außendienstmitarbeitenden und wiederkehrende Hitzespitzen im Sommer. Hinzu kamen Rückmeldungen aus der Belegschaft, die uns darin bestärkt haben, den Hitzeschutz weiterzuentwickeln. Daher haben wir uns entschlossen, das Thema anzupacken – und zwar nicht nur punktuell, sondern systematisiert und skalierbar.

Wie wurden die Mitarbeitenden in das Hitzeschutzkonzept einbezogen?

Wir sind aktiv in den Austausch gegangen, vor allem mit dem Außendienst. Dort wurde schnell deutlich, wo die größten Belastungen liegen. Ein Beispiel: Bei Hagelereignissen müssen oft viele Autos in kurzer Zeit begutachtet werden. Das passiert in nichtklimatisierten Hallen, wo im Sommer schon mal 35 Grad herrschen. Die sind ohne Schutzmaßnahmen nicht als Arbeitsort geeignet. Das war für uns ein konkreter Anlass, bestehende Maßnahmen weiterzuentwickeln und vor allem auch bekannter zu machen.

Welche Maßnahmen haben Sie neu eingeführt oder ausgebaut?

Technisch haben wir Lüftung und Kühlung optimiert, Verschattungen ausgebaut und die Nachtkühlung stärker berücksichtigt. Organisatorisch geht es um flexible Arbeitszeiten, zusätzliche Pausen, temporäres Umsetzen in kühlere Räume, gut zugängliche Trinkangebote und eine etwas lockerere Kleiderordnung. Zur AXA-Kultur gehört übrigens schon länger eine „Come as you are“-Policy: Die Mitarbeitenden sollen sich am Arbeitsplatz in ihrer Kleidung wohlfühlen und dürfen gerne auf das Tragen von Krawatten oder Blusen verzichten. Diese Kultur wird sogar von Geschäftspartnern gerne gepflegt. Ein ganz zentraler Baustein ist grundsätzlich die Sensibilisierung — also Schulungen, Schulungen, Schulungen.

Stichwort Nachtkühlung: Was bedeutet das und was ist dabei wichtig?

Wenn es technisch möglich ist, nutzen wir nachts die kühle Luft, damit sich die Belastung am frühen Morgen nicht so stark aufbaut. Wo das nicht geht, wird morgens konsequent gelüftet und verschattet. Das ist oft weniger eine technische als eine organisatorische Frage.

Sie haben auch Kühl-T-Shirts getestet. Wie lief das?

Das haben wir gemeinsam mit der Universität Wuppertal gemacht. Die T-Shirts funktionieren über Verdunstungskühlung: Sie werden befeuchtet und nehmen Wasser auf, das dem Körper beim Verdunsten Wärme entzieht. Die Rückmeldungen waren positiv — die T-Shirts sind angenehm zu tragen, wirksam und auch unter einem Hemd kaum sichtbar. Die Tests sind mittlerweile abgeschlossen, auf die konkreten Ergebnisse sind wir sehr gespannt.

Was tun Sie speziell für den Außendienst?

Im Außendienst steuern wir entlang des UV-Index und der erwarteten Temperaturen. Außentermine sollen möglichst in kühlere Tageszeiten gelegt werden, Pausen im Schatten sind wichtig, ebenso eine konsequente Trinkdisziplin. Dafür mussten wir auch die Führungskräfte sensibilisieren. Zusätzlich haben wir Hitze-Kits mit Wasser, Elektrolyten, Sonnencreme und Kühltüchern zusammengestellt, die wir den Kolleginnen und Kollegen mitgeben. Außerdem gibt es allgemeine Unterweisungen, zum Beispiel die Klimaanlage im Auto vor der Ankunft beim Kunden langsam wärmer einzustellen, um sich zu akklimatisieren.

Inwieweit berücksichtigt das Konzept die Arbeit im Homeoffice?

Da gilt im Prinzip dasselbe, wie im Büro. Auch dort empfehlen wir Verschattung, morgendliches Lüften, konsequentes Schließen der Jalousien, bei Bedarf Ventilatoren und natürlich ausreichend zu trinken. Entscheidend ist auch hier, dass die Empfehlungen nicht nur formuliert, sondern wirklich verstanden und umgesetzt werden.

Wie gehen Sie mit unterschiedlichem Hitzeempfinden der Mitarbeitenden um?

Das ist immer eine Mischung aus Objektivität und Flexibilität. Objektiv heißt: Wir arbeiten mit Schwellenwerten und dem Effektivtemperaturmodell, einem objektiven Verfahren zur Bewertung der Wärmebelastung am Arbeitsplatz. Flexibel heißt: Wo es möglich ist, können Arbeitszeiten verlagert oder gesplittet werden — also zum Beispiel morgens arbeiten und mittags eine längere Pause einlegen. Nicht überall lässt sich das umsetzen, aber dort, wo es geht, empfehlen wir es ausdrücklich.

Welche Rolle spielt die Kommunikation insgesamt?

Eine sehr große. Es reicht nicht, Maßnahmen zu definieren — die Beschäftigten müssen wissen, was ihnen zur Verfügung steht, und sie müssen die Maßnahmen im Alltag anwenden können. Deshalb sind Sensibilisierung, wiederholte Unterweisungen und klare Informationen ein zentraler Teil des Konzepts.

Hat sich das Konzept bereits positiv ausgewirkt?

Ja, deutlich. Wir haben, bevor und nachdem wir neue Maßnahmen eingeführt und diese sowie bestehende Maßnahmen intensiv kommuniziert haben, Befragungen durchgeführt und gesehen, dass die Bekanntheit unserer Angebote stark gestiegen ist – teilweise auf das Achtfache. Die befragten Kolleginnen und Kollegen fühlten sich an Hitzetagen besser handlungsfähig und das qualitative Feedback war sehr positiv.

Wie geht es bei der AXA weiter in Sachen Hitzeschutz?

Wir verstehen das Thema als lernendes System und überprüfen die Maßnahmen regelmäßig. Für den kommenden Sommer haben wir zudem den Einsatz von Kühlvorhängen auf einer Testfläche vorgesehen. Hier nutzen wir wie bei den Kühl-T-Shirts das Prinzip der Verdunstungskälte. Darauf bin ich schon sehr gespannt. Dass wir heute ein so umfassendes Hitzeschutzkonzept haben, verdanken wir auch der sehr zielführenden Unterstützung durch die beteiligten Führungskräfte sowie der Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich Workplace & Infrastructure. Mit ihrer Unterstützung wollen wir das Thema noch stärker in der Organisation verankern und weiter in die Linie überführen. Dafür haben wir zum Beispiel auch unsere Gefährdungsbeurteilungen angepasst.

Cool bleiben im Büro

Wann müssen Arbeitgebende Hitzeschutzmaßnahmen ergreifen, ab welcher Raumtemperatur ist Arbeiten nicht mehr ohne Weiteres zulässig – und wie verhindert man, dass es so weit kommt? Im Certo-Beitrag „Cool bleiben im Büro – entspannt durch die Sommerhitze“ erklärt VBG-Experte Andreas Stephan, wie Sie und Ihre Mitarbeitenden kühlen Kopf bewahren, wenn draußen die Temperaturen steigen. Mit praktischem Poster zum kostenfreien Download.

Weitere Informationen rund um das Klima am Arbeitsplatz finden sie außerdem auf der entsprechenden VBG-Themenseite.

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