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Pflichtenkompass auf einem iPad
Foto: iStock

VBG-PflichtenkompassPer Online-Navi durch den Vorschriftendschungel

Der neue VBG-Pflichtenkompass weist Firmen mit elf bis 50 Beschäftigten unkompliziert den Weg, ihre Pflichten zu Sicherheit und Gesundheit im Büro zu erfüllen.

Laut Gesetzgeber sind die Themen Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz Chefsache. Das Arbeits­schutz­gesetz besagt: „Der Unternehmer hat die erforderlichen Maßnahmen zur Verhütung von Arbeits­unfällen, Berufs­krankheiten und arbeits­bedingten Gesund­heits­gefahren sowie für eine wirksame Erste Hilfe zu treffen.“ Wer ein Unternehmen leitet, versucht natürlich, alles im Blick zu behalten, von der Auftrags­lage bis zur Zeit­erfassung. Die umfang­reichen Vorschriften rund um Arbeits­sicherheit und Gesund­heits­schutz können allerdings ganz schön in Atem halten, auch wenn es „nur“ um Büro­tätigkeiten geht. Dass sie eine Gefährdungs­beurteilung durch­führen müssen, wissen viele Unter­nehmerinnen und Unter­nehmer. Aber wie das alles funktioniert und wie sie ihren gesetzlichen Für­sorge­pflichten umfassend gerecht werden, um ihre Beschäftigten körperlich und seelisch gesund zu halten, ist nicht allen bekannt. Hier hilft der neue VBG-Pflichten­kompass, eine Web­applikation, die Interessierte schnell und unkompliziert durch den Dschungel der Vorschriften führt.

In 30 Minuten schlau geklickt

Mit wenig Aufwand analysiert das neue Tool anonym die gegen­wärtige Lage der Sicherheit am Büro­arbeits­platz im eigenen Unternehmen und verweist in kompakter Form auf individuelle Verbesserungs­möglichkeiten sowie weiter­führende Informationen und Unter­stützungs­angebote der VBG. Seit dem 15. April ist der VBG-Pflichtenkompass online. Wer 30 Minuten investiert, hat viel gelernt: Fünf kurze Fragen zum eigenen Unternehmen helfen bei der Analyse des Ist-Zustandes. Anschließend können die Nutzenden herausfinden, welche Themen zum Arbeits­schutz speziell für sie wichtig sind. Im nächsten Schritt werden die Arbeits­bedingungen der Beschäftigten analysiert. Danach werden konkrete Verbesserungs­möglichkeiten vorgeschlagen. Mithilfe einer individuellen Aktions­liste können Nutzerinnen und Nutzer sofort loslegen. Das Programm ist dabei so smart, dass es beispiels­weise sofort berechnet, wie viele Brand­schutz­helfende oder Ersthelfende ein Unternehmen braucht.

Finden Sie alle Informationen zum Pflichtenkompass
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Annette Jacobs ist Referentin Prävention und Projektleiterin bei der VBG.

Annette Jacobs ist Referentin Prävention und Projektleiterin bei der VBG.

Foto: VBG/Oliver Hardt

Ergebnisoffene Herangehens­weise

Nicht nur das neue Tool, auch seine Entstehungs­geschichte ist Innovation pur. „Das für die Entwicklung zuständige Team bei der VBG hat erstmals mit Design-Thinking-Methoden gearbeitet“, erklärt Annette Jacobs, die als Projekt­leiterin der VBG von Anfang an dabei war und die Story des Pflichten­kompasses so gut kennt wie keine zweite. Design Thinking? Dabei handelt es sich um einen Prozess zur Förderung von kreativen Ideen, der in den 1990er-Jahren in Kalifornien erfunden wurde. Er zielt darauf ab, Innovationen zu entwickeln, die sich in erster Linie an den Nutzenden und deren Bedürfnissen orientieren. „Es geht um den Lösungs­weg und das Hinein­versetzen in die Anwenderinnen und Anwender. Im Mittelpunkt bei allen Über­legungen steht immer der Mensch“, erklärt Heiko Tullney. Als Leiter des Teams von Indeed Innovation hat er gemeinsam mit der VBG-Arbeits­gruppe den Pflichten­kompass entwickelt und die VBG-Arbeits­gruppe in die Methoden des Design Thinking eingeführt. „So wie Produkte nur dann gut entworfen sind, wenn sie sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, so sind auch Konzepte nur wirklich tragfähig, wenn sie die Probleme von Menschen auch tatsächlich lösen“, führt Tullney aus. VBG-Expertin Annette Jacobs schmunzelt: „Wir haben so viele wirklich gute Produkte im Haus, aber uns fehlt in manchen Bereichen die Sicht von außen.“ Aus Seminar­rück­meldungen war bekannt, dass Unter­nehmerinnen und Unternehmer teilweise nicht hundert­prozentig einschätzen können, worauf sie bei der Erstellung einer Gefährdungs­beurteilung achten müssen und wo alle dies­bezüglichen Informationen zu finden sind.

Heiko Tullney von der Firma Indeed Innovation ist Experte für nachhaltige Innovationen und die Entwicklung von Dienstleistungen, Business-Modellen und Produkten.

Heiko Tullney von der Firma Indeed Innovation ist Experte für nachhaltige Innovationen und die Entwicklung von Dienst­leistungen, Business-Modellen und Produkten.

Foto: Indeed Innovation

Auch die Zielgruppe wurde klar eingegrenzt: „Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten bietet das VBG-KPZ-Portal viel Unter­stützung rund um ihre gesetzlichen Pflichten. In großen Unternehmen kümmern sich meist ausgebildete Fachkräfte für Arbeits­sicherheit um dieses Thema. Wir wenden uns an die Gruppe dazwischen“, macht Jacobs deutlich.

Entwicklung mithilfe der Zielgruppe

Typisch Design Thinking: Welches konkrete Unter­stützungs­angebot am Ende des Prozesses heraus­kommen würde, war dabei offen. „Wir hatten Ideen von Gamification über Trainings bis zu einer Roadshow. Erst nach mehreren Iterations­schleifen, wie man die einzelnen Verbesserungs­schritte nennt, wurde der Pflichten­kompass entwickelt. Am Ende ist eine Website entstanden, weil sie orts- und zeit­unabhängig Hilfe bieten kann“, berichtet Jacobs. Unter­nehmerinnen und Unter­nehmer waren dabei in mehreren Formaten beteiligt, ob bei persönlichen Befragungen und Präsentationen oder auf Basis von Internet­simulationen. Immer wieder wurde geprüft: Sind unsere Botschaften verständlich? Sind sie relevant für die Zielgruppe? Tullney selbst musste den VBG-Kosmos erst mal kennen­lernen und verstehen und besuchte zur Vorbereitung ein Seminar der gesetzlichen Unfall­versicherung. Die dort anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer erklärten ihm, dass die Fülle von Informationen manchmal eher hinderlich dabei sei, aktiv zu werden. Genau hier setzt der Pflichten­kompass an: „Er nimmt es Interessierten ab, eine ganze Broschüre oder ein Gesetz von vorn bis hinten durch­zu­ackern, indem er die Informationen auf ihren Kern reduziert“, erklärt Annette Jacobs. „Das ist essenziell, damit die Nutzenden Lust bekommen, sich mit den Themen zu beschäftigen“, weiß Tullney. Denn: Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit sind Unter­nehmerinnen und Unter­nehmern zwar wichtig, stehen aber nicht permanent im Mittel­punkt ihrer Überlegungen. „Wer ein Unternehmen führt, möchte dieses mit ganzer Kraft voran­bringen“, erläutert der Experte.

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Übersichtliche Auswertung: Dank der schlanken Aktions­liste wissen Unter­nehmerinnen und Unter­nehmer genau, wie sie vorgehen sollen.

Foto: VBG

Unternehmen profitieren vielfältig

Und dabei helfen Maßnahmen wie eine Gefährdungs­beurteilung, ist sich Annette Jacobs sicher: „Wer die Vorschriften einhält, sorgt dafür, dass im eigenen Unternehmen besser gearbeitet wird“, ergänzt sie überzeugt. Wer beispiels­weise in Prävention investiert, beugt krankheits­­bedingten Ausfällen vor. „Seit ein paar Jahren ist auch die psychische Gefährdungs­beurteilung zur expliziten Pflicht geworden. Das betrifft ja auch gerade die Büro­jobs, bei denen viele Beschäftigte von Stress und internen Konflikten betroffen sind“, erklärt sie. Wer sich informiert, legt also auch die Grundlage für eine gesunde und sichere Unternehmens­­entwicklung.

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