Wo finden Beschäftigte und Unternehmen professionelle Hilfe bei psychischen Problemen?
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Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist eine gemeinsame Aufgabe, doch manchmal reichen Prävention und kollegiale Unterstützung nicht aus. Wenn eine akute Krise eintritt oder chronische Belastung professionelle Hilfe erfordert, ist es für Beschäftigte und Unternehmen entscheidend, die richtigen Anlaufstellen zu kennen. Diese reichen von betriebsinternen Ansprechpersonen über externe Beratungs- und Informationsangebote bis hin zu institutioneller Unterstützung. Hier finden Sie ein zentrales, kuratiertes Verzeichnis, um schnell und sicher die notwendige Hilfe zu erhalten.
Die einfachste und oft schnellste Hilfe finden Beschäftigte direkt im Betrieb. Diese Ansprechpartnerinnen und -partner sind zur Vertraulichkeit verpflichtet und können erste Orientierung bieten, ohne dass sofort eine Diagnose oder Therapie erforderlich ist:
Gut zu wissen: Wie unterscheiden sich Ärztliche Schweigepflicht und Betriebliche Vertraulichkeit?
Die Ärztliche Schweigepflicht verpflichtet nach § 203 StGB Personengruppen wie Betriebsärztinnen und -ärzte, aus der Psychotherapie oder EAP-Beratung dazu, ihnen anvertraute Informationen streng vertraulich zu behandeln – auch gegenüber der oder dem Arbeitgebenden. Die Betriebliche Vertraulichkeit (z. B. bei Vorgesetzten oder dem Betriebsrat) ist eine wichtige Zusage, basiert aber nicht auf gesetzlichem Schutz, sondern auf internen Vereinbarungen. Sie bietet daher weniger rechtlichen Schutz als die Schweigepflicht.
Es gibt zahlreiche spezialisierte, vertrauenswürdige Anlaufstellen außerhalb von Unternehmen, die langfristige Beratung, Informationen und Therapievermittlung anbieten. Die wichtigsten finden Sie in dieser Übersicht:
Deutsche Depressionshilfe
Angebot und Zielgruppe
Informationen, Selbsttests und Hilfsangebote zu Depressionen und manisch-depressiven Erkrankungen. Die Depressionshilfe bietet ein bundesweites Verzeichnis von Klinik- und Beratungsadressen sowie Forschungsergebnisse. Das Angebot richtet sich an Betroffene, Angehörige und Fachkreise.
Relevanz
Zur ersten Orientierung: Die zentrale Anlaufstelle zur Faktenklärung und zur systematischen Suche nach regionalen Therapie- und Beratungsangeboten in Deutschland. Kein Therapieangebot.
Kontakt und weiterführende Informationen
Website: deutsche-depressionshilfe.de
Info-Telefon: 0800/33 44 515
psychenet.de
Angebot und Zielgruppe
Umfassendes Netzwerk mit nationaler Relevanz für psychische Gesundheit. Bietet ein Verzeichnis von regionalen Hilfsangeboten, Selbsthilfe und wissenschaftlich fundierte Fachinformationen zu verschiedenen Störungsbildern.
Relevanz
Zentrale Informationsplattform: Dient als kuratierte Suchmaschine zur schnellen, faktenbasierten Suche nach regionaler Hilfe, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Kliniken. Ideal zur Orientierung in der Frühphase der Belastung.
Kontakt und weiterführende Informationen
Website: psychenet.de
Regionale Kontaktdaten über die Suchfunktion auf der Website.
Wohlfahrtsverbände
Angebot und Zielgruppe
Bieten allgemeine Sozial- und Lebensberatung sowie spezifische psychosoziale Dienste, Schuldenberatung und Suchtberatung. Unterstützen bei der Bewältigung von Problemen, die oft begleitend zu psychischen Belastungen auftreten.
Relevanz
Niederschwellige Beratung: Bieten oft kostenfreie, kurzfristige Beratungsgespräche an, die bei der Klärung von sozialen, finanziellen oder familiären Problemen in Krisenzeiten helfen können.
Kontakt und weiterführende Informationen
Suche nach der nächstgelegenen Beratungsstelle über die jeweilige Website der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege:
Arbeiterwohlfahrt: awo.de
Deutscher Caritasverband: Caritas.de
Diakonisches Werk: Diakonie.de
Der Paritätische: paritaet.org
Deutsches Rotes Kreuz: drk.de
Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland: zwst.org
Kassenärztliche Vereinigung (KV)
Angebot und Zielgruppe
Der offizielle Vermittlungsdienst für Termine bei Psychotherapeutinnen und -therapeuten, Fachärztinnen und -ärzten und Akutbehandlungen in Deutschland. Die KV stellt sicher, dass gesetzlich Versicherte zeitnah einen Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde erhalten.
Relevanz
Therapievermittlung: Der erste obligatorische Schritt für alle gesetzlich Versicherten, die eine psychotherapeutische Behandlung beginnen möchten.
Kontakt und weiterführende Informationen
Telefonische Terminservicestelle: 116 117
Website: 116117-termine.de
Berufspsychologischer Service der Bundesagentur für Arbeit (BPS)
Angebot und Zielgruppe
Bietet psychologische Unterstützung für Personen, deren psychische oder gesundheitliche Probleme die berufliche Eingliederung oder die Stabilität im Job gefährden. Unterstützt bei der beruflichen Neuorientierung oder Wiedereingliederung.
Relevanz
Berufsbezogene Rehabilitation: Wichtig für langzeiterkrankte Beschäftigte oder bei drohender Arbeitslosigkeit aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen. Hilft bei der Klärung von Leistungseinschränkungen.
Kontakt und weiterführende Informationen
Kontakt über die örtliche Agentur für Arbeit oder das Jobcenter.
Website BPS: arbeitsagentur.de
Wenn eine akute psychische Krise auftritt (z. B. Suizidgedanken, Panikattacken), besteht dringender Handlungsbedarf und es ist sofortige Hilfe notwendig. Für eine akute Krisenintervention stehen verschiedene Dienste zur Verfügung, die rund um die Uhr kostenfrei erreichbar sind. Hier finden Sie eine Übersicht der wichtigsten Anlaufstellen:
Telefonseelsorge
Angebot und Zielgruppe
Anonyme, kostenfreie und vertrauliche Beratung bei Lebenskrisen, Suizidalität oder psychischen Belastungen.
Relevanz
Wichtige und niedrigschwellige Anlaufstelle in akuten emotionalen Notsituationen oder bei Suizidgedanken. Es wird keine Diagnose gestellt.
Kontakt und weiterführende Informationen
Hotline: 116 123 oder 0800/1110111 (Evangelische Seelsorge) oder 0800/1110222 (Katholische Seelsorge)
Website: telefonseelsorge.de
Ärztlicher Bereitschaftsdienst
Angebot und Zielgruppe
Medizinische Hilfe bei Erkrankungen, deren Behandlung nicht aufgeschoben werden kann. Kann bei akuten psychischen Krisen weiterleiten.
Relevanz
Medizinische Klärung bei dringenden gesundheitlichen Beschwerden (z. B. Panikattacken oder akuter Erschöpfung), die keinen Notarzt erfordern.
Kontakt und weiterführende Informationen
Hotline: 116 117
Website: 116117.de
Notruf
Angebot und Zielgruppe
Lebensrettende Hilfe bei akuter Eigen- oder Fremdgefährdung (z. B. unmittelbar drohendem Suizid) oder schweren Unfällen.
Relevanz
Muss bei lebensbedrohlichen Krisen immer zuerst kontaktiert werden.
Kontakt und weiterführende Informationen
Notruf: 112
Regionale Krisendienste / Sozialpsychiatrische Dienste
Angebot und Zielgruppe
Bieten direkte, regionale psychologische Krisenberatung und -intervention an (telefonisch und oft auch vor Ort). Ziel ist die Stabilisierung und die Organisation der nächsten Schritte.
Relevanz
Ideal, wenn eine telefonische Beratung nicht ausreicht und eine persönliche Einschätzung in der Nähe des Wohnorts benötigt wird.
Kontakt und weiterführende Informationen
Individuelle Websuche nach Bundesland/Stadt, z. B. „Psychosoziale Krisendienste Berlin“
Für Unternehmen existieren verschiedene externe Partner, um ihren gesetzlichen Pflichten nachzukommen, die psychische Gesundheit der Beschäftigten zu fördern und diese nach längerer Krankheit erfolgreich wieder einzugliedern. Diese Angebote richten sich an Arbeitgebende, Führungskräfte und interne Gesundheitsfachkräfte.
Berufsgenossenschaften (z. B. VBG)
Angebot und Zielgruppe
Als Trägerinnen der gesetzlichen Unfallversicherung und Expertinnen für Prävention und Rehabilitation bieten Berufsgenossenschaften kostenfreie Unterstützung bei der Gefährdungsbeurteilung, Schulungen, Seminare und spezielle Programme (z. B. nach traumatischen Ereignissen).
Relevanz
Berufsgenossenschaften sind wichtige Partnerinnen zur Erfüllung der gesetzlichen Arbeitsschutzpflichten und zur Nutzung wissenschaftlich fundierter, branchenspezifischer Präventionsinstrumente.
Kontakt und weiterführende Informationen
Kontakt über die zuständige Bezirksverwaltung oder das Online-Portal der jeweiligen Berufsgenossenschaft.
Externe Mitarbeiterberatung (EAP)
Angebot und Zielgruppe
Vertrauliche, oft rund um die Uhr erreichbare Beratung für Beschäftigte zu psychischen, beruflichen, rechtlichen oder sozialen Themen durch externe Fachkräfte. Wird von Arbeitgebenden eingekauft und ist für Beschäftigte anonym und kostenfrei.
Relevanz
Dient der frühen Entlastung von Führungskräften und bietet Mitarbeitenden einen niedrigschwelligen, neutralen Support, bevor aus Belastung eine Erkrankung wird. Unterstützt die Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF).
Kontakt und weiterführende Informationen
Wird meist über eine interne Hotline des jeweiligen EAP-Anbieters bereitgestellt.
Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA)
Angebot und Zielgruppe
Eine Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Bietet kostenfreie Handlungshilfen, Checklisten und Praxisbeispiele zur gesunden Arbeitsgestaltung, zur Arbeitsorganisation und zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM).
Relevanz
Stellt wissenschaftlich fundierte und erprobte Tools bereit, um die psychische Gesundheit präventiv zu stärken. Ideal für Führungskräfte und BGM-Verantwortliche zur direkten Anwendung.
Kontakt und weiterführende Informationen
Website: inqa.de
Gesetzliche Krankenkassen (GKV)
Angebot und Zielgruppe
Bieten Basisleistungen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) an (z. B. Kurse zu Stressmanagement und Entspannung). Unternehmen können oft finanzielle Förderung oder kostenlose Beratung zur Implementierung von BGF-Maßnahmen erhalten.
Relevanz
Wichtige Partner zur Teilfinanzierung von Präventionsmaßnahmen, die den §§ 20 und 20a SGB V entsprechen. Die GKV hilft bei der Gestaltung und Evaluation der Maßnahmen.
Kontakt und weiterführende Informationen
Kontakt: Ansprechpersonen für BGF bei der Krankenkasse, bei der die meisten Beschäftigten versichert sind.
In einer psychischen Belastungssituation gilt es, schnell handlungsfähig zu bleiben. Mit dieser Checkliste finden Beschäftigte unkompliziert ihren Weg zum passenden Hilfsangebot: