Wie schützt man die psychische Gesundheit im Homeoffice und vermeidet soziale Isolation?
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Homeoffice, mobile Arbeit und digitale Flexibilität bieten Chancen. Doch gleichzeitig entstehen neue Risiken für die psychische Gesundheit und soziale Verbundenheit: Wenn Arbeit und Privatleben verschwimmen, fällt das Abschalten schwer. Häufig wird länger gearbeitet und auf Pausen verzichtet. Ein wichtiger Punkt sind auch die mangelnde Kommunikation im Team und ungeeignete Arbeitsplätze. Die langfristigen Folgen dieser Belastungen? Isolation, Erschöpfung oder sogar psychische Erkrankungen.
Definition: Was bedeutet soziale Isolation in der Arbeitswelt?
Soziale Isolation beschreibt laut Kompetenznetz Einsamkeit am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e.V. den Mangel an sozialen Kontakten und sozialen Beziehungen. Im Arbeitskontext bedeutet das, dass Beschäftigte über längere Zeit kaum persönliche Interaktion mit Kolleginnen und Kollegen erleben. Ohne soziale Bindungen und emotionale Unterstützung steigt das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Soziale Isolation gilt als einer der häufigsten psychischen Belastungsfaktoren in der mobilen Arbeit.
Ein großes Risiko bei der Arbeit im Homeoffice ist die soziale Isolation. Laut einer Befragung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) vermissen 50,2 Prozent der Befragten dabei den sozialen Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen. Dabei ist dieser entscheidend, um gesund zu bleiben:
„Für die körperliche und seelische Gesundheit braucht der Mensch Interaktion, Spiegelung, Ansprache und Austausch“ – Dr. Friederike Böhlen, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Heidelberg.
Jan Dettmers, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der FernUniversität in Hagen, nennt weitere Risikofaktoren für die psychische Gesundheit von Beschäftigten, die vor allem im Homeoffice auftreten:
Die Grundsätze des Arbeits- und Gesundheitsschutzes – und die Verantwortung der Arbeitgebenden – gelten auch im Homeoffice. Arbeitgebende müssen laut Arbeitsschutzgesetz auch im Homeoffice für gesunde Arbeitsbedingungen sorgen – dazu gehört ausdrücklich auch der Schutz vor psychischer Belastung.
Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung sollte die Arbeit im Homeoffice ausdrücklich einbeziehen. Damit die Gefährdungsbeurteilung im Homeoffice gelingt, sollten diese Punkte beachtet werden:
Tipp: Regelmäßige Team-Dialoge fördern soziale Nähe
Austausch unter den Kolleginnen und Kollegen fördert die soziale Bindung, reduziert Vereinsamung und ermöglicht Führungskräften, Belastungen früh zu erkennen.
Wichtig für die psychische Gesundheit im Homeoffice ist der bewusste Aufbau sozialer und organisatorischer Strukturen. Arbeitgebende können durch gezielte Maßnahmen die Verbundenheit innerhalb ihrer Teams stärken:
Gesundheitsorientierte Mitarbeiterführung kann auch gelingen, wenn die Mitarbeitenden im Homeoffice arbeiten. Aber die Strukturen dafür entstehen nicht zufällig. Sie erfordern eine Unternehmenskultur, die psychische Gesundheit ernst nimmt. Dafür sollten Führungskräfte:
Wenn Führungskräfte die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden – ob im Büro oder im Homeoffice – aktiv fördern, hat das deutliche Vorteile: Die Beschäftigte berichten von besserer Gesundheit, höherem Wohlbefinden und weniger körperlichen oder psychischen Beschwerden. Außerdem wirken sich gesundheitsfördernde Führungsweisen positiv auf die Einstellungen der Beschäftigten zur Arbeit aus, etwa hinsichtlich Engagement, Bindung ans Unternehmen oder Arbeitszufriedenheit.
Schon mit kleinen Strategien können die Beschäftigten selbst dazu beitragen, ihre Produktivität und psychische Gesundheit zu fördern. Die folgenden Faktoren helfen, im Homeoffice gesund zu bleiben:
Tipp: Musik als Energiequelle im Homeoffice
Musikhören in moderater Lautstärke kann bei der Arbeit zu Hause für zusätzliche Energie sorgen und gegen den „Homeoffice-Blues“ wirken.