Logo Certo
Porträtaufnahme eines lächelnden jungen Mannes mit Brille, der an einer Wand mit Spinden lehnt. Er trägt einen blaugrünen Troyer und Jeans. In seiner rechten Hand hält er einen zusammengeklappten Blindenstock. Die Spinde im Hintergrund sind teils gelb, teils in einem kräftigen Türkis gehalten.
Foto: VBG/Julia Sang Nguyen

Wenn Dunkelheit die Augen öffnet

Seit Januar 2026 sind auch Unternehmen aus dem sozialen Bereich zum Prämienverfahren der VBG zugelassen – Certo war zu Gast in einem dieser Unternehmen: dem Dialoghaus Hamburg.

Veröffentlicht am

Mit einem sanften Klack rastet das rote Einlassband ein. Danach verschwindet das Licht mit jedem Schritt ein wenig mehr. Direkt hinter dem Eingang macht der Weg eine Kurve. Spätestens hier verlassen sich die Besucherinnen und Besucher stärker auf ihre Ohren als auf ihre Augen: Sie hören das leise Klicken eines Langstocks und eine ruhige Stimme, die den Weg erklärt. „Einen Schritt nach links. Genau. Fühlst du hier die Kante?“, leitet der Guide durch die ersten orientierungslosen Momente. In dieser völligen Dunkelheit sortieren sich die Sinne neu. Aber hier, im Dialoghaus Hamburg, führt Dunkelheit nicht ins Nichts, sondern eröffnet einen anderen Blick auf die Welt.

Die Aufnahme zeigt den unteren Körperabschnitt zweier Personen in einem Innenraum mit Holzdielenboden. Beide Personen halten einen weißen Langstock für blinde und sehbehinderte Menschen in der Hand. Eine Person im linken Vordergrund trägt Jeans und dunkle Schnürstiefel, während die zweite Person im Hintergrund an einer Türöffnung mit roten Wänden steht. Zwischen ihnen verläuft ein grauer Teppichläufer auf dem Boden.

(Foto: VBG/Julia Sang Nguyen)

(Foto: VBG/Julia Sang Nguyen)

Der „Dialog im Dunkeln“ zählt zu den bekanntesten Ausstellungen des Dialoghauses Hamburg. Blinde oder sehbehinderte Guides führen die Besucherinnen und Besucher durch Räume, die für sie selbst Alltag sind. Für viele Gäste wird das zur Herausforderung. Denn vertraute Routinen greifen hier nicht mehr. Genau darin liegt das Konzept. Der Perspektivwechsel ist kein Gimmick, sondern Methode. Er zeigt, wo Barrieren entstehen und wie sich mit Empathie und Verständnis überwinden lassen - in Gebäuden, in Abläufen und im eigenen Denken.
 

Kontrolle verlieren, Perspektive gewinnen
 

„Die größte Barriere ist nicht die Treppe oder die Tür“, betont Mario Rosenbaum. „Es ist die Verunsicherung im Kopf.“ Seit zwölf Jahren ist er Guide im Dialoghaus und kennt die Momente, in denen Besucherinnen und Besucher den Kontrollverlust in der Dunkelheit erleben. „Wir sehen alle Seiten der Medaille: von Angst bis Neugier. Oft auch beides gleichzeitig.“ Der Zweck: „Wir ermöglichen Begegnung zwischen Menschen – ob mit oder ohne Behinderung – und wirken so Vorurteilen, Hemmungen und Barrieren entgegen“, schildert Rosenbaum. Am Ende der Tour kommt die Gruppe in der Bar im Dunkeln zusammen. Dort wird reflektiert, gefragt, diskutiert: „Die Fragen können ganz alltäglich sein oder auch sehr persönlich. Und diesen Platz möchten wir bieten, denn Schweigen ist der Feind von Begegnung“, sagt Rosenbaum.

 

Und wie misst man, ob ein Perspektivwechsel mehr ist als ein kurzer Impuls? „Wenn jemand nach der Tour eine blinde Person an der Ampel sieht und fragt: ‚Kann ich helfen?‘ Dann haben wir durch das Erlebnis das ein oder andere Vorurteil im Kopf abgebaut“, sagt Grodzki.

Kritik, das Erlebnis sei „nur symbolisch“, begegnet er gelassen: „Wir sehen unsere Wirkung Tag für Tag. Zum Beispiel, wenn Menschen nach 20 Jahren wiederkommen und berichten, wie prägend das Erlebnis war.“

Obwohl Politik und Gesetzgeber Inklusion klar vorgeben, bleibt sie im Alltag oft lückenhaft. Barrieren begegnen Menschen auf unterschiedlichste Arten: digitale Services, die nicht barrierefrei sind, Vorurteile im Arbeitsmarkt oder das Touchpad der Mikrowelle, das sich ohne Sehvermögen kaum bis gar nicht bedienen lässt. Barrierefreiheit könne kein Luxus sein und betreffe uns alle, macht Daniel Grodzki deutlich. „Nur drei Prozent der Menschen werden mit einer Behinderung geboren. 97 Prozent hingegen erwerben ihre Beeinträchtigung erst im Laufe des Lebens!“ Die Ursachen für den Sehverlust können Alterserscheinungen, Erkrankungen oder auch Unfälle sein. 

Detailaufnahme in einer dunklen Umgebung: Eine Hand ruht auf einer hölzernen Arbeitsplatte, die von einem warmen, punktuellen Lichtstrahl beleuchtet wird. Im Hintergrund sind schemenhaft Vorratsgläser und Bücherrücken zu erkennen.

(Foto: VBG/Julia Sang Nguyen)

Wenn die Dunkelheit weicht

Nach der Führung im Dunkeln verändert sich der Blick auf Selbstverständliches. Barrieren werden bewusster wahrgenommen und gedanklich leichter überwunden. Es wird deutlich: Das Dialoghaus entfaltet seine Wirkung weit über die eigenen Räume hinaus, nämlich dort, wo Routinen neu gedacht werden:  in Unternehmen, in Schulen und vor allem in den Köpfen der Gäste.

Stark machen für andere und die eigenen Mitarbeitenden – das zahlt sich aus

Perspektivwechsel und Prävention haben eines gemeinsam: Sie schaffen Sicherheit – für Menschen und für Unternehmen. Seit Januar 2026 können auch Unternehmen aus dem sozialen, kulturellen und Freizeitbereich am VBG-Prämienverfahren teilnehmen und sich für Investitionen in Arbeitssicherheit belohnen lassen.

Das bedeutet: Wer in Prävention und somit in mehr Sicherheit bei der Arbeit investiert, wird mit einer attraktiven Prämie belohnt!

Von Warnleuchten für den Pkw über Team Agreements-Workshop bis hin zu Otoplastiken – welche Maßnahmen prämienberechtigt sind, erfahren Sie in Ihrem branchenspezifischen Prämienkatalog. Dort finden Sie technische, organisatorische und personelle Maßnahmen für vielfältige Chancen auf eine VBG-Prämie. 

Sie möchten mehr zum Prämienverfahren wissen? Hier erklären wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie teilnehmen können: Prämienverfahren | VBG

Certo durchsuchen...