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Jens Frenzel
Foto: VBG/Alexandra Beier

Teilhabepreis der VBGAusgezeichnet! Durch Arbeit zurück zur Normalität

Weil alle Beteiligten an einem Strang zogen, arbeitet Jens Frenzel nach einer unfallbedingten Querschnittlähmung wieder bei seinem Arbeitgeber Hilti.

Der 26. Februar 2018 markiert für Jens Frenzel den Wendepunkt seines Lebens. Der Ingenieur trat an diesem Montag gegen halb acht Uhr morgens gut gelaunt vor seine Haustür. Wie unzählige Male zuvor schwang er sich auch an diesem Tag auf sein Fahrrad, um den knapp vier Kilometer langen Weg zur Arbeit zurückzulegen. Etwa auf halber Strecke führt der Fahrradweg, den er so oft gefahren ist, an einer Bushaltestelle vorbei. Ein winziger Moment der Unachtsamkeit ließ den geübten Radfahrer gegen einen Bus knallen. Die große Narbe an seiner rechten Schläfe lässt die Wucht des Aufpralls erahnen. Weil er unglücklich auf dem Boden landete, wurden mehrere Wirbel zertrümmert, das Rückenmark wurde dauerhaft geschädigt. Frenzel ist seitdem querschnittgelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen.

„Der Notarzt war sofort zur Stelle, anschließend kam sehr schnell der Rettungshubschrauber“, erinnert er sich. „Ich wusste, dass etwas Größeres passiert sein musste, da ich meine Beine überhaupt nicht bewegen konnte.“ Keine zwei Stunden nach dem Unfall wurde er in der BG Klinik Murnau, einem auf die Akutversorgung und Rehabilitation schwer verletzter und berufserkrankter Menschen spezialisierten Klinikum, operiert. Es folgten ein Tag künstliches Koma und mehrere Tage auf der Intensivstation, in denen nicht nur seine Frau und seine vier Kinder um ihn bangten, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen bei der Hilti Entwicklungsgesellschaft mbH im oberbayrischen Kaufering.

Kommunikation als Erfolgsrezept

Jens Frenzel

Jens Frenzel hat nach seinem Unfall einen neuen Platz im alten Team gefunden. Heute steht er seinen Kolleginnen und Kollegen in einer beratenden Expertenrolle zur Seite.

Foto: VBG/Alexandra Beier

„Als wir erfuhren, was Jens zugestoßen war, saß der Schock erst mal tief“, sagt sein Kollege und Schwerbehindertenvertreter Wolfgang Hausner. Wie Frenzel ist er seit über drei Jahrzehnten im Unternehmen tätig. Jens Frenzel führte dort als Gruppenleiter ein großes Team in der Elektrowerkzeugentwicklung. Am Hilti-Standort in Kaufering arbeiten rund 2.000 Menschen, ein ähnlich schwerer Fall war dort bislang nicht bekannt.

Sobald klar war, dass Jens Frenzel zurück in den Job wollte, wurde ein runder Tisch mit allen Beteiligten gebildet: Die Geschäftsleitung, die Personalabteilung, der Betriebsarzt, das Gebäudemanagement, Schwerbehindertenvertreter Wolfgang Hausner, die VBG und natürlich – zunächst aus der Ferne – Frenzel selbst waren dabei. Und das ist gar nicht so selbstverständlich.

Wie viele Patientinnen und Patienten mit seiner Diagnose wollte Frenzel nach seinem Unfall erst mal niemanden außer seiner Familie sehen. Dann stimmte er Besuchen durch Freundinnen und Freunde zu, ganz schnell kamen auch freundschaftlich verbundene Hilti-Kolleginnen und -Kollegen. „Sobald es ging, wurde ich wieder in wesentliche Entscheidungen einbezogen“, berichtet er. Der damalige Geschäftsführer, Josef Obermeier, hatte in einem zweistündigen Telefonat alle Vorhaben persönlich vorgestellt, die Frenzel bei der Rückkehr erwarten sollten. „Wir haben dem Arbeitgeber einen die VBG beratenden Architekten zur Seite gestellt und uns an den anfallenden Kosten beteiligt“, erklärt Stefan Preu, der ihn als VBG-Reha-Manager begleitet. Er unterstützt von Anfang an mit allen relevanten Informationen rund um die medizinischen Maßnahmen, die Hilfsmittelversorgung und die Wiedereingliederung.

Elf Monate verbrachte Frenzel in Murnau. Am 30. Januar wurde er entlassen, am 31. Januar verbrachte er seinen ersten Tag zurück im Unternehmen. „Die Geschäftsführung hat alles dafür getan, Herrn Frenzel wieder zurückzuholen, eine absolute Erfolgsstory“, erinnert sich Stefan Preu. Baulich gab es dafür einiges zu tun: Am Gebäudeeingang und an vielen Türen im Innenbereich mussten automatische Türöffner angebracht werden, was bei Brandschutztüren kein leichtes Unterfangen ist. Schwellen wurden entfernt, und Frenzel erhielt einen neuen, besser zugänglichen Arbeitsplatz. Die Behindertentoilette wurde mit passenden Sanitäranlagen versehen, der Ruheraum mit einer optischen und akustischen Alarmierungsmaßnahme eingerichtet. Ein Evakuierungsstuhl, der Jens Frenzel bei Notfällen sicher aus dem Gebäude schaffen kann, wurde angeschafft. Der Arbeitsplatz wurde an seine körperlichen Fähigkeiten angepasst, sodass er dort mit einem elektrifizierten Rollstuhl, einer speziellen Computermaus, einem Headset, das mit einer Hand aufzusetzen ist, und einer Sprachsoftware gut arbeiten kann.

Halt durch das Umfeld

Ganz zufrieden ist Frenzel mit der Beweglichkeit seiner Hände und Finger heute noch nicht. Aber mittlerweile kann er sogar selbst aufstehen und mit Unterstützung einige Schritte mit dem Rollator oder auf Krücken gehen. Dass er nie wieder richtig laufen können wird, hat er inzwischen akzeptiert.

Fünfzehn Stunden pro Woche ist er wieder im Einsatz. Statt in einer Führungs- arbeitet er heute eher in einer Expertenrolle, vertritt den Bereich in einer Forschungsvereinigung, unterstützt das Patentwesen und betreut Studierende bei ihren Abschlussarbeiten. „Nicht mehr in der Personalverantwortung zu sein war für mich ein Riesenschritt. Aber ich habe festgestellt, dass ich sehr wohl noch einen positiven Beitrag im Unternehmen bringen kann, und mein Job macht mir nach wie vor Spaß“, so sein Resümee.

Weil alle Beteiligten optimal zusammengearbeitet und viel miteinander gesprochen haben, findet Jens Frenzel heute wieder in seinem Arbeitsumfeld Halt, und sein Arbeitgeber kann von seiner langjährigen Erfahrung profitieren. Für diese Gemeinschaftsleistung wird die Hilti Entwicklungsgesellschaft GmbH mit dem Teilhabepreis der VBG 2021 ausgezeichnet. Jens Frenzel persönlich erobert sich weitere Freiheiten zurück, zum Beispiel in den Urlaub zu fahren. „Spontane Reisen sind jetzt schwierig geworden, weil wir immer so viel im Vorfeld organisieren müssen. Dennoch bin ich da ganz optimistisch“, sagt er und lächelt.

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