Routine, die man eigentlich nicht will
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Alexander Donnert, Produktionsleiter bei der Semcoglas GmbH in Sennfeld, hat zusammen mit seinen Kollegen erfolgreich Erste Hilfe geleistet, als ein Mitarbeiter sich schwer verletzte.
Erzählen Sie uns bitte Ihre Geschichte: Welcher Notfall trat ein, wie konnten Sie ErsteHilfe leisten – und wie geht es der betroffenen Person heute?
Einer meiner Mitarbeiter hatte mithilfe einer Maschine Glasscheiben gedreht, um diese zu bearbeiten. Das war am 2. Juni 2021. Aufgrund eines Bedienungsfehlers hatte sich eine der Scheiben gelöst, ist auf den Arm des Mitarbeiters gefallen und hat diesen dabei schwer verletzt – einige Nerven, Muskeln und Adern, besonders am Unterarm, wurden zertrennt. Er hat also sehr stark geblutet. Zwei meiner Kollegen haben den Unfall gesehen und sind sofort zum Verletzten gerannt. Da das in einer Produktionsstätte für Glas untypisch ist, wusste ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Ich bin also ebenfalls zur Unfallstelle geeilt und habe die Erste Hilfe übernommen, die Versorgung koordiniert und den Notruf getätigt. Wir haben dann schnell alles
Nötige getan, um die Blutung zu stillen. Das hat ihm am Ende wahrscheinlich das Leben gerettet, und der Mitarbeiter konnte seinen Arm behalten – das war lange Zeit nicht klar. Gänzlich genesen ist er bis heute nicht: Ihm fehlt aufgrund des Unfalls nach wie vor das Gefühl in einigen Fingern und die körperliche Kraft in den Armen und kann deswegen seiner alten Tätigkeit nicht wie gewohnt nachgehen.

Alexander Donnert handelte instinktiv richtig, als er seinem verletzten Kollegen zur Hilfe eilte. (Foto: BG/Thomas Lohnes)
Hand aufs Herz: Wussten Sie, was zu tun ist, oder haben Sie instinktiv gehandelt?
Ich bin seit über 25 Jahren nebenberuflich bei der Feuerwehr tätig. Dort habe ich leider schon einige Unfälle gesehen und Erste Hilfe geleistet. Ich habe demnach eine gewisse Routine darin und weiß, was in solchen Situationen zu tun ist. Einen Unfall mit so viel Blut habe ich jedoch äußerst selten erlebt – das war schon eine enorme Herausforderung. Ich wusste sofort, dass es hier ums Überleben des Mitarbeiters geht.
Welche Reaktionen gab es – über diese Anerkennung durch die VBG hinaus –, und wie fühlt man sich als Erstretter?
Vor allem mein Vorgesetzter und meine Kollegen haben sich bei mir auf verschiedenen Wegen bedankt. Ich bin aber genauso froh, dass meine Kollegen mit vor Ort waren und wir gemeinsam als Team Erste Hilfe leisten konnten. Als Erstretter freut es mich zwar, dass wir dem Mitarbeiter so gut es ging helfen konnten, aber was natürlich auch klar ist: Solche Unfälle sollten am besten gar nicht passieren.
Informieren Sie sich hier zum Ablauf der Erste-Hilfe-Ausbildung und zur Kostenübernahme durch die VBG.
Auch Marcus Gaus hat in einer Notsituation im Betrieb als Ersthelfender alles richtig gemacht. Im Interview erzählt er, wie er helfen konnte.