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Foto: NDABCREATIVITY

Bye-bye, Technikfrust!

Auch, wenn sich hier viel getan hat: Ab und an treibt uns die Technik im Büro in den Wahnsinn. Dabei ließe sich dieser Frust oft vermeiden.

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Wann haben Sie Ihren Computer zuletzt angeschrien? Seltsame Frage? Nicht unbedingt. Immerhin 70 Prozent der Befragten einer Bitkom-Studie haben ihrem Ärger schon dadurch Luft gemacht, dass sie ein technisches Gerät angebrüllt haben, wenn es nicht funktionierte. So weit, so normal offenbar.

Müsste es aber nicht sein. Denn Technikfrust ließe sich in den meisten Fällen vermeiden, ist sich Stefan Brandenburg sicher. Brandenburg ist Professor für Allgemeine Psychologie und Human Factors an der TU Chemnitz und forscht dazu, wie Menschen mit Technik interagieren. Wenn es dabei hakt und der Blutdruck vor der Tastatur steigt, hat dies häufig den Grund, dass eben diesen „Human Factors“ zu wenig Beachtung geschenkt wurde. „Technik sollte von Menschen für Menschen gemacht werden. Wird sie aber oft nicht“, sagt der Wissenschaftler.

Und das kann Folgen haben: zum Beispiel mangelnde Usability und an den Bedürfnissen vorbeigehende Anwendungen. Für Bürobeschäftigte besteht dadurch erhebliches Frustpotenzial. In allererster Linie bei der Einführung neuer Software und bei Änderungen in bekannten Anwendungen, weiß Brandenburg: „Die Bedienung von Bürosoftware ist Gewohnheitssache, ein Wechsel wird oft als anstrengend wahrgenommen.“ Die Einarbeitung in neue Software wird so schnell zur motivationalen Frage, kann als starke Belastung erlebt werden und zu einem vermeidenden Verhalten führen. 

Kommen Beschäftigte dann noch mit dem Programm nicht zurecht, kann sich das negativ auf die Arbeitszufriedenheit auswirken. „Typische Effekte sind Gefühle von Inkompetenz oder mangelnder Selbstwirksamkeit. Darunter leiden nicht nur die Menschen, sondern auch deren Produktivität“, so Brandenburg. Führt ein täglicher Umgang mit frustauslösenden Tools zu einer langanhaltenden Belastung, könne das in Extremfällen sogar dazu beitragen, dass Beschäftigte das Unternehmen verließen.

Ungesunder Hang zur „Featuritis“

Prof. Dr. Stefan Brandenburg ist Professor für Allgemeine Psychologie und Human Factors an der TU Chemnitz. Dort forscht er unter anderem zur Interaktion von Menschen mit Computern und künstlich intelligenten Agenten sowie zu ethischen Aspekte von Technologien.

Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass Bürosoftware an den Bedürfnissen der Anwendenden vorbei entwickelt oder eingekauft wird? „Das Problem ist häufig, dass die entscheidenden Personen bei der Softwareeinführung nicht die sind, die damit arbeiten“, sagt Brandenburg. Oft hätten Verantwortliche einen betriebswirtschaftlich geprägten Hintergrund. Der Forscher beobachtet dadurch einen Hang zur „Featuritis“: Kaufentscheidungen werden danach getroffen, wie viele Features man fürs Geld bekommt. Bewegen sich Unternehmen in einem unsicheren Umfeld, geht der Blick zudem oft zu Mitbewerbern und es wird gekauft, was die Konkurrenz nutzt. Schließlich sei auch der bloße Preis nicht selten ein entscheidendes Kriterium.

 

Dass dabei nicht immer die beste Lösung herauskommt, liegt auf der Hand. Brandenburg: „Dabei wissen wir aus der Usability-Forschung sehr gut, wie eine menschzentrierte Gestaltung von Technologie funktioniert.“ Entscheidend dafür sei eine saubere Anfangsanalyse: Welche Anforderungen hat das Unternehmen, welche Beschäftigten, welche technologischen Voraussetzungen und welche organisatorischen Rahmenbedingungen? „Diese Anforderungsanalyse schließt immer die Menschen mit ein, die mit der Anwendung arbeiten sollen“, sagt der Wissenschaftler. „Das heißt nicht, dass ich alle Mitarbeitenden fragen muss, aber wenn ich mit drei von ihnen spreche, habe ich schon einen menschzentrierten Ansatz.“ Schließlich sei auch eine Evaluationsphase wichtig, in der die Frage beantwortet wird, ob die Technologie auch wirklich die Anforderungen erfüllt. „Im Alltag werden einige dieser Schritte leider oft weggelassen“, so Brandenburg.

Die Vorteile menschzentrierter Technik

Und das ist im wahrsten Sinne des Wortes zu kurz gedacht. Denn: „Die Vorteile einer menschzentrierten, durchdachten Software liegen auf der Hand: Sparen alle Mitarbeitenden jeden Tag nur zehn Minuten, hat man am Ende des Jahres einen riesigen Produktivitätsgewinn“, so Brandenburg. Und das ist nur der messbare Vorteil gut funktionierender Anwendungen. Denn die können eine echte Win-win-Situation bewirken. „Haben Leute bei neuer Software ein Aha-Erlebnis, weil der Workflow einfacher geworden ist und sie sich ganz auf ihre Arbeit fokussieren können, sind sie nicht nur produktiver, sondern auch zufriedener“, sagt Brandenburg. „Eine gute Software zeichnet sich dadurch aus, dass sie in den Hintergrund tritt und bei der Benutzung nicht Gegenstand von Gedanken ist.“

Es lohnt sich also, gerade in der Auswahl-, Gestaltungs- und Einführungsphase neuer Anwendungen etwas mehr zu investieren – an Zeit, aber gegebenenfalls auch an Geld. Das betrifft auch das Ausrollen, das oft als harter Cut wahrgenommen wird. „Bei einer Einführung über Nacht sind dann plötzlich alle Routinen weg“, warnt Brandenburg. „Besser kann es sein, in einer Abteilung oder mit einigen Mitarbeitenden zu beginnen und die Software Stück für Stück auszurollen. So können diejenigen, die schon Ahnung haben, andere anlernen.“

Mehr Achtsamkeit im Umgang mit Technik

Insgesamt rät Brandenburg sowohl Entscheidern und Führungskräften als auch Beschäftigten zu mehr Achtsamkeit im Umgang mit Technik. Das meint auf der einen Seite nicht nur die gründliche Bedarfsanalyse, sondern auch eine gesunde Fehlerkultur im Unternehmen, eine Sensibilisierung für Probleme und Bedürfnisse der Mitarbeitenden sowie Verständnis für ihren Ärger, wenn er denn aufkommt. Auf der anderen Seite sollten Beschäftigte versuchen, offen für Neues zu bleiben – denn nicht immer ist die Technik schuld am Frust. „Unsere Lebensarbeitszeit wird immer länger. Wenn ich ab 50 schon das Gefühl habe, mich mit Neurungen nicht mehr auseinandersetzen zu müssen, kann das noch viele frustrierende Arbeitserlebnisse mit sich bringen“, gibt Brandenburg zu bedenken. „Und lebenslanges Lernen ist doch eigentlich auch ganz schön. Das hält die kognitiven Strukturen fit.“

 

 

Und wenn’s doch mal hakt?

Manchmal hilft der menschzentrierteste Ansatz nichts und die Technik streikt. Certo stellt fünf der häufigsten Technikfehler im Büro vor und verrät, wie Sie die Pausen für kleine Wohlfühlmomente nutzen.
 

Platz 5: Drucker druckt nicht

Zeitaufwand: 5-10 Minuten (Fehlersuche, Neustart, Papierstau auflösen usw.)
Certo-Tipp: Kabel, Papierstau und Druckerstatus prüfen, Gerät ggf. neu starten, notfalls den IT-Support kontaktieren.

Wartezeit sinnvoll nutzen: Eine „Achtsamkeits-Minute“: Fokussiert ein- und ausatmen hilft beim Runterkommen und gegen Frust: aufrecht hinsetzen, Füße auf den Boden, langsam durch die Nase einatmen, Atem kurz anhalten und dann langsam durch den Mund wieder ausatmen. Und das fünf- bis achtmal.
 

Platz 4: Passwort funktioniert nicht

Zeitaufwand: 5-15 Minuten (zurücksetzen, warten auf Bestätigungsmail)
Certo-Tipp: Passwort-Manager nutzen und Passwörter regelmäßig aktualisieren.
Wartezeit sinnvoll nutzen: Schulterkreisen, entspannte Nackenübungen – das hilft gegen Verspannungen vom Sitzen. Hier haben wir ein paar Ideen dafür.
 

Platz 3: Internet ist weg

Zeitaufwand: 10-20 Minuten (Router, Netz, Support)
Certo-Tipp: Im Homeoffice Router ausschalten, kurz warten, wieder starten. Prüfen, ob andere Geräte online sind. Notfalls Anbieter oder im Büro die IT kontaktieren.

Wartezeit sinnvoll nutzen: Nutzen Sie die Zeit für kreative Bewegungsansätze und kurze Übungen.
 

Platz 2: Computer „hängt“ oder friert ein

Zeitaufwand: 15-30 Minuten (Neustart, Daten prüfen, evtl. Reparatur)
Certo-Tipp: Bei längeren Hängern kontrollieren, ob Softwareupdates anstehen oder ein Speicherproblem vorliegt, nicht gespeicherte Daten möglichst regelmäßig sichern.

Wartezeit sinnvoll nutzen: Perfekte Pause für ein 8-Minuten-Workout.
 

Platz 1: Software-Updates – und nichts geht mehr

Zeitaufwand: 15-60 Minuten (je nach Update-Dauer)
Certo-Tipp: Updates am Feierabend oder in der Mittagspause einplanen, automatische Updates aktivieren.

Wartezeit sinnvoll nutzen: Zeit für eine aktive Pause! Machen Sie einen Spaziergang an der frischen Luft oder nutzen Sie die Unterbrechung für eine etwas längere Bewegungseinheit.
 

Das Certo-Fazit:
Gelassenheit statt Ärger ist der Schlüssel, wenn Technik streikt. Wer den Moment nutzt, um kurz durchzuatmen oder sich zu bewegen, tut nebenbei auch noch seiner Gesundheit einen Gefallen. Hier finden Sie viele Tipps, wie Sie kurze Pausen für Übungen am Schreibtisch nutzen können und mehr Bewegung in Ihren Büroalltag bringen.

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