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Frau steht vor Whiteboard
Foto: VBG/Patrick Runte

Vom guten Ton in UnternehmenWie sprecht ihr denn?

Mit dem Personal ins Gespräch kommen: eine Jungunternehmerin und eine Referentin einer traditionellen Bank über ihre Erfahrungen. Und was noch besser geht.

Agenda Austausch: Heidi Melis, Referentin bei der Volksbank, jongliert mit den Kanälen.

Agenda Austausch: Heidi Melis, Referentin bei der Volksbank, jongliert mit den Kanälen.

Foto: VBG/Patrick Runte

Heidi Melis, Referentin bei der Hamburger Volksbank:

Schweigen ist das Schlimmste

Ein internes soziales Netzwerk, Podcasts und Workshops, die von der Belegschaft mit­orga­nisiert werden: Das erwartet man nicht gerade von einer 1861 gegründeten Bank. „Die Zeiten, in denen von oben herab postu­liert wurde, sind lange vorbei. Klar gibt es in einer Bank auch Anwei­sungen. Gleich­zeitig experi­mentieren wir mit neuen Formaten“, sagt Heidi Melis, Refe­rentin bei der Hamburger Volksbank. Nicht nur sprich­wörtlich werden Wände eingerissen. Neben direkter Mit­sprache schuf die Volksbank offene Büros und Rück­zugsräume.

Der größte Fehler tradi­tioneller Unter­nehmen liege darin, nur Ergebnisse mitzuteilen und zu Entwicklungen und Plänen zu schweigen, meint Melis. Bei der Volksbank spricht der Vorstand nun in Podcasts mit Mit­arbei­tenden zu aktuellen Themen. Ob sich die auch jemand anhört? „Wir prüfen die Abrufzahlen und ermög­lichen Kommentare“, erklärt Melis. Außerdem soll es bald auch Folgen von Mit­arbei­tenden geben.

Ich würde nie sagen: Fertig, jetzt kommunizieren wir optimal.
Heidi Melis, Referentin bei der Hamburger Volksbank

Im eigenen sozialen Netz­werk, einer Art internem Facebook, haben alle 470 Mit­arbei­tenden der Zentrale und der 34 Filialen ein Profil, chatten und schreiben Beiträge. Die fallen auch mal kritisch aus. Nur konstruk­tiv soll's bleiben. Der digitale Kontakt verein­facht die Absprache. Dadurch kann auch eine zwei­fache Mutter ihre Aufgaben als Führungs­kraft managen. „Ich würde nie sagen: Fertig, jetzt kommuni­zieren wir optimal“, so Melis. 

Statt­dessen sollen alle mitmachen. Dazu hat die Volksbank erstmals ein Barcamp ausgerufen, eine offene Tagung mit Workshops. „Vorher konnten Themen eingereicht werden, darunter Ideen für die Bank der Zukunft, aber auch Soziales wie Arbeits­stress und die Balance von Familie und Beruf.“ Die Kolleginnen und Kollegen haben die Gespräche selbst moderiert. Melis und ihr Team planen schon das nächste Treffen.

Wohnzimmerflair mit Omas Lampe: Marie-Lene Armingeon hat SofaConcerts mitgegründet.

Wohnzimmerflair mit Omas Lampe: Marie-Lene Armingeon hat SofaConcerts mitgegründet.

Foto: VBG/Patrick Runte

Marie-Lene Armingeon, SofaConcerts:

Kreativität lässt sich schwer planen

Marie-Lene Armingeon und Miriam Schütt machen das Leben zum Wunsch­konzert, zumindest ein wenig. Ihre Online­platt­form SofaConcerts bringt weltweit Bands und ihr Publikum zusammen. Musik­schaffende finden Locations für Konzerte, Fans buchen Auftritte im eigenen Wohnzimmer – viel zu organisieren also. Eine kluge Absprache war schon in der Ideenphase wichtig. „Wir mussten lernen, Freund­schaft und Beruf­liches zu trennen“, erzählt Armingeon. Das hieß: ein wöchent­licher Skype-Termin nur für Geschäft­liches. So wurde aus einer groben Idee ein klares Konzept.

Fünf Jahre später hat ihr Unter­nehmen ein Büro im Ham­burger Schanzen­viertel und zählt acht Mit­arbei­tende. Alle sitzen im selben Zimmer, vieles wird per Zuruf geregelt, einen Konferenz­raum teilen sie sich mit anderen Start-ups auf dem Flur. Ein Kollege aus der Schweiz schaltet sich per Video dazu. „Nur weil wir zu acht sind, heißt das nicht, dass die Kom­mu­ni­­ka­tion für uns einfacher abläuft“, stellt Armingeon klar. Anfangs kam nicht immer an, was gemeint war, Rück­sprache war nötig. „Wir wollen vermeiden, dass sich ein Miss­verständ­nis erst zeigt, wenn es zu spät ist.“ Ein Lern­prozess, der Vertrauen und Zeit erfordert, um in die Aufgaben hinein­zuwachsen.

Eine Lehre daraus: „Nicht jeder muss alles wissen. Das gilt auch für uns als Chefinnen.“ Je mehr Personen mit­arbeiten, umso mehr Kontrolle müssen die beiden abgeben. Die Aufgaben sind klar verteilt: Pflege der Website, Event­planung, Marketing, Buch­haltung. Schütt und Armingeon entscheiden dabei nach Charakter und Motivation. Ihre Faustregel: Die Person, die für einen Bereich oder eine Idee am meisten brennt oder eine genaue Vorstellung vom Ablauf hat, bekommt auch die Ver­ant­wortung.

Wer möchte, dass das Team für die Idee brennt, muss es auch teilhaben lassen.
Marie-Lene Armingeon, Co-Founderin SofaConcerts

Wie bei größeren Unter­nehmen geht das nicht ohne Struktur. Außer beim wöchent­lichen Team­gespräch bleiben Meetings knapp. Jedes halbe Jahr gibt es zwar persönliche Einzel­gespräche. „Doch statt zu viele Regeln einzuführen, ermutigen wir, Anliegen selbst einzu­bringen“, sagt Armingeon. Dieses Mitein­ander ermögliche kreative Ideen, die sich nun mal schwer planen lassen.

Das Team feilt stetig am Dialog. Die viel­fältigen Kanäle – laut Armingeon Fluch und Segen zugleich – sollen klarer abgestimmt werden. Zuruf, Mail, vernetzte Dokumente, Chats, soziale Medien: Da gehe noch manchmal etwas verloren. Ihr bester Rat für ein gutes Betriebs­klima? „Beteiligung. Die Menschen brauchen einen persönlichen Bezug zum Unter­nehmen, sollen mitentscheiden und sehen, was sie täglich schaffen – bei uns etwa auf einem Konzert nur fürs Team.“

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