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Ein Mann (mit Mund-Nasen-Schutz) wurde geimpft
Foto: iStock

Verantwortung lebenImpfen – Best Practice für Unternehmen

Die aktualisierte Coronavirus-Arbeitsschutzverordnung nimmt Unternehmen vor allem beim Thema Impfen stärker in die Pflicht. Was heißt das, und wie kann es klappen?

„Die angelaufene vierte Welle kann nur durch mehr Impfungen gebrochen werden. Dazu müssen auch die Betriebe ihre Anstrengungen ausweiten, noch ungeimpfte Beschäftigte zu einer Schutz­impfung zu motivieren“, erklärte Bundes­arbeits­minister Hubertus Heil anlässlich der Erweiterung der Coronavirus-Arbeits­schutz­verordnung. Seit dem 10. September gilt diese nun – vorerst bis zum 24. November 2021. Oberstes Ziel ist es, die Impfquoten zu steigern. Und damit das möglichst schnell passiert, sind Unternehmen nun noch mehr in der Pflicht. Schließlich helfen sie sich damit selbst und vermeiden den organisatorischen Aufwand, der mit den gegenwärtigen Einschränkungen einhergeht. Gleichzeitig schützen sie sich auch vor langwierigen Personal­ausfällen und den damit verbundenen Kosten. Die VBG unterstützt ihre Mitglieds­unternehmen bei allen Fragen rund um ein betriebliches Impf­angebot. Alle Informationen dazu finden Sie hier. Dabei geht es nicht nur um die Organisation der Impfung. Sie finden auch viele Argumente, mit denen Sie die Diskussion zum Impfen starten, Ihre Beschäftigten dazu motivieren können, das Angebot anzunehmen, und Unsicherheiten oder Fehl­informationen entkräften können.

KfW-Bank: „Impfen trägt zur Mit­arbeiter­bindung bei“

Erika Holz

Erika Holz hat die Impfkampagne bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) organisiert.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist eine der führenden Förderbanken der Welt. 7.359 Beschäftigte sind in der KfW-Banken­gruppe in Deutschland an den Stand­orten Frankfurt, Berlin, Bonn/Köln tätig. Rund 3.500 davon, also knapp 50 Prozent, haben zwischen Ende Mai und August 2021 das betriebliche Angebot zur Coronavirus-Schutz­impfung in Anspruch genommen. Eine Betriebs­ärztin und ein Betriebs­arzt und vier medizinische Fachkräfte impften dabei an insgesamt 38 Tagen. Schwere akute Impf­reaktionen wurden nicht verzeichnet, der Betrieb verlief reibungs­los.

Erika Holz leitet das Team Human Resources (HR) Arbeitsumfeld. „Unsere Beschäftigten sind unser höchstes Gut. Es ist uns sehr wichtig, dass wir gemeinsam gut durch die Pandemie steuern“, sagt sie. Bereits Anfang des Jahres 2021 prüfte sie mit einem gemeinsamen Team aus Arbeits-/Gesund­heits­schutz und dem Bereich HR, wann und wie eine Impfung für die Beschäftigten im Unternehmen angeboten werden könnte. „Es stellte sich für uns nicht die Frage, ob, sondern nur wann und wie wir impfen können. Wir wollten möglichst schnell so viele Beschäftigte wie möglich impfen, auch im Rahmen unserer Für­sorge­pflicht als Arbeitgeber und um unsere Beschäftigten vor schweren Verläufen zu schützen“, erinnert sie sich. Ein weiterer Vorteil: „Die Impfung erleichtert uns die Umsetzung der Arbeits­schutz­maßnahmen. Wenn wir wissen, dass wir viele geimpfte Beschäftigte haben, können wir besser disponieren“, erklärt sie.

Dank guter Organisation zur reibungs­losen Impfung

Daher holte sie erst einmal alle möglichen Beteiligten im Unternehmen an einen Tisch, um ein großes Projekt­team zu bilden: natürlich den Bereich HR, zu dem auch der betriebs­ärztliche Dienst gehört, aber auch das Facility-Management mit dem Arbeits­schutz, die IT, den Daten­schutz, die Gebäude­sicherheit und die Kommunikations­abteilung.

Ulrike Roth

Dr. Ulrike Roth begleitet die KfW als Betriebsmedizinerin.

Mit einer E-Mail-Abfrage wurde zunächst der Impfbedarf abgefragt, was sich als gar nicht so einfach heraus­stellte. Viele Beschäftigte hatten sich an verschiedenen Stellen um eine Impfung bemüht. „Dass die Zahl derer, die eine betriebliche Impfung in Anspruch nehmen wollten, schwankte, stellte eine Heraus­forderung dar, da der Impfstoff bereits zwei Wochen vor der eigentlichen Impfung bestellt werden musste“, berichtet Dr. Ulrike Roth. Als eine der beiden Betriebs­ärzt/innen am Frankfurter KfW-Standort war sie von Anfang an dabei und hat selbst insgesamt über 600 Impfungen verabreicht.

Mithilfe einer digitalen Buchungs­platt­form, mit der die KfW sonst die Grippe­schutz­impfungen organisiert, wurden die Impf­termine vergeben. Wurden Termine storniert, telefonierten eigens dafür abgestellte Beschäftigte so lange herum, bis neue Impf­interessenten gefunden waren. „Wir mussten eine einzige Dosis wegwerfen“, berichtet Erika Holz nicht ohne Stolz. Ein weiterer Vorteil des digitalen Tools: Alle relevanten Unterlagen wie die Einverständnis­erklärung oder Informationen zu den Impf­stoffen waren bereits digital hinter­legt und ersparten den Beteiligten wertvolle Zeit.

Mitarbeiter­bindung per Nadel­stich

An allen drei Standorten wurden Impfstraßen nach dem Vorbild der Impf­zentren errichtet, für die bestimmte räumliche Gegebenheiten wichtig sind: „Am besten eignet sich eine Fläche, die so zugänglich ist, dass sich ein Einbahn­straßen­system einrichten lässt, und die man so flexibel einteilen kann, dass man eine oder mehrere Impfkabinen aufstellen kann“, weiß Roth. Die KfW half sich hier mit Messe­stell­wänden. Ebenfalls wichtig ist es, genügend Platz bereit­zu­halten, um die vorgegebenen Abstände einhalten zu können, und daran zu denken, dass es einen Ort gibt, an dem sich die Beschäftigten nach der Impfung noch fünfzehn Minuten aufhalten können. Für die in diesem Zeitraum nötige medizinische Überwachung meldeten sich Beschäftigte, die über eine medizinische Vorbildung verfügten, freiwillig. „Überhaupt war der Zuspruch für die ganze Aktion über­wältigend“, verrät Erika Holz. So gut, dass sie davon überzeugt ist, dass die Mühen der Organisation sich nicht nur auf die Gesundheit der Belegschaft, sondern auch auf das Zugehörigkeits­gefühl zum Unternehmen auszahlen: „Viele Beschäftigte sind so dankbar. Man kann sich kaum vor­stellen, was diese Aktion zur Mit­arbeiter­bindung beiträgt“, so ihre Einschätzung. „Zwar gab es auch einige Impf­gegnerinnen und -gegner, aber die haben sich ruhig verhalten und nicht versucht, ihren Kolleginnen und Kollegen eine Teilnahme auszureden.“ Im Betrieb wird kein Unterschied gemacht, außer dass sich Ungeimpfte bei der Teilnahme an internen Veranstaltungen testen lassen müssen. Über 50 Prozent der Beschäftigten der KfW sind derzeit weiterhin vom Homeoffice aus tätig.

Für die KfW war die Impfkampagne also ein voller Erfolg, eine Wiederholung ist deshalb nicht ausgeschlossen. „Wir beobachten die Lage sehr genau“, erklärt Erika Holz. „Sollte der Fall eintreten, dass die Angebote wieder knapp werden und eine Empfehlung ausgesprochen wird, werden wir wieder aktiv. Wir wissen jetzt schließlich, wie gut wir sind, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Personal­dienst­leister in der Zeit­arbeit: „Wir haben viel Über­zeugungs­arbeit geleistet“

Steffen Winkler

Steffen Winkler gründete im Jahr 2005 sein Zeitarbeitsunternehmen.

Auch Steffen Winkler, Geschäftsführer des familiengeführten Zeit­arbeits­unternehmens Personal­partner in Groß-Gerau, zieht ein positives Resümee aus der Impfaktion, die er für seine Belegschaft gestartet hat. Für die Organisation einer betrieblichen Impfung von rund 150 der insgesamt 300 Beschäftigten, die er gemeinsam mit seinem Bruder in zwei Unternehmen beschäftigt, hat er mehrere gute Gründe: „Wir stellen vorwiegend Personal für die Lebens­mittel­logistik. Zwischen­zeitlich waren wir tatsächlich die Einzigen, die noch gearbeitet haben, weil alle Menschen ja einkaufen gehen wollten. Ausgerechnet bei der Lebens­mittel­kommissionierung arbeiten die Beschäftigten oft eng zusammen. Wir haben da nicht nur eine Verantwortung unseren Beschäftigten, sondern auch dem ganzen System gegen­über. Wenn wir nicht gearbeitet hätten, wären so einige Lebens­mittel­märkte schlicht­weg leer gewesen“, begründet er sein Engagement. Hinzu kommt: „Als Dienst­leister war es für uns sicherlich auch nicht schlecht, den Kunden gegen­über zu zeigen, dass wir uns proaktiv um eine Impfung kümmern“, erklärt Winkler. Außerdem wiegt nach seiner Meinung die Bedrohung durch das konkrete wirtschaftliche Risiko, das mit einem Personal­ausfall einhergehe, schwer. „Wenn Sie auf einmal zwei bis vier Wochen lang an 200 Beschäftigte die Löhne fort­zahlen müssen, überlebt das ein Unternehmen in unserer Branche nicht immer“, weiß der Geschäfts­führer.

Mit mehrsprachigen Informationen Leben retten

Im Mai setzte er sich deshalb mit seiner Fachkraft für Arbeits­sicherheit und dem zuständigen Betriebs­arzt zusammen, um die Einzelheiten einer Impf­kampagne zu besprechen. An zwei großen Standorten wurde in Kooperation mit den jeweiligen Kunden eine Impfung angeboten. Auch den Beschäftigten des Kunden wurde dabei die Möglichkeit gegeben, sich impfen zu lassen. Immer freitags gegen Schichtende konnten Impfwillige sich einen lebens­rettenden Stich verpassen lassen.

Damit die Beschäftigten diesen in Anspruch nahmen, mussten Winkler und sein Team viel Über­zeugungs­arbeit leisten. Da viele seiner Beschäftigten aus Osteuropa stammen, ließ er alle relevanten Materialien auf Rumänisch, Russisch und Polnisch ausdrucken und ging mit einem Übersetzer auf seine Beschäftigten zu. Diese zu einer Impfung zu motivieren brauchte viele Einzel­gespräche, alle erreichen konnte Winkler allerdings nicht. „Am Anfang war da generell eine große Unsicherheit, und ich habe festgestellt, dass ich mit denjenigen, die nicht wollten, nicht wirklich reden konnte“, berichtet er. „Viele haben gesagt, dass sie keine Versuchs­kaninchen sein wollten, und wir konnten nicht alle, die wir wollten, mit Fakten über­zeugen.“ Dennoch beträgt die Durch­impfungs­rate in seinem Unternehmen rund 50 Prozent.

Winklers Fazit: „Ich glaube, dass es auf jeden Fall gut war, dass wir als Unternehmen proaktiv gehandelt haben. Wir haben unseren Beitrag geleistet und Menschen, die es wollten, die Gelegenheit geboten, früher einen Schutz zu bekommen, als es sonst möglich gewesen wäre. Vielleicht haben wir dadurch das ein oder andere Leben retten können.“

Die Coronavirus-Arbeitsschutzverordnung auf einen Blick

Neu seit 10.09.2021

  • Verlängerung bis zum 24. November 2021.
  • Die Durchführung einer Coronavirus-Schutzimpfung ist während der Arbeits­zeit möglich.
  • Die Arbeitgeber können einen ihnen bekannten Impf- oder Genesungs­status der Beschäftigten berücksichtigen.
  • Die Arbeitgeber werden verpflichtet, ihre Angestellten über die Risiken einer COVID-19-Erkrankung und über Möglichkeiten zur Impfung zu informieren.
  • Arbeitgeber müssen Betriebsärztinnen und Betriebsärzte bei Impfungen organisatorisch und personell unter­stützen.

Weiterhin gültig

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