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Menschen sitzen auf Sitzsäcken und arbeiten
Foto: iStock

VBG-ExpertenstimmeWie sicher ist das Büro der Zukunft?

Co-Working Spaces, Open Spaces, Agile Working oder Büro 4.0 sind nur einige Schlagworte zur Büroarbeit der Zukunft. Können Regelungen zum Arbeitsschutz da noch mithalten? Eine Bestandsaufnahme von VBG-Präventionsexperte Andreas Stephan.

Betrachtet man die Entwicklung des Büros von der mittel­alterlichen Schreib­stube der Mönche, die Texte über­trugen und Abschriften anfertigten, zu einem modernen Büro von heute, in dem man per „copy and paste“ mit einem Klick Texte über­tragen oder im Internet in Sekunden­schnelle Texte über­setzen lassen kann, dann ist dies unbestreitbar eine gewaltige Entwicklung. Im gleichen Zeit­raum hat sich der Mensch jedoch kaum verändert. Die ältesten nach­weis­baren Funde des Homo Sapiens sind ca. 300.000 Jahre alt. Der moderne Mensch von heute ist noch genauso angelegt wie der Mensch von damals.

Das Büro wandelt sich – menschliche Grund­bedürfnisse nicht

Auch bei der Planung des Büros der Zukunft muss man den Menschen mit seinen natürlichen Bedürfnissen in den Mittel­punkt stellen. In der Regel ist Büro­arbeit bewegungs­arm angelegt. Ein Mensch ist aber auf Bewegung angewiesen. Häufige Haltungs­wechsel zwischen Sitzen, Stehen und auch Gehen sollte ein Arbeits­platz ermöglichen. Die Gestaltung einer geeigneten Arbeits­umgebung und die Bereit­stellung geeigneter Arbeits­mittel sind eine wesentliche Grundlage für die Einrichtung moderner und ergonomischer Büro­arbeits­plätze. 

Portrait Andreas Stephan

Hier schreibt VBG-Präventionsexperte Büro und Leiter des DGUV-Sachgebiets Büro Andreas Stephan

Foto: Berthold Steinhilber

Seitens der Regelsetzung gibt es hierzu bereits eine Vielzahl von Anforderungen. Angefangen von gesetzlichen Vor­gaben wie der Arbeits­stätten­verordnung über die zugehörigen Technischen Regeln für Arbeits­stätten (ASR) und die Schriften der Unfall­versicherungs­träger (z. B. DGUV Regeln oder Informationen) bis zu DIN-Normen oder VDI-Richt­linien. Dabei gilt es den Über­blick zu bewahren und die Rang­folge der Regelungen zu beachten. Unter­stützung und Beratung können Unter­nehmen bei ihrem zuständigen Unfall­versicherungs­träger anfragen. Außerdem können Informationen auf der Themen­seite „Bildschirm- und Büro­arbeit“ der VBG unter www.vbg.de bezogen werden. 

Regelmäßig auf den Prüf­stand

Natürlich müssen auch neue Erkenntnisse in die Regel­setzung einfließen. So sind Menschen in der Regel heute größer und schwerer als vor 30 Jahren. Rezeptoren in den Augen, welche die hormonelle Steuerung des Menschen beeinflussen, sind erst seit gut 20 Jahren bekannt. Beides sind Beispiele dafür, dass neue Erkenntnisse in die aktuelle Regel­setzung eingeflossen sind.

Die Digitalisierung im Büro hat spätestens mit der Einführung der Loch­karten begonnen. Und seit den 90er Jahren des letzten Jahr­hunderts wird in den Unter­nehmen das papier­lose Büro angestrebt. Insofern haben vielleicht die Beschäftigten im Büro weniger Berührungs­ängste mit dem Thema Digitalisierung als in der Industrie oder anderen Branchen. Trotzdem werden sich auch im Büro die Arbeits­bedingungen ändern. Bei Begriffen wie Cloud-Computing, Crowd­working oder Künstliche Intelligenz besteht bei vielen Beschäftigten Verunsicherung. Welchen Einfluss werden solche Arbeits­verfahren auf die Tätigkeit des Einzelnen haben? 

Mehr Transparenz für die Nutzenden

Auch hier kann die Anwendung bereits bestehender Regelungen hilfreich sein. Werden die Prinzipien der Soft­ware­ergonomie berücksichtigt, wie sie in der DGUV Information 215-450 oder der Normen­reihe DIN EN ISO 9241 beschrieben sind, so schafft dies mehr Transparenz und Nach­voll­zieh­bar­keit für die Nutzenden. Gleich­zeitig könnten solche Verfahren auch genutzt werden, um das Entwickeln neuer Regelungen zu beschleunigen. Jedoch besteht dann auch die Gefahr einer gezielten Ein­fluss­nahme von einzelnen Interessens­gruppen, wie die jüngsten Diskussionen um die Manipulation von Wahlen zeigen. Deshalb müssten geeignete Sicherungs­mechanismen entwickelt werden, um die notwendige Neutralität des Verfahrens zu gewähr­leisten.

Fazit: Die vorhandenen Regelungen zum Bildschirm- und Büro­arbeits­platz sind durch­aus zeit­gemäß und dienen der Sicherheit und dem Gesund­heits­schutz. Das Problem besteht eher darin, mit der rasanten und innovativen Entwicklung Schritt zu halten. Wird das Ganze regel­mäßig auf den Prüf­stand gestellt, dann können auch überholte Regelungen erkannt und zurück­gezogen sowie notwendige Neuerungen berücksichtigt werden.

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