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Serie „Interessierte Selbstgefährdung“Praxistipp: Ziele realistisch setzen

Krank ins Büro, immer erreichbar, Qualitätsreduktion im Job – das Phänomen „Interessierte Selbstgefährdung“ hat viele Facetten. In einer achtteiligen Serie erklärt VBG-Arbeitspsychologin Elisa Bradtke, wie man die eigenen Grenzen wahrt und Interessierter Selbstgefährdung im Berufsalltag aktiv vorbeugen kann.

In Teil 3 dieser Serie: Mit welchen Strategien man die „Qualitätsreduktion der eigenen Arbeit“ vermeidet.

Illustration "Überforderung und Zeitdruck"
Foto: VBG/Jochen Schievink

„Mir egal – ich lass das jetzt so!“ Wer im Job lang­fristig einem erhöhten Stress­level aus­gesetzt ist, neigt dazu, Abstriche bei seiner Arbeits­qualität zu machen. Der eben genannte Gedanke wird zur Regel. Arbeit­nehmerinnen und Arbeit­nehmer, die in der Folge etwa gegen Professionalitäts­standards verstoßen, müssen perspektivisch mit negativen Folgen rechnen. Fehler werden häufiger, die eigene Arbeits­zufrieden­heit sinkt, Kunden und Vor­gesetzte sind unzufrieden. 

Mit welchen inneren Mechanismen man gegen die Qualitäts­reduktion der eigenen Arbeit ansteuern kann und welche Rolle unbewusste Denk- und Kommunikations­muster dabei spielen, erfahren Sie hier.

Tipp 1: Ziele und Aufträge realistisch abschätzen

Sind Ziele zu hoch gesteckt oder soll zu viel Arbeit in zu wenig Zeit erledigt werden, ist die Qualitäts­­reduktion häufig ein nahe­­liegender Schritt zur kurz­­fristigen Entlastung. Um diesem Verhalten vorzu­beugen, ist es hilf­­reich, sich vor Beginn eines Projekts etwas mehr Zeit für eine gute Auftrags­­klärung und eine realistische Ziel­­setzung zu nehmen. Neben temporären und monetären sollten vorab auch qualitative Ziele besprochen werden. Weiter­­hin ist es hilf­­reich, zu erfragen, welches dieser Ziele für den Kunden oder die Führungs­­kraft oberste Priorität hat. Generell sollte bei der Vor­ab­planung ein Puffer für Qualitäts­kontrollen und daraus resultierende Aufgaben eingeplant werden.

Tipp 2: Schwerpunkte setzen und aus Fehlern lernen

Dauerhafte Qualitätsreduktion ist keine Lösung. Das Absenken der Arbeits­qualität führt zu unzufriedenen Kunden und Beschäftigten. Nach dem sogenannten Pareto-Prinzip, benannt nach dem italienischen Ökonomen Vilfredo Pareto, reichen bei bestimmten Sach­verhalten oft 20 Prozent des Gesamt­aufwands aus, um 80 Prozent der Ergebnisse zu erreichen. Eine Methode, die helfen kann, sich zuerst auf die wichtigsten Aufgaben zu konzentrieren. Wer Schwierig­keiten bei der Schwer­punkt­setzung hat, kann sich auch im Team dazu aus­tauschen. Regelmäßige Feed­back­schleifen im Prozess­verlauf können zudem helfen, abzugleichen, ob man auf dem richtigen Weg ist. 

Tipp 3: Innere Antreiber bewusst machen

Neige ich dazu, immer 180 Prozent von mir zu erwarten? Es ist hilf­reich, die eigenen inneren Antreiber zu kennen. Das sind zumeist unbewusste Denk- und Kommunikations­muster, die die eigene Realitäts­wahr­nehmung und das Verhalten bestimmen. Menschen, die immer die Maximal­leistung erreichen wollen, stehen oft unter dem Druck, alles extrem gründlich zu machen. Sie bemühen sich um Perfektion und verlieren dabei Zeit­auf­wand und Kosten aus dem Blick. Wenn ich meine Antreiber kenne, kann ich mich in Zeiten hoher Arbeits­belastung besser hinter­fragen: Ist es wirklich eine Qualitäts­reduktion oder mein persönlicher Anspruch, der mich unzufrieden macht? Denn wenn der Kunde eher Zeit und Kosten im Blick hat, ist ein qualitativ gutes Arbeits­ergebnis gut genug und es müssen keine 100 Prozent für die Ziel­erreichung sein.

 

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Die Arbeitswelt im Umbruch verlangt nach neuen Ansätzen, um Gesundheit und Motivation der Beschäftigten mit betrieblichen Notwendig­keiten sinnvoll zu vereinen. Das Projekt „Mitdenken 4.0 – Neue Präventions­ansätze für Arbeits­prozesse in der Büro- und Wissens­arbeit“ forscht hier an Lösungen.

„Interessierte Selbstgefährdung“

Bedeutung:
Von „Interessierter Selbst­gefährdung“ ist die Rede, sobald Beschäftigte frei­willig über ihre Belastungs­­grenzen hinaus­­gehen und ihre Gesund­heit gefährden, um Arbeits­ziele zu erreichen. 

Mögliche Ursachen:
Wird in Unternehmen etwa über Ziel­vereinbarungen oder über die Orientierung an Benchmarks geführt, kann es dazu kommen, dass Angestellte die volle Verantwortung für ihren beruflichen und den über­­geordneten unter­­nehmerischen Erfolg auf sich nehmen und zunehmend wie Selbst­­ständige agieren. 

Mögliche Folgen:
Einerseits bietet das Führen über Ziele Chancen: Eine hohe Autonomie in der eigenen Arbeit kann die Zufrieden­­heit erhöhen. Sind die kommunizierten Ziele anderer­­seits jedoch zu starr oder unrealistisch gesetzt, sinken Produktivität, Arbeits­­qualität und Motivation. Es kann zu negativen Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit kommen. 

Mehr zum Thema „Interessierte Selbstgefährdung“ finden Sie hier.

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