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Serie „Interessierte Selbstgefährdung“Praxistipp: Sind Sie sicher?

Arbeiten im Urlaub, Erreichbarkeit nach Feierabend, Qualitätsreduktion im Job – das Phänomen „Interessierte Selbstgefährdung“ hat viele Facetten. In einer achtteiligen Serie erklärt VBG-Arbeitspsychologin Elisa Bradtke, wie man die eigenen Grenzen wahrt und Interessierter Selbstgefährdung im Berufsalltag aktiv vorbeugen kann.

In Teil 5 dieser Serie: Wie das Umgehen von Sicherheits- und Schutzstandards im Arbeitsalltag vermieden werden kann.

Illustration "Gefahrenzone"
Foto: VBG/Jochen Schievink

Safety first! Am Arbeitsplatz müssen Schutz- und Sicherheits­standards jederzeit ein­gehalten werden. Wenn Beschäftigte aufgrund von Zeit­druck und erhöhtem Arbeits­auf­kommen Vorschriften und Regeln zum Arbeits- und Gesund­heits­schutz missachten, obwohl diese allgemein bekannt sind, gefährden sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Sicherheit von Kolleginnen und Kollegen. Ein Verhalten, das lang­fristig Folgen hat – die Wahr­scheinlich­keit von Unfällen, Erkrankungen und Verschleiß erhöht sich.

Wie Kommunikation Sicherheit schafft und was Führungs­kräfte tun können, um eine Sicher­heits­kultur zu etablieren. 

Klare Kommunikation und Wert­schätzung regel­konformen Verhaltens

eins

Es ist wichtig, zu kommunizieren, warum bestimmte Sicher­heits- und Schutz­standards bestehen und weshalb sie gewahrt werden sollen. Beschäftigte sollten bei Unter­weisungen aktiv mit­einbezogen werden. So haben sie die Möglich­keit, Hinter­gründe und Zusammen­hänge ganz konkret zu verstehen. Häufig haben nur die Verstöße gegen Sicherheits- und Schutz­standards Konsequenzen. Um die Motivation auf­recht­zu­erhalten, die Standards einzu­halten, hilft es deshalb auch, das regel­konforme Verhalten wert­zu­schätzen.

Sicher­heits­kultur etablieren

zwei

Das Einhalten von Sicherheits- und Schutz­standards ist auch eine Frage der Kultur. Daher sollten Unter­nehmens­werte nicht nur auf dem Papier fest­gehalten werden, sondern gemeinsam mit den Beschäftigten erarbeitet und auch von der Führungs­ebene vor­gelebt werden. Um die eigene Kultur auf den Prüf­stand zu stellen, empfiehlt sich die VBG-Toolbox „kommmitmensch-Dialoge“. Wie bei einem Gesell­schafts­spiel stehen darin Dialog­karten zur Verfügung, die sich mit unter­schiedlichen Handlungs­feldern wie etwa „Sicher­heit & Gesundheit“ oder „Fehler­kultur“ befassen. Im Dialog können Anwenderinnen und Anwender eigene thematisch passende Beispiele aus ihrem Arbeits­alltag einbringen und im Austausch mit anderen Team­mitgliedern Verbesserungs­maßnahmen für das Unter­nehmen entwickeln.

VBG-Mitgliedsunternehmen können die Toolbox „kommmitmensch-Dialoge“ im Bereich Prävention in ihrer VBG-Bezirksverwaltung bestellen. 
Mehr Infos: www.vbg.de/kommmitmensch

Gestaltung der Vorschriften – wider­sprüchliche Ziele aufdecken

drei

Im Idealfall sind Ziele flexibel, unter­jährig anpassbar und lang­fristig erreichbar, systematische Kern­ziele gibt es wenige zu erfüllen und die Anzahl von betrieblichen Kenn­zahlen ist begrenzt. Solche Bedingungen ermöglichen ein gesundes Arbeiten und halten das Risiko der Interessierten Selbst­gefährdung und deren verschiedene Ausprägungen gering.

In der Realität sind manche Ziele jedoch so formuliert, dass sie anderen wider­sprechen oder in Konkurrenz zueinander stehen. Bei der Gestaltung von Zielen und Vor­schriften sollte daher unbedingt berücksichtigt werden, dass sie mit­einander vereinbar sind und nicht in Konkurrenz zu vorgegebenen Sicher­heits- und Schutz­standards stehen.

Mehr zur gesunden Gestaltung von Zielen erfahren Sie im VBG-Faktenblatt „Gesund erfolgsorientiert arbeiten – Chancen nutzen, Risiken vermeiden“.

 

Logo mitdenken 4.0

Die Arbeitswelt im Umbruch verlangt nach neuen Ansätzen, um Gesundheit und Motivation der Beschäftigten mit betrieblichen Notwendig­keiten sinn­voll zu vereinen. Das Projekt „Mitdenken 4.0 – Neue Präventions­ansätze für Arbeits­prozesse in der Büro- und Wissens­­arbeit“ forscht hier an Lösungen.

„Interessierte Selbstgefährdung“

Bedeutung:
Von „Interessierter Selbst­gefährdung“ ist die Rede, sobald Beschäftigte frei­willig über ihre Belastungs­grenzen hinaus­gehen und ihre Gesundheit gefährden, um Arbeits­ziele zu erreichen. 

Mögliche Ursachen:
Wird in Unternehmen etwa über Zielvereinbarungen oder über die Orientierung an Benchmarks geführt, kann es dazu kommen, dass Angestellte die volle Verantwortung für ihren beruflichen und den über­geordneten unter­nehmerischen Erfolg auf sich nehmen und zunehmend wie Selbst­ständige agieren. 

Mögliche Folgen:
Einerseits bietet das Führen über Ziele Chancen: Eine hohe Autonomie in der eigenen Arbeit kann die Zufrieden­heit erhöhen. Sind die kommunizierten Ziele anderer­seits jedoch zu starr oder unrealistisch gesetzt, sinken Produktivität, Arbeits­qualität und Motivation. Es kann zu negativen Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit kommen. 

Mehr zum Thema „Interessierte Selbstgefährdung“ finden Sie hier.

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