Zur Startseite
Zur VBG Startseite
Logo Certo

Serie „Interessierte Selbstgefährdung“Praxistipp: Scheitern im Job erlaubt

Arbeiten im Urlaub, Erreichbarkeit nach Feierabend, Qualitätsreduktion im Job – das Phänomen „Interessierte Selbstgefährdung“ hat viele Facetten. In einer achtteiligen Serie erklärt VBG-Arbeitspsychologin Elisa Bradtke, wie man die eigenen Grenzen wahrt und Interessierter Selbstgefährdung im Berufsalltag aktiv vorbeugen kann.

In Teil 7 dieser Serie: Faking. Wie Führungskräfte das Vortäuschen von Erfolg verhindern können.

Illu "Vortäuschen"
Foto: VBG/Jochen Schievink

„Keine Sorge, läuft alles!“ Unrealistische Zeit­angaben und beschönigende Beschreibungen von Projekt­status oder Budgets sind symptomatisch für „Faking“ – ein Phänomen, das im Kontext der Interessierten Selbst­gefährdung auftreten kann. Trotz Über­forderung täuschen Beschäftigte positive Projekt­berichte und die eigene hohe Leistungs­fähig­keit gegen­über Auftrag­gebenden, Vorgesetzten oder Team­mit­gliedern vor. Aus Angst vor negativen Konsequenzen versuchen Betroffene, Schwächen vor dem Arbeits­umfeld zu verheimlichen. Was kurz­fristig den Druck reduzieren mag, wirkt sich lang­fristig negativ aus – auf die eigene Gesundheit und die berufliche Karriere.

Wie der richtige Führungs­stil und eine ernst gemeinte Fehler­kultur die Belastung von Mit­arbeiter­innen und Mit­arbeitern reduzieren kann.

Ziele hinter­fragen

eins

Das Vortäuschen von Arbeits­erfolgen oder beschönigende Beschreibungen über Projekt­status und Budgets helfen weder dem Kunden oder der Führungs­kraft noch dem oder der Beschäftigten selbst. Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollten Ziele hinsichtlich ihrer praktischen Realisier­bar­keit hinter­fragt werden. Es ist wichtig, dass Ziele bei veränderten Rahmen­bedingungen anpass­bar sind und stets erreich­bar bleiben. Eine transparente Rück­meldung des Projekt­status hilft, unrealistisch gesetzte Ziele und Stolper­stellen – die häufig nicht nur an einer einzigen Person hängen – früh­zeitig zu ermitteln und in der Folge anzupassen oder zu beheben.

Offene und verantwortungs­volle Fehler­kultur

zwei

Wenn Menschen trotz bestehender Über­lastung eine hohe Leistungs­fähig­keit vortäuschen oder versuchen, vor dem Arbeits­umfeld eigene Schwächen und Ängste zu verheimlichen, dann ist das häufig Anzeichen einer gering ausgeprägten Fehler­kultur im Unter­nehmen. Manche Beschäftigte haben sogar so große Angst, einen Fehler zu machen, dass sie eine bestimmte Aufgabe gar nicht erst angehen. In der Konsequenz bleiben Erfolge aus – und müssen letzt­endlich, aus Angst vor negativen Reaktionen, vor­getäuscht werden. Ein offener und verantwortungs­voller Umgang mit Fehlern hilft, einem solchen Verhalten vorzu­beugen.

Um die Fehlerkultur im eigenen Unter­nehmen zu über­prüfen, eignet sich die VBG-Toolbox „kommmitmensch-Dialoge“. Wie bei einem Gesellschafts­spiel stehen darin Dialog­karten zur Verfügung, die sich unter anderem mit dem Handlungs­feld „Fehler­kultur“ befassen. Im Dialog können Anwenderinnen und Anwender eigene Verbesserungs­maß­nahmen für das Unter­nehmen entwickeln. VBG-Mitglieds­unter­nehmen können die Toolbox „kommmitmensch-Dialoge“ im Bereich Prävention in ihrer VBG-Bezirks­verwaltung bestellen. Mehr Infos: www.vbg.de/kommmitmensch

Vorbild Führungs­kraft

drei

Damit der Begriff „Fehler­kultur“ nicht nur eine Wort­hülse bleibt, sollte das Vertrauen der Beschäftigten gewonnen werden. Dazu gehört, sie über die möglichen Konsequenzen von „Faking“ – also dem Vor­täuschen beruflichen Erfolgs – aufzuklären und auch über die Konsequenzen gravierender Fehler zu sprechen. Um die Glaub­haftig­keit einer ernst gemeinten Fehler­kultur zu fördern, sollten Führungs­kräfte mit gutem Beispiel voran­gehen: eben­falls zu ihren Fehlern stehen und diese offen kommunizieren. Gemeinsam können dann im Team Lösungen gefunden werden.

Logo mitdenken 4.0

Die Arbeitswelt im Umbruch verlangt nach neuen Ansätzen, um Gesundheit und Motivation der Beschäftigten mit betrieblichen Not­wendig­­keiten sinn­voll zu vereinen. Das Projekt „Mitdenken 4.0 – Neue Präventions­­ansätze für Arbeits­­prozesse in der Büro- und Wissens­­arbeit“ forscht hier an Lösungen.

„Interessierte Selbst­gefährdung“

Bedeutung:
Von „Interessierter Selbst­­­gefährdung“ ist die Rede, sobald Beschäftigte frei­willig über ihre Belastungs­­­­grenzen hinaus­­­­gehen und ihre Gesund­­­heit gefährden, um Arbeits­­­ziele zu erreichen. 

Mögliche Ursachen:
Wird in Unternehmen etwa über Ziel­­vereinbarungen oder über die Orientierung an Bench­marks geführt, kann es dazu kommen, dass Angestellte die volle Verantwortung für ihren beruflichen und den über­­­­geordneten unter­­­­nehmerischen Erfolg auf sich nehmen und zunehmend wie Selbst­­­­ständige agieren. 

Mögliche Folgen:
Einerseits bietet das Führen über Ziele Chancen: Eine hohe Autonomie in der eigenen Arbeit kann die Zufrieden­­­­heit erhöhen. Sind die kommunizierten Ziele anderer­­­seits jedoch zu starr oder unrealistisch gesetzt, sinken Produktivität, Arbeits­­­­qualität und Motivation. Es kann zu negativen Aus­wirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit kommen. 

Mehr zum Thema „Interessierte Selbstgefährdung“ finden Sie hier.

Veröffentlicht am

Das könnte Sie auch interessieren

Certo durchsuchen...