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Serie „Interessierte Selbstgefährdung“Praxistipp: Gesundes Abschalten

Arbeiten im Urlaub, Erreichbarkeit nach Feierabend, Qualitätsreduktion im Job – das Phänomen „Interessierte Selbstgefährdung“ hat viele Facetten. In einer achtteiligen Serie erklärt VBG-Arbeitspsychologin Elisa Bradtke, wie man die eigenen Grenzen wahrt und Interessierter Selbstgefährdung im Berufsalltag aktiv vorbeugen kann.

In Teil 8 dieser Serie: Gesunde Entspannungsmethoden bei chronischer Überlastung.

Illu "Alkohokonsum"
Foto: VBG/Jochen Schievink

Ein Glas Rotwein gegen das Grübeln, ein Medikament für besseren Schlaf – chronische Über­lastung am Arbeits­platz kann dazu führen, dass sich Beschäftigte nicht mehr richtig entspannen. Erholungs­phasen werden verkürzt oder entfallen teils sogar ganz. Kreisen die Gedanken nach Feier­abend noch immer um Deadlines und nicht erledigte Aufgaben, greifen manche Beschäftigte zwecks Entspannung zu Medikamenten oder Alkohol. Bei der Einnahme solcher Substanzen ist jedoch Vorsicht geboten, da ein regelmäßiger Konsum zu Sucht­erkrankungen führen kann.


Welche Methoden für Erholung sorgen und wie man sich in stress­reichen Phasen selbst gut helfen kann, erfahren Sie im Folgenden.

Passende Erholung finden

eins

Beim Thema Erholung gibt es kein Patent­rezept. Jede und jeder sollte sich die Zeit nehmen, heraus­zufinden, welche Entspannungs­art geeignet ist, um sich vom Arbeits­all­tag zu regenerieren. Wer nach Feier­abend mit den Gedanken noch immer im Büro ist und abends nicht in den Schlaf findet, sollte möglichst nicht zu Medikamenten oder Alkohol greifen, sondern nach gesunden Ent­spannungs­möglich­keiten suchen, die ihn oder sie auf andere Gedanken bringen. Vor allem Aktivitäten wie Sport, Yoga oder ein abendlicher Spazier­gang in der Natur können beim Abschalten nach Feier­abend helfen. Auch die Lektüre eines inspirierenden Buchs, die einen auf andere Gedanken bringt, kann zur Entspannung beitragen. Über­legen Sie, was Ihnen helfen könnte, den Kopf frei­zu­bekommen, oder fragen Sie Freunde nach deren Methoden. Auf der Suche nach der richtigen Sport­art kann die VBG-Broschüre „Move – Wege zu einer aktiven Lebensweise“ helfen.

Routinen erarbeiten

zwei

Wer empfehlenswerte Entspannungs­techniken wie autogenes Training, Progressive Muskel­entspannung oder Meditations­verfahren im All­tag etablieren möchte, braucht anfangs etwas Durch­halte­vermögen: Es dauert eine Weile, bis sie ihre Wirkung entfalten – daher ist ihre regel­mäßige Durch­führung wichtig. Erarbeiten Sie eine für Sie passende Routine. Wann und wo lässt sich Ihre favorisierte Entspannungs­technik am besten in den All­tag integrieren? Apps oder frei zugängliche Internet-Videos ermöglichen es jeder­zeit, auf Anleitungen zu diversen Techniken zuzugreifen. Wer will, kann also schon auf dem Nach­hause­weg in Bus und Bahn abschalten.

Sich selbst ein guter Berater sein

drei

Wem es nicht gelingt, die Ursache des Grübelns während der Arbeits­zeit aus der Welt zu schaffen, dem kann ein zeitlich begrenztes, gründliches und möglichst sachliches Nach­denken über die Problematik helfen. Eine Technik, die sich dafür eignet, ist die „Selbst­beratung“. Dabei stellt man sich vor, jemand anders konfrontiere einen mit genau dem Problem, das einen gerade selbst belastet. Dann über­legt man ohne selbst auf­erlegte Denk­verbote, frei von Schuld- und Angst­gefühlen, was man in solch einem Fall einer anderen Person empfehlen würde.

Mehr Informationen zur Methode der „Selbst­beratung“ erhalten Sie im VBG GesundFact-Infoblatt zum Thema „Abschalten“.

 

Logo mitdenken 4.0

Die Arbeitswelt im Umbruch verlangt nach neuen Ansätzen, um Gesundheit und Motivation der Beschäftigten mit betrieblichen Not­wendig­­keiten sinn­voll zu vereinen. Das Projekt „Mitdenken 4.0 – Neue Präventions­­ansätze für Arbeits­­prozesse in der Büro- und Wissens­­arbeit“ forscht hier an Lösungen.

„Interessierte Selbst­gefährdung“

Bedeutung:
Von „Interessierter Selbst­­­gefährdung“ ist die Rede, sobald Beschäftigte frei­willig über ihre Belastungs­­­­grenzen hinaus­­­­gehen und ihre Gesund­­­heit gefährden, um Arbeits­­­ziele zu erreichen. 

Mögliche Ursachen:
Wird in Unternehmen etwa über Ziel­­vereinbarungen oder über die Orientierung an Bench­marks geführt, kann es dazu kommen, dass Angestellte die volle Verantwortung für ihren beruflichen und den über­­­­geordneten unter­­­­nehmerischen Erfolg auf sich nehmen und zunehmend wie Selbst­­­­ständige agieren. 

Mögliche Folgen:
Einerseits bietet das Führen über Ziele Chancen: Eine hohe Autonomie in der eigenen Arbeit kann die Zufrieden­­­­heit erhöhen. Sind die kommunizierten Ziele anderer­­­seits jedoch zu starr oder unrealistisch gesetzt, sinken Produktivität, Arbeits­­­­qualität und Motivation. Es kann zu negativen Aus­wirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit kommen. 

Mehr zum Thema „Interessierte Selbstgefährdung“ finden Sie hier.

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