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Serie „Interessierte Selbstgefährdung“Praxistipp: Gesunde Leistung

Arbeiten im Urlaub, Erreichbarkeit nach Feierabend, Qualitätsreduktion im Job – das Phänomen „Interessierte Selbstgefährdung“ hat viele Facetten. In einer achtteiligen Serie erklärt VBG-Arbeitspsychologin Elisa Bradtke, wie man die eigenen Grenzen wahrt und Interessierter Selbstgefährdung im Berufsalltag aktiv vorbeugen kann.

In Teil 6 dieser Serie: Welche Präventionsmaßnahmen Führungskräfte ergreifen können, um den Konsum stimulierender Substanzen bei Beschäftigten zu verhindern.

Illu "Einnahme Tabletten"
Foto: VBG/Jochen Schievink

Hauptsache: hellwach! Um die Arbeit besser bewältigen zu können und die geistige Leistungs­fähig­keit zu steigern, greifen manche Menschen zu stimulierenden Substanzen, sogenannten Neuro-Enhancern. Darunter fallen zum Beispiel psycho­aktive Substanzen wie Ritalin, das eigentlich zur Behandlung von Auf­merk­samkeits­defizit­störungen eingesetzt wird. Auch der übermäßige Konsum koffein­haltiger Getränke wie Kaffee oder Energy­drinks bei der Arbeit fällt unter die Einnahme stimulierender Substanzen. Ein Verhalten, das gesund­heitlich problematisch werden kann, da Sucht­gefahr besteht.

Wie Führungs­kräfte oder Kolleginnen und Kollegen in akuten Fällen handeln sollten und welche Präventiv­maß­nahmen möglich sind.

Arbeits­pensum kritisch betrachten

eins

Wenn Beschäftigte zu stimulierenden Substanzen greifen, um leistungs­fähig zu sein, sollten Arbeits­pensum und Arbeits­organisation kritisch hinter­fragt werden. Ist das Pensum gut verteilt, und passt es zur vorhandenen Personal­decke? Stehen Beschäftigten genügend andere Ressourcen zur Verfügung, um in Zeiten hoher Auslastung die eigenen Aufgaben ohne Einnahme leistungs­fördernder Substanzen zu bewältigen? Um solche Fragen angemessen zu klären, können Führungs­kräfte in ihrem Unter­nehmen eine Gefährdungs­beurteilung psychischer Belastung durch­führen.
 
Eine praktische Handlungs­hilfe bietet die entsprechende VBG-Broschüre „Gefährdungs­beurteilung psychischer Belastung“

Gesundheits­kompetenz fördern

zwei

Als Unternehmerin oder Unternehmer sollte ich dafür sorgen, dass meine Beschäftigten über eine gute Gesundheits­kompetenz verfügen. Nur so können sie lang­fristig gesund arbeiten. In diesem Zusammen­hang können Führungs­kräfte die Leistungs­fähig­keit bei der Arbeit ohne Einnahme stimulierender Substanzen thematisieren. Neben leicht zugänglichen Informations­möglich­keiten kann über die Wirkungen stimulierender Substanzen etwa auf einem Gesund­heitstag auf­geklärt werden.

Soziale Unter­stützung – Kollegen und Kolleginnen ansprechen

drei

Wenn ich als Führungs­kraft beziehungs­weise Beschäftigte oder Beschäftigter beobachte, dass ein Kollege oder eine Kollegin über­mäßig viele und/oder häufig stimulierende Substanzen zur Leistungs­steigerung konsumiert, sollte ich die betroffene Person vertraulich darauf ansprechen. Als Führungs­kraft sollte der gemeinsame Blick auf das individuelle Arbeits­pensum erfolgen: Wo liegen Engpässe? Warum hat der Kollege oder die Kollegin keine Zeit, sich zu erholen, um wieder leistungs­fähig zu sein? Wenn der oder die Betroffene nicht mit der Führungs­kraft oder Team­mit­gliedern sprechen möchte, ist es empfehlens­wert, als Unter­nehmen seinen Beschäftigten entweder über interne Sucht­beraterinnen oder -berater oder externe Unter­stützungs­programme, sogenannte Employee Assistance Programs (EAP), Hilfe anzubieten.

 

Logo mitdenken 4.0

Die Arbeitswelt im Umbruch verlangt nach neuen Ansätzen, um Gesundheit und Motivation der Beschäftigten mit betrieblichen Not­wendig­­keiten sinn­voll zu vereinen. Das Projekt „Mitdenken 4.0 – Neue Präventions­­ansätze für Arbeits­­prozesse in der Büro- und Wissens­­arbeit“ forscht hier an Lösungen.

„Interessierte Selbst­gefährdung“

Bedeutung:
Von „Interessierter Selbst­­­gefährdung“ ist die Rede, sobald Beschäftigte frei­willig über ihre Belastungs­­­­grenzen hinaus­­­­gehen und ihre Gesund­­­heit gefährden, um Arbeits­­­ziele zu erreichen. 

Mögliche Ursachen:
Wird in Unternehmen etwa über Ziel­­vereinbarungen oder über die Orientierung an Bench­marks geführt, kann es dazu kommen, dass Angestellte die volle Verantwortung für ihren beruflichen und den über­­­­geordneten unter­­­­nehmerischen Erfolg auf sich nehmen und zunehmend wie Selbst­­­­ständige agieren. 

Mögliche Folgen:
Einerseits bietet das Führen über Ziele Chancen: Eine hohe Autonomie in der eigenen Arbeit kann die Zufrieden­­­­heit erhöhen. Sind die kommunizierten Ziele anderer­­­seits jedoch zu starr oder unrealistisch gesetzt, sinken Produktivität, Arbeits­­­­qualität und Motivation. Es kann zu negativen Aus­wirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit kommen. 

Mehr zum Thema „Interessierte Selbstgefährdung“ finden Sie hier.

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