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Rigger (Bühnenbauer) bei der Arbeit
Foto: Adobe Stock

Rigging„Fehler werden gemacht!“

Damit Schlagerstar Helene Fischer auf der Bühne loslegen kann, braucht sie zunächst mal: eine Bühne. Um deren Aufbau und Ausstattung mit Licht, Ton und Effekten kümmern sich Rigger, deren Job sich hoch oben unter dem Hallendach abspielt. Wie man diese und andere Herausforderungen meistert, erzählt John van Look, Head of Production Rigging bei der Production Resource Group AG (PRG).

Herr van Look, wie sieht der typische Arbeits­all­tag eines Riggers aus?
John van Look: Es kommt auf den Einsatz­bereich an. Es gibt Rigger, die in der Planung tätig sind und den Auf- und Abbau als Ganzes organisieren, deren Job sich also eher am Schreib­tisch und vor Ort auf dem Boden abspielt. Und dann gibt es die­jenigen, die oben in 50 Meter Höhe im Dach sitzen und Technik anschrauben. Dabei hängen sie teil­weise in ihrem Gurt und müssen sich stets sicher und schnell bewegen, während von unten jemand ruft, sich das Schlaf­defizit bemerkbar macht und man dennoch mit­denken muss, ob die vorab geplante Traversen­aus­stattung mit Schein­werfern und anderer Technik auch in der Realität funktioniert. 

Portrait John van Look

John van Look ist welt­weit unterwegs und sorgt als organisatorischer Kopf auch für die Sicherheit seiner Crew. Bei PRG ist das Thema stark verankert, unter anderem in Form von regel­mäßigen Treffs, in denen Probleme angegangen werden. 

Foto: PRG

Welche Herausforderungen bestehen neben der Höhe?
Ein Aspekt ist sicherlich, dass man sich immer wieder selbst in die Pflicht nehmen muss, was die Sicher­heit betrifft. Obwohl man es besser weiß, gibt es Situationen, in denen man etwas „noch mal eben schnell macht“ oder sich denkt: „Kenn ich im Schlaf!“, und nötige Vor­kehrungen umgeht. Wenn dann ein Fehler passiert, ist er im schlimmsten Fall nicht wieder­gut­zumachen. Weiterhin ist Zeit­druck ein Thema. Konzert­tourneen werden beispiels­weise immer eng geplant, damit sie sich rentieren. Das geht auf Kosten der Rigger, für die die Uhr tickt und die sich nicht immer mit der nötigen Aufmerksamkeit bewegen können. 

Als Head-Rigger sind Sie auch für die Sicherheit am Produktions­ort verantwortlich. Wie verfahren Sie hier?
Ich habe eine Regel, die besagt: Ich muss davon ausgehen, dass Fehler gemacht werden. Aus ihr ergibt sich eine weitere Vorgehens­weise, nämlich das Vier-Augen-Prinzip. Hinzu kommt, dass der Ablauf vor Ort maß­geblich davon abhängt, wie sorg­fältig im Voraus geplant wurde. Man muss sich auf den Produktions­ort vorbereiten, was bei PRG auch heißt: auf andere Länder und deren Arbeits­bedingungen. Und im direkten Geschehen heißt es dann, immer wieder darauf hinzuweisen, dass Helme und Schutz­westen getragen werden, dass nicht auf zwei Ebenen gleich­zeitig gearbeitet wird und dass man unmiss­verständlich kommuniziert. 

Sie haben die VBG bei der Neuauflage der Rigger-Kampagne „Lock it!“ unter­stützt. Kommt sie unter Riggern eigentlich an?
Ja, die Kampagne ist in der Branche ein Begriff – man sieht immer wieder mal die Auf­kleber auf Tool­cases. Ihr Bekannt­heits­grad liegt sicher auch daran, dass „Lock it!“ das erste sicht­bare Engagement in dieser Sache war. Ich habe mich gerne beratend beteiligt, denn ich bin der Meinung, dass sich nichts verändert, wenn man nichts dafür tut. Die Regel­standards hier in Deutschland sind zwar hoch, doch die Anwendung muss durch den Einzelnen passieren.

Was wünschen Sie sich für Ihre Branche?
Einmal, dass der erfreuliche Trend zur Fest­anstellung gegenüber der Selbst­ständig­keit weiter­geht. Und es wäre insgesamt ein positives Zeichen, wenn die finanzielle Motivation aller Beteiligten die Not­wendig­keit von Sicher­heit nicht unter­gräbt.

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