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Psychische BelastungenMaßnahmen für ein gesundes und produktives Miteinander in Bildungseinrichtungen

Qualitätsmanagerin Dr. Kristina Langnäse beschreibt, wie die CompetenzWerkstatt Beruf Erkenntnisse aus der Gefährdungsbeurteilung erfolgreich umgesetzt hat.

Die Tätigkeit der Beschäftigten in Unternehmen der beruflichen Bildung ist mit besonderen psychischen Belastungsfaktoren verbunden. Das hat eine Studie der VBG und des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG der DGUV) ergeben. Je nachdem, wie die Belastungsfaktoren ausgeprägt und wie lang die Beschäftigten ihnen ausgesetzt sind, können sie gesundheitsbeeinträchtigend wirken. Die in der Studie am häufigsten genannten Stressoren waren neben problematischen Arbeitsabläufen und Problemen mit der Führungskraft auch eine unzureichende Kommunikation und Kooperation in der Bildungseinrichtung.

Unsicherheit und Stress durch Zeitverträge

Dr. Kristina Langnäse

Dr. Kristina Langnäse, Coachin und Qualitätsmanagement-Beauftragte bei der CompetenzWerkstatt Beruf gGmbH (CWB) in Detmold, weiß, wie wichtig die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ist. Grundlage dafür war eine Befragung der Beschäftigten.

Foto: Studio3Detmold

Davon kann auch Dr. Kristina Langnäse, Coachin und Qualitätsmanagement-Beauftragte bei der CompetenzWerkstatt Beruf gGmbH (CWB) in Detmold, berichten. Sie schildert anhand der Laufbahn einer neuen Kollegin weitere, durchaus verbreitete typische Herausforderungen für manche Beschäftigte in dieser Branche: „Da sind zunächst die ständigen Zeitverträge zu nennen, die meist an Laufzeiten von Bildungsprojekten gekoppelt sind. Die neue Kollegin etwa hatte schon bei vielen Akteuren in der regionalen Bildungsträgerlandschaft in befristeten Maßnahmen gearbeitet.“ Bei CWB hat die erfahrene 56-jährige Sozialpädagogin nun zum ersten Mal in ihrer langen Laufbahn eine unbefristete Anstellung erhalten. Einer der wesentlichen Gründe: ihre hohe Qualifikation. Sie hat eine Weiterbildung zur systemischen Beraterin gemacht, die sie allerdings selbst finanziert hat. Schon am dritten Tag ihrer Einarbeitungszeit wurde die Sozialarbeiterin vor eine weitere typische Herausforderung der Branche gestellt: den Personalmangel. Sie sprang kurzfristig und unvorbereitet für eine erkrankte Kollegin in einem anderen CWB-Projekt ein.

VBG-Podcast „Hör Dich sicher!“

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Doch auch im beruflichen Alltag, bei ihrer eigentlichen Aufgabe, steht die 56-Jährige vor besonderen Herausforderungen. Sie leistet „aufsuchende Arbeit“, kommt zu den Teilnehmenden an den Bildungsmaßnahmen nach Hause. Für sie persönlich bedeutet das: unregelmäßige Arbeitszeiten, wenig Teamarbeit und häufiger auch mal ein mulmiges Gefühl der Unsicherheit bei den Hausbesuchen. Schon in den ersten Monaten merkte die Sozialarbeiterin, dass „ihre Fälle“ ihre ganze sozialpädagogische Erfahrung erfordern. Denn sie sucht Langzeitarbeitslose auf, Hartz-IV-Empfängerinnen und -Empfänger, die für das Jobcenter nur schwer bis gar nicht erreichbar sind, die aktiviert und auf dem Weg zurück in den Arbeitsmarkt begleitet werden müssen, damit überhaupt weitere Maßnahmen zur Eingliederung möglich sind. „Jeder dieser Menschen bringt sein eigenes und ganz persönliches Päckchen mit“, beschreibt Dr. Langnäse eine weitere Herausforderung für ihre Kollegin. 

Maßnahmen ergreifen und regelmäßig überprüfen

Dass diese ihren Beruf dennoch sehr gerne ausübt und sich in der CompetenzWerkstatt Beruf wohlfühlt, liegt daran, dass das Unternehmen frühzeitig Maßnahmen ergriffen hat, um die psychische Gesundheit seiner gut 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen. „Zu unseren Teams gehören Coachinnen und Coaches, Psychologinnen und Psychologen, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen. Gesundes Führen gehört zur DNA unseres Unternehmens“, sagt Dr. Langnäse. Vor gut einem Jahr fiel der Startschuss für eine Befragung der Mitarbeitenden, die einige kritische Ausprägungen im Hinblick auf die psychischen Belastungsfaktoren zutage förderte. „Wir haben uns bei der Erstellung des Befragungsbogens auf die Erkenntnisse der VBG-Publikation Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung und darin enthaltene weiterführende Quellen gestützt“, berichtet Dr. Kristina Langnäse. Auch die persönliche Beratung durch die VBG-Arbeitspsychologin war bei der Konzeption der Befragung hilfreich.

Gut 75 Prozent der etwa 200 Beschäftigten bei CWB beteiligten sich an der freiwilligen Befragung. Nach der Auswertung wurden die Ergebnisse und Maßnahmen transparent in den regelmäßigen Dienstbesprechungen und über den internen Newsletter in alle Teams kommuniziert. Als erste Maßnahmen hat das Unternehmen ein neues Einarbeitungskonzept beschlossen, bietet Weiterbildungsmaßnahmen an und eine externe Supervision für die Teams. Verantwortungsbereiche wurden klarer strukturiert, die Führungskräfte formulieren seither Aufgaben und Erwartungen deutlicher, in Teamsitzungen gibt es Feedback-Runden für Teamleiterverhalten. Außerdem sind für jedes Team spezifische Maßnahmen ausgearbeitet worden, die nachhaltig verfolgt werden. Zum kollegialen Zusammenhalt sollen neben Sommerfest und Weihnachtsfeier auch regelmäßige projektübergreifende Standorttreffen beitragen. „Für uns als Unternehmen ist es eine Verpflichtung, dranzubleiben und die Themen nicht im Sande verlaufen zu lassen“, betont Dr. Langnäse.

Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung als Basis

„Gerade im Bereich der sozialen Beziehungen liegt in der Unterstützung durch das Kollegium eine wertvolle Ressource, die es zu erhalten und zu fördern gilt“, betont auch Romy Krug, die als Koordinatorin für das Präventionsfeld Bildungseinrichtungen der VBG die eingangs erwähnte Studie initiierte. Die Befragung der Beschäftigten in Unternehmen der beruflichen Bildung hat nicht nur Stressoren in den Bereichen Arbeitsorganisation, Arbeitsinhalt, soziale Beziehungen, Arbeitsumgebung und den externen Rahmenbedingungen ermittelt, sondern auch die wichtigsten Ressourcen erfragt, die den Beschäftigten bei ihrer Bildungsarbeit konkret helfen können. In diesem Zusammenhang wurden Unterstützung durch das Kollegium, ausreichende Qualifikation sowie Kommunikation und Kooperation im Unternehmen von den Befragten am häufigsten genannt. Alle Ergebnisse der Studie können hier als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Für eine gute und effektive Prävention ist nach den Worten von Romy Krug entscheidend, dass in der jeweiligen Bildungseinrichtung die konkrete Situation bei der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung strukturiert erfasst wird. Für eine rege Beteiligung sei es wichtig, die Beschäftigten frühzeitig in den Prozess einzubinden: „Dann lassen sich aus den Ergebnissen passgenaue Maßnahmen ableiten, die Arbeitsbedingungen nachhaltig gesundheitsförderlich gestalten und damit auch die Motivation, die Gesundheit und die Zufriedenheit der Beschäftigten stärken.“

So unterstützt die VBG

  • Als Einstieg in das Thema Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung bietet die Themenseite VBG – Psychische Belastung einen guten Überblick.
  • Für Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten bietet die VBG eine Kurzanalyse im Team, kurz KiT. Das moderierte Verfahren zur Analyse von Gefährdungen ermöglicht auch die Ausarbeitung von konkreten Maßnahmen, bei denen Expertinnen oder Experten der VBG gerne beraten. Weitere Informationen zu KiT finden Sie hier.
  • Für größere Unternehmen ist das Online-Tool der VBG für gut gestaltete Arbeitsbedingungen geeignet. Damit wird die psychische Belastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter systematisch erfasst. Die anonymisierten Ergebnisse können als Grundlage für Workshops und Maßnahmen dienen. Mehr dazu auf dieser Seite.
  • Für individuelle Beratung können VBG-Mitgliedsunternehmen die Arbeitspsychologinnen und -psychologen in der für sie zuständigen VBG-Bezirksverwaltung kontaktieren.
  • Für Beschäftigte in Bildungseinrichtungen gibt eine VBG-Praxis-Kompakt außerdem Hinweise, wie durch organisatorische Maßnahmen in den Unternehmen sowie personenbezogene Maßnahmen durch das Bildungspersonal selbst die Arbeit sicher und gesund gestaltet werden kann.
  • Für diese Branche gibt es auch zwei Seminarangebote: Gesund arbeiten und Burnoutprävention.

Mehr zum Thema

Im Zuge der digitalen Veranstaltungsreihe WIRtuell findet am 17.12.2021 eine Online-Veranstaltung zum Thema Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung in Bildungseinrichtungen statt.

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