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Starke Frauen prägen von jeher die Geschichte des Unternehmens. Hella Vestner-Lieb, Hannelore Heil-Vestner, Sonja Heil
Foto: VBG/Lennard Preiss

FamilienunternehmenNachfolge als Herzensangelegenheit

Die Nachfolge in Familienunternehmen ist eine komplexe Aufgabe. Bei dem Mittelständler Vestner war der Generationenwechsel seit sechs Generationen nie ein Problem. Ein Blick hinter die Kulissen.

Hella Vestner-Lieb, Sonja Heil und Hannelore Heil-Vestner

Starke Frauen prägen von jeher die Geschichte des Unternehmens. Hella Vestner-Lieb, Hannelore Heil-Vestner, Sonja Heil (v. l. n. r.).

Foto: VBG/Lennard Preiss

Am Empfang gibt es gleich die dreifache Begrüßung: Hella Vestner-Lieb, Sonja Heil und Hannelore Heil-Vestner gehen durch die Räumlichkeiten der Firma voran in den Konferenzraum. Unter einem handgezeichneten Stammbaum an der Wand nehmen die drei Platz und erzählen von der Firmengeschichte und wie auch sie Vestner zu dem Unternehmen gemacht haben, das es heute ist.

Vestner ist eines von knapp 2,5 Millionen mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Angefangen als Bauunternehmen, hat sich die Firma aus Erlangen immer wieder an die Zeit angepasst und neu erfunden. Heute ist sie Personalvermittlung und Gebäudeverwaltung zugleich. Wandlungsfähigkeit und Tradition gehen hier Hand in Hand. „Eigentlich ist es ganz einfach“, beginnt Hella Vestner-Lieb. „Wir mussten als Unternehmen ja überleben, da war immer Anpassungsfähigkeit gefordert. Das hat sich wie ein roter Faden durch unsere Firmengeschichte gezogen.“ Die 44-Jährige ist seit zwanzig Jahren im Familienbetrieb – zuerst zusammen mit ihrer Mutter Hannelore Heil-Vestner und heute mit ihrer Schwester Sonja Heil als Geschäftsführerin. „Frauenpower“ nennen es die drei, und auch das hat Tradition.

Frauenpower in einer Männerdomäne
Gegründet wurde das Unternehmen Mitte des 19. Jahrhunderts vom Maurermeister Johann Vestner. Doch weil die Männer an der Spitze des kleinen Unternehmens in den beiden Weltkriegen fielen, leiteten in der Vergangenheit meistens die Frauen den Betrieb – in einer Branche, die noch immer als Männerdomäne gilt. „Das war für uns früher kein Zuckerschlecken“, gesteht Hannelore Heil-Vestner, die heute mit 75 Jahren noch immer im Unternehmen aktiv ist. Mittlerweile seien Kundinnen und Kunden sowie Geschäftspartnerinnen und -partner aber längst an das Frauentrio gewöhnt. Die beiden Töchter nicken zustimmend.

Sonja Heil erklärt die Unternehmensgeschichte von Vestner.

1857 ein Maurergeschäft in Möhrendorf zu gründen war für den Maurermeister Johann Vestner sowohl eine wagemutige als auch eine weitsichtige Entscheidung. Das Motto „Nur wer sich wandelt, bleibt sich treu“ galt seinen Nachkommen stets als Leitspruch.

Foto: VBG/Lennard Preiss

Überhaupt gibt es viel Einvernehmen im Gespräch, obwohl die Meinungen nicht immer identisch sind. „Wir diskutieren schon gerne, aber immer auf Augenhöhe und immer mit dem Ziel, die bestmögliche Lösung zu finden“, erklärt Heil-Vestner, und die Tochter Hella Vestner-Lieb führt aus: „Es klingt vielleicht wie ein Klischee, aber bei uns geht es nicht um das Ego. Zur Not diskutieren wir so lange, bis alle einverstanden sind.“ Dabei sind diese Gesprächsrunden keinesfalls exklusiv. Vielmehr würden auch die Mitarbeitenden mit in die Entscheidungsfindung einbezogen. Richard Heil, Ehemann der Mutter, ist ebenfalls lange Jahre in der Firma tätig und kann seine Erfahrungen mit einbringen: „Für jeden von uns steht das Wohl des Unternehmens im Mittelpunkt, und alle werden für ihre unterschiedlichen Kompetenzen geschätzt.“

Das Problem mit der Nachfolge
So harmonisch geht es nicht immer zu in familiengeführten Betrieben. Rund 90 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind der Stiftung Familienunternehmen zufolge in Familienhand – Differenzen sind keine Seltenheit. Doch Streitigkeiten um die Nachfolge können existenziell sein. Einer Studie der Beratung PricewaterhouseCoopers zufolge suchen etwa 70.000 Familienunternehmerinnen und -unternehmer hierzulande nach einer Nachfolgerin bzw. einem Nachfolger – idealerweise natürlich aus der nächsten oder übernächsten Familiengeneration. Doch schätzungsweise die Hälfte der Nachfolgen scheitert, weil der Nachwuchs nicht will oder nicht soll.

Auch bei Vestner war die Nachfolge der beiden Schwestern nicht in Stein gemeißelt. „Für mich war der Einstieg ins Familienunternehmen zuerst gar keine Option“, gibt Sonja Heil zu. Nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Regensburg und Berlin wollte sie eigentlich in der Hauptstadt bleiben. Aber für ein Praktikum führte es die heute 42-Jährige dann doch zurück in die Heimat und nur kurze Zeit später ins Unternehmen der Eltern. „Es hat mir erstaunlicherweise gut gefallen“, so Heil.
Ihr Schwerpunkt liegt seitdem auf der Gebäudeverwaltung. In dem noch jungen Geschäftszweig konnte sie von Anfang an ihre eigenen Geschäftsideen umsetzen: „Hätte ich eine Tätigkeit gehabt, die gar nicht zu mir passt, weiß ich nicht, ob ich heute hier sitzen würde.“

„Ich hätte mich auch anders entscheiden können.“
Hella Vestner-Lieb, Geschäftsführerin

„Es ist schon enorm wichtig, dass jeder seinen Bereich hat, in dem die unterschiedlichen Talente zur Geltung kommen“, ergänzt ihre Schwester. Für Hella Vestner-Lieb war es schon früh naheliegend, das Unternehmen der Eltern weiterzuführen. „Ich bin damit aufgewachsen, und gerade meine Mutter hat uns immer vorgelebt, wie erfüllend, aber auch anstrengend die Arbeit sein kann. Ich hatte also eine realistische Vorstellung, als ich hier anfing.“ Die Mutter Hannelore Heil-Vestner erinnert sich an ihre Nachfolge zurück: Da habe es die Wahl gar nicht gegeben. Für sie sei klar gewesen, dass sie die Unternehmensgeschicke weiterführen müsse. „Dabei wäre ich gerne Reisejournalistin geworden.“ Doch die Vorteile als Unternehmerin, etwa die Selbstbestimmung und die Unabhängigkeit, habe sie nicht eintauschen wollen.

Illustration: Zwei Frauen halten ein Herz, das wächst.

Bei Vestner schlagen die Herzen für Firma und Familie gleichermaßen.

Die Firma ist kein Vermächtnis
Tatsächlich scheitern die Generationenwechsel in Unternehmen gerade dann häufig, wenn die Nachfolgerin oder der Nachfolger schnell eigene Ideen umsetzen will und die alte Generation Angst hat, das eigene Vermächtnis durch diese Veränderungen zu verlieren. Bei Vestner seien solche Szenarien nie wahrscheinlich gewesen, beteuert Heil-Vestner: „Wir haben uns immer wieder anpassen müssen, da hängt man emotional nicht so sehr an diesem oder jenem Geschäftszweig.“ Überhaupt geht man bei Vestner mit dem Thema Nachfolge entspannt um. „Obwohl für mich schnell klar war, dass ich die Firma übernehmen möchte, gab es nie Druck. Ich hätte mich auch anders entscheiden können“, erzählt Vestner-Lieb. Die Mutter bestätigt: „Uns lag es natürlich am Herzen, aber wir hätten die Nachfolge nie erzwingen können. Stattdessen haben wir versucht, die Entscheidung vorzuleben. Und die hat Hella nicht bereut, hoffe ich.“

Doch wie sieht es in der nächsten Generation aus? „Wir haben beide Kinder“, erzählt Vestner-Lieb. „Meine Kinder sind jetzt 14 und elf Jahre alt. Falls einer der beiden irgendwann meinen Platz übernimmt, würde ich mich natürlich freuen – wenn nicht, auch kein Problem.“ „Das Unternehmen ist für uns kein Vermächtnis“, sagt Hannelore Heil-Vestner. „Im Gegenteil: Die Familie ist doch viel wichtiger als die Firma.“

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