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Foto: VBG/Jochen Schievink

Interessierte SelbstgefährdungWarnsignale erkennen

Gesundheit ist das höchste Gut. Trotzdem überschreiten viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Berufsalltag ihre Belastungsgrenzen – auch im Homeoffice. Weil sie das Arbeitspensum schaffen oder dem Konkurrenzdruck standhalten wollen, gefährden sie ihre Gesundheit. Ein Phänomen, das die Wissenschaft „Interessierte Selbstgefährdung“ nennt. Fünf Warnsignale, auf die Führungskräfte und Beschäftigte vor allem im Homeoffice achten sollten.

1. Grenzenlos und temporeich

Illu Urlaub
Foto: VBG/Jochen Schievink

Insbesondere im Homeoffice steigt die Gefahr, dass die Flexibilisierung der Arbeit und der Arbeits­zeiten die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen lässt. Homeoffice und mobile Geräte ermöglichen es, an fast jedem Ort zu fast jeder Zeit zu arbeiten. Ohne Arbeits­wege und Termine abseits der Arbeit fallen das Abschalten und der pünktliche Feier­abend schwerer. Das gilt ebenso für das Wochenende und den Urlaub. Wird zugunsten der Arbeit auf Erholungs­phasen verzichtet, leidet die Gesundheit. Technisch ist es möglich, sich ohne Pause von einem zum nächsten Videomeeting zu klicken. Doch ein sehr hohes Arbeits­tempo kann schaden. Intensiv und tempo­reich arbeitende Personen verzichten auf den informellen Austausch und die gegen­seitige Unter­stützung im Team. Für Vorgesetzte gilt es nun mehr denn je, auf das Einhalten der vereinbarten Arbeitszeiten zu pochen und Kolleginnen und Kollegen, die Mehr­arbeit außerhalb dieser Vereinbarungen leisten, direkt an­zu­sprechen.

2. Qualität im Sinkflug

Illu Hohes Arbeitspensum
Foto: VBG/Jochen Schievink

Durch die Vielzahl neuer Tools und neuer Arbeits­abläufe müssen sich an vielen Heim­arbeits­plätzen erst einmal neue Routinen einstellen. Mittler­weile führen straffe Zeitpläne und volle Kalender mehr denn je zu einem quantitativen Anstieg der Arbeit, während die Qualität durch die Arbeits­last, aber auch durch fehlenden persönlichen Austausch oder Feedback der Vorgesetzten leiden kann. Wer aufgrund des hohen Pensums beginnt, Abstriche bei der Arbeits­qualität zu machen, reduziert zwar kurz­fristig den Druck, muss mittel­fristig jedoch mit negativen Konsequenzen rechnen. Wird der Qualitäts­anspruch an die eigene Arbeit unter­laufen, kann auch die Psyche leiden. Ziele sollten deshalb so gesetzt sein, dass sie in der vor­gegebenen Zeit bei guter Qualität zu erreichen sind.

3. Krank am Schreibtisch

Illu Krankheit
Foto: VBG/Jochen Schievink

„Präsentismus“ ist der Fachbegriff für ein Phänomen, das an vielen Arbeits­plätzen Realität ist: Beschäftigte arbeiten trotz Krankheit oder verzichten zugunsten der Arbeit auf eine aus­reichende Regeneration. Im Homeoffice liegt die Hemm­schwelle, sich nicht krankheits­bedingt abzumelden, sondern statt­dessen zu arbeiten, noch niedriger. Dadurch dass Arbeits­wege weg­fallen und keine Ansteckungs­gefahr für Kolleginnen und Kollegen besteht, wird die Arbeit mit einem Schnupfen oder einer Erkältung am Laptop zu Hause weniger hinter­fragt. Das Risiko für alle Beteiligten dabei: Arbeits­qualität und Gesundheit des oder der Betroffenen leiden, und auch das Unfall­risiko am heimischen Arbeits­platz steigt. Führungs­kräfte sollten ihren Beschäftigten ein Vorbild sein, selbst nicht krank zur Arbeit erscheinen und Präsentismus nicht akzeptieren. Klare Ansagen der Vorgesetzten und transparente Regelungen können Abhilfe schaffen.

4. Problematischer Konsum

Illu Sucht
Foto: VBG/Jochen Schievink

Ein Energydrink in der Mittagspause, ein Glas Rotwein zur Entspannung nach Feier­abend – das mag noch harmlos klingen, jedoch kann regel- oder über­mäßiger Konsum problematisch sein. Vor allem bei der Arbeit im Homeoffice bekommen Kolleginnen und Kollegen über­mäßigen Konsum oder Missbrauch zum Beispiel von Alkohol noch weniger mit. Auch der Konsum von leistungs­steigernden Substanzen, die aufgrund hoher Arbeits­last eingenommen werden, ist für Außen­stehende schwer zu erkennen. Führungs­kräfte sowie Kolleginnen oder Kollegen sollten ein vertrauliches Gespräch mit Betroffenen suchen und sie auf wahr­genommene Veränderungen ansprechen.

5. Folgenreiches Vortäuschen

Illu gute Laune vortäuschen
Foto: VBG/Jochen Schievink

Trotz hoher Überlastung kann es vorkommen, dass Beschäftigte im Homeoffice weiter­hin eine hohe Leistungs­fähigkeit suggerieren. Sie übernehmen zum Beispiel zusätzliche Arbeits­aufgaben oder machen beschönigende Angaben zu Projekt­ständen, um die eigene Über­forderung zu vertuschen. Ein Verhalten, das zwar kurz­fristig den Druck reduziert, lang­fristig jedoch der eigenen Gesundheit und dem beruflichen Erfolg schadet. Regel­mäßige Gespräche zwischen angestellter Person und Führungs­kraft können Vertrauen und Ehrlichkeit fördern.

Initiative Mitdenken 4.0

Indirekte Steuerung / Führen durch Ziele ist ein Schwerpunktthema im Rahmen der Initiative Mitdenken 4.0.

Weitere Informationen
Poster "Warnsignale erkennen"
Foto: VBG/Jochen Schievink

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Laden Sie sich das Poster „Warnsignale“ zur Interessierten Selbstgefährdung hier herunter.

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