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Foto: istock/venimo

ArbeitsorteHybrides Arbeiten – was Chefinnen und Chefs jetzt wissen müssen

Heute hier, morgen dort: Die neue Normalität ist in der Arbeitswelt angekommen. Was Unternehmerinnen und Unternehmer beachten sollten, hier im Überblick.

Die Coronapandemie verändert unsere Arbeitswelt lang­fristig. Hybride Arbeits­­formen entwickeln sich zur neuen Normalität. Damit das gelingt, müssen sich Unter­nehmerinnen und Unter­nehmer mit vielen Aspekten beschäftigen.

Wie ist die Rechtslage?

Seit dem 24.11.2021 gilt das neue Infektions­schutz­gesetz – vorerst bis zum 19.03.2022. Viele bisherige Regelungen sind weiterhin gültig, es gibt allerdings auch Neuigkeiten.

Die wichtigsten Änderungen sind die Homeoffice-Pflicht und die 3G-Regelung am Arbeits­platz. Wer kann, muss seinen Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anbieten, diese in der eigenen Wohnung aus­zu­führen, wenn keine zwingenden betriebs­bedingten Gründe entgegen­stehen. Die Arbeits­stätte darf nur betreten werden, wenn Arbeit­geber und Beschäftigte geimpft, genesen oder getestet sind und einen Impf­nach­weis, einen Genesenen­nachweis oder einen offiziellen Test­nach­weis mit sich führen. Dies muss kontrolliert und nach­gehalten werden. Einen kompakten Überblick über die wesentlichen Verpflichtungen, die das neue Gesetz mit sich bringt, gibt es hier.

Was genau bedeutet eigentlich Homeoffice?

Auch wenn das Wort Homeoffice in aller Munde ist: Der richtige Ausdruck für die Art und Weise, wie viele Beschäftigte aktuell arbeiten, lautet „mobile Arbeit“. Der Gesetz­geber differenziert zwischen diesem – orts­unabhängigen – Arbeiten und der sogenannten „Telearbeit“ an einem festen Arbeits­platz außerhalb des Betriebs. Für beide gelten grundsätzlich unter­schiedliche gesetzliche Vorgaben. Warum die Zeit reif für ein Homeoffice-Gesetz ist, erklärt Björn Böhning, der zuständige Staats­sekretär im Bundes­arbeits­ministerium, im ausführlichen Certo-Interview.

Welche Herausforderungen gibt es für Unternehmerinnen und Unternehmer?

„Leider ist das geltende Arbeitsrecht im Wesentlichen noch auf den klassischen Industrie­arbeits­platz aus dem vorigen Jahr­hundert aus­gerichtet. Das führt dazu, dass starre Regelungen Innovationen und neue Geschäfts­modelle blockieren. Auch gehen die Regelungen an der Lebens­realität vieler Beschäftigter vorbei“, kritisiert Arbeit­geber­präsident Dr. Rainer Dulger in seinem Certo-Gastbeitrag. Warum er von der Politik mehr Flexibilität zum Beispiel im Arbeits­zeit­recht fordert, sich aber gegen den Rechts­anspruch von Beschäftigten auf Homeoffice ausspricht, begründet er mit den tatsächlichen betrieblichen Anforderungen.

Wie muss es im Betrieb aussehen?

Hygieneregeln, Abläufe, Laufwege und die Nutzung der Gemeinschafts­räume werfen für diejenigen, die im Betrieb arbeiten, viele Fragen auf. Antworten darauf, was Unternehmen vorbereiten müssen, wenn sich die Büros wieder füllen, weil die Beschäftigten zumindest zeitweise zurück ins Büro kommen, liefert ein Poster.

Wie muss das Homeoffice ausgestattet sein?

Gesetzlich wird das Homeoffice als eine Form des mobilen Arbeitens und nicht als sogenannter Tele­arbeits­platz definiert. Daher gelten nicht alle Vorgaben der Arbeits­stätten­verordnung, was die Pflichten der Arbeit­gebenden angeht. Grundsätzlich sollten Unternehmen mit ihren Beschäftigten über deren jeweilige Situation und ihre Bedürfnisse sprechen. Besonders das Thema Ergonomie ist dabei wichtig. Wissen Sie beispiels­weise, wie groß der Abstand zwischen Augen und Monitor sein sollte, damit Beschäftigte ermüdungs­frei arbeiten können? Er sollte zwischen 50 und 70 Zentimeter betragen. Weitere handfeste Tipps für eine gesunde Arbeits­umgebung im Homeoffice geben ein Überblick im Poster-Format oder unser Video. Viele Ideen, die im Büro für die nötige Bewegung sorgen, sind auch im Homeoffice umzusetzen. Die Arbeit im Homeoffice muss übrigens auch in der Gefährdungs­beurteilung berücksichtigt werden, zu deren Erstellung jedes Unternehmen verpflichtet ist.

Wie sieht es mit dem Versicherungs­schutz aus?

Seit Mitte Juni 2021 sind Beschäftigte, die im Homeoffice einen Unfall erleiden, genauso wie im Unternehmen versichert. „Wenn zum Beispiel eine versicherte Person im Homeoffice Durst bekommt und sich Wasser zum Trinken aus der Küche holen muss, um weiterarbeiten zu können, besteht Versicherungs­schutz, wenn sie auf dem Weg dahin stolpert und sich den Fuß bricht. Auch unmittelbare Wege zu und von dem Ort, wo Versicherte wegen ihrer beruflichen Tätigkeit ihre Kinder zur Betreuung fremder Obhut anvertrauen, also zum Beispiel zum Kindergarten oder zur Kita, sind nunmehr versichert“, erklärt VBG-Rechts­expertin Christine Ramsauer. Mehr Infos gibt es im Kurzinterview.

Wie führen trotz räumlicher und zeitlicher Distanz?

Für Unternehmerinnen und Unternehmer ist es besonders wichtig, die psychische Gesundheit ihrer Beschäftigten auch auf Distanz zu stärken – und selbst gesund zu bleiben. Die Lösung liegt hier in guter Kommunikation und in verlässlichen Strukturen. Im Homeoffice arbeiten Beschäftigte nicht nur an einem anderen Ort, häufig verschieben sich auch ihre Arbeits­zeiten aufgrund anderer Verpflichtungen oder persönlicher Präferenzen. „Für Unternehmen gilt es, die Vorteile der Erreichbarkeit auszuschöpfen und gleichzeitig die belastenden Faktoren für die Betroffenen zu minimieren“, weiß VBG-Arbeits­psychologin Susanne Roscher. Sie gibt fünf konkrete Tipps für die Regelung von Erreichbarkeit im Homeoffice. Auf der anderen Seite findet die Zusammen­arbeit in virtuellen Teams so statt, als ob es beim Zusammen­wirken zwischen mehreren Personen keine Distanz geben würde. Wie Führungs­kräfte diesen Widerspruch lösen können, verraten unsere FAQ.

Präsenzpflicht oder Homeoffice?

Dass die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung auch nach dem Abflauen der Pandemie dafür sorgen, dass die tägliche Präsenz­pflicht nicht mehr nötig ist, davon ist der Düsseldorfer Homeoffice-Forscher Prof. Dr. Stefan Süß überzeugt. Dennoch spricht er sich für eine aus­gewogene Mischung von Büro- und mobiler Arbeit aus. Der Wissenschaftler warnt davor, den Faktor Identitäts­bildung zu unterschätzen. Teil­weise wird diese Haltung bereits praktiziert. Obwohl bei der Agentur „Zum goldenen Hirschen“ die Präsenz­pflicht komplett abgeschafft wurde, möchten die Beschäftigten gern ins Büro kommen. Beim Soft­ware­unternehmen SAP hat man ähnliche Erfahrungen gemacht und die Frage beantwortet, was Betriebe unternehmen können, um ihre Beschäftigten bei Laune zu halten, wenn plötzlich alles stillsteht. Da ist eine breite Palette von Maßnahmen im Angebot: von der Neuorganisation von Meetings bis hin zu Programmen für den Teamgeist.

Was Sie sonst noch rund um das Homeoffice wissen sollten

Neben all diesen Themen stellen sich Unternehmerinnen und Unternehmer viele weitere Fragen rund um das Homeoffice. Wie beispiels­weise läuft es mit der Besteuerung? Woran ist beim Daten­schutz zu denken? Und welche staatlichen Hilfen können Unternehmen in Anspruch nehmen? Tipps zu diesen und weiteren Aspekten der mobilen Arbeit finden Sie in unserer Linkliste.

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