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Foto: VBG/Selim Sudheimer

HomeofficeGut führen aus der Ferne

Die Corona-Pandemie stellt Beschäftigte und Unternehmensleitungen vor neue Herausforderungen in den täglichen Arbeitsprozessen. Um die Ansteckungsgefahr für alle Kolleginnen und Kollegen so gering wie möglich zu halten, schicken viele Betriebe ihre Belegschaften jetzt ins Homeoffice. Doch längst nicht alle Führungskräfte haben Erfahrungen damit, die Beschäftigten zu Hause anzuleiten. Wie die Führung aus der Ferne gelingt, verrät VBG-Arbeitspsychologin Dr. Susanne Roscher.

In vier von zehn Unternehmen in Deutschland war Home­office bisher zumindest für einen Teil der Beschäftigten gang und gäbe. Seit Beginn der Corona-Krise dürfte diese Zahl sprung­haft angestiegen sein. Vor allem jene Unter­nehmens­leitungen, die ihren Mit­arbeitenden nun auf die Schnelle Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten ei­nräumen müssen oder wollen, absolvieren derzeit unfreiwillig einen Intensiv­kurs in Sachen Führung auf Distanz.

„Wenn der persönliche Kontakt zwischen Beschäftigten und Führungs­kraft ein­geschränkt ist, ändert sich die Art der Führung“, sagt Dr. Susanne Roscher, Leiterin des Bereichs Arbeits­psychologie der gesetzlichen Unfallversicherung VBG. „Häufig wird aus der Ferne eher per Mail als von Angesicht zu Angesicht kommuniziert. Dadurch besteht die Gefahr, dass man sich nur sach­bezogen aus­tauscht. Persönliche Fragen nach dem Befinden oder dem Voran­kommen bei der Arbeit bleiben oft auf der Strecke“, so die Arbeits­psychologin. Das hat Konsequenzen: So kommt in der Kommunikation - oft ungewollt - die Wert­schätzung der Arbeit­nehmenden durch die Führungs­kräfte zu kurz, auch eine eher kurze und unpersönliche Ansprache kann Verunsicherungen der Mitarbeitenden in dieser für sie neuen Situation noch verstärken. „Das kann gerade jetzt fatal sein, wo in der Gesellschaft ein generelles Gefühl der Unsicherheit besteht.“ Den Beschäftigten in dieser Situation zu vermitteln, dass ihre Arbeit weiter­hin geschätzt wird und sie als Person wichtig sind, schafft Sicherheiten und verbessert so die Arbeits­situation der Beschäftigten.

Wo direkte Eingriffsmöglichkeiten nicht mehr gegeben sind, spielt das Vertrauen eine umso größere Rolle. Führungs­kräfte sollten zuversichtlich sein, dass der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin auch ohne ständige Kontrolle sehr genau weiß, was wann zu tun ist. Arbeiten Beschäftigte verstärkt oder aus­schließlich von zu Hause, greift meist das Prinzip der sogenannten indirekten Steuerung. Dabei zählt weniger das Wie eines Prozesses als das Was in Form eines Ziels. Soll heißen: Die Führungs­kraft vereinbart mit ihren Mitarbeitenden ein konkretes Ergebnis, das zu einem bestimmten Zeit­punkt erreicht sein soll. Der Arbeit­nehmer oder die Arbeit­nehmerin arbeitet selbst­ständig darauf hin. Die Verantwortung für das Erreichen des Ziels wird auf die Beschäftigten über­tragen (siehe weiter unten).

Laden Sie sich hier das Factsheet „Arbeit im Homeoffice gesund gestalten“ herunter:

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Mit gutem Beispiel voran

Streng genommen handelt es sich bei der jetzt vielfach genutzten Form der mobilen Arbeit nicht um Homeoffice. Dafür müssen besondere Voraus­setzungen, die die Arbeits­stätten­verordnung regelt, erfüllt sein. Homeoffice – auch Tele­arbeit genannt – heißt: Der Arbeit­geber richtet im Privat­bereich von Beschäftigten einen Arbeits­platz mit entsprechender Aus­stattung ein. Die Arbeit von zu Hause ist arbeits­vertraglich oder im Rahmen einer Vereinbarung geregelt. Für die jetzt oft kurzfristig angesetzte mobile Arbeit in der Corona-Krise gelten allgemeine Vorgaben des Arbeits­schutz­gesetzes und des Arbeits­zeit­gesetzes. In Ausnahme­situationen wie dieser kann auch über einen längeren Zeit­raum von zu Hause gearbeitet werden.

Besonders dann ist eine gesunde Vertrauens­kultur unerlässlich. „Angst vor Kontroll­verlust muss keine Führungs­kraft haben“, so Dr. Susanne Roscher. „Studien zeigen, dass die Menschen im Home­office oft sogar effizienter arbeiten als am Firmen-Arbeits­platz.“ Weil sich viele Beschäftigte nichts nachsagen lassen wollen, arbeiten sie im Homeoffice allerdings häufig auch länger. Menschen, die ihre eigene Gesundheit gefährden, indem sie beispiels­weise Pausen­zeiten nicht einhalten oder auch am Wochenende arbeiten, sollte die Führungs­kraft Unter­stützung anbieten. „Zum einen kann der oder die Vor­gesetzte signalisieren, dass ein solch selbst­gefährdendes Verhalten nicht gewünscht ist. Zum anderen sollte die Führungs­kraft auch selbst mit gutem Beispiel voran­gehen. Wer spät­abends noch Mails an seine Mitarbeitenden schreibt, beeinflusst die Team­kultur negativ.“

Gesundes Verhalten im Homeoffice von anderen einzufordern und selbst zu leben, fällt leichter, wenn die Unter­nehmens­leitung hinter ihren Führungs­kräften steht und sie mit allen not­wendigen Informationen versorgt. Denn in Krisen­zeiten benötigen auch Führungs­kräfte besondere Unter­stützung durch die Geschäfts­leitung. Verfügen sie über klare Handlungs­leit­linien und einen regel­mäßigen Informations­fluss, können sie diese an die Mit­arbeitenden weiter­geben und ihnen Sicherheit und Verlässlichkeit vermitteln.

Wie kann die Führungskraft auch in Zeiten der Verunsicherung den Beschäftigten im Homeoffice den Rücken stärken? Diese Tipps helfen:

  1. Bleiben Sie in direktem Kontakt mit den Beschäftigten. Statt per Mail lieber per Video- und Telefon­konferenzen kommunizieren, sofern die IT- und Tele­kommunikations­infra­struktur dem keine Grenzen setzt. Das vermittelt den Beschäftigten das Gefühl, weiterhin Mitglied eines Teams zu sein. Außerdem kann die Führungs­kraft so aktiv und flexibel auf Probleme der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingehen und sie im Finden einer Strategie zur Problem­lösung unter­stützen.
  2. Generell und ganz besonders jetzt gilt: Erkundigen Sie sich regelmäßig, wie es Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch persönlich geht. Dadurch signalisieren Sie Interesse und geben ihnen Sicherheit in der außer­gewöhnlichen Situation.
  3. Bleiben Sie flexibel und reagieren Sie situativ auf das, was Einzelne brauchen. Menschen müssen unter­schiedlich stark angeleitet werden, wenn sie mobil von zu Hause arbeiten. Die eine braucht weniger Infos, um gut arbeiten zu können, der andere mehr.
  4. Haben Sie Vertrauen in Ihre Mitarbeiter. In der Möglichkeit mobilen Arbeitens stecken viele Chancen wie jene, Arbeits- und Privat­leben besser in Einklang zu bringen. Gerade jetzt müssen Arbeit­nehmende flexibel auf ausfallende Kinder­betreuung oder kurz­fristige Arzt­termine reagieren können, indem sie die Arbeit auch einmal außer­halb der Kern­zeiten verrichten dürfen. Es hat sich gezeigt, dass Beschäftigte diese Freiräume nicht ausnutzen, sondern das ihnen entgegen­gebrachte Vertrauen zu schätzen wissen.

Checkliste Homeoffice

Arbeitgebende und Führungskräfte, die diese Punkte beachten, machen das Homeoffice zur Bereicherung für ihren Betrieb:

  • Klarheit durch Leitlinie oder Betriebs­vereinbarung schaffen
  • Auf Gleichbehandlung achten
  • Individuell mit interessierten Beschäftigten Vor- und Nach­teile abwägen
  • Gemeinsam zeitlich und inhaltlich angemessene Aufgaben für Homeoffice definieren
  • Technische und ergonomische Ausstattung sicherstellen
  • Erreichbarkeit regeln
  • Auf Einhaltung der Arbeits­zeit achten
  • Regelmäßig Auswirkung auf Qualität und Produktivität der Arbeit beurteilen
  • Auswirkung auf das Team beobachten
  • Gesundheit der Beschäftigten im Auge behalten, ggf. Workshops zum Umgang mit interessierter Selbst­gefährdung anbieten

Kernmerkmale indirekter Steuerung

Indirekte Steuerung bedeutet:

  • Führen über Ziele
  • Übertragung der Verantwortung auf Beschäftigte aller Hierarchien
  • Ziele sind Indikatoren für unternehmerischen Erfolg
  • Systematisches Rückmelden des Zielerreichungsgrades
  • Benchmark anhand von Kennzahlen

Auszug aus der Broschüre „Führen durch Ziele“

Für manche bedeutet es Freiheit, für andere hat es seine Tücken: das Homeoffice. Praktische Tipps, wie Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Führungskräfte ihre Beschäftigten im heimischen Büro stärken können, gibt VBG-Arbeitspsychologin Dr. Susanne Roscher in unserem neuen #HowToOffice-Videoclip. Im Mittelpunkt steht dabei – trotz räumlicher Distanz – das gute Miteinander, eine Kultur des gegenseitigen Vertrauens und Teamgeist. Wie sich diese Werte gemeinsam erlernen lassen, erfahren Sie im Video.

Video mit Untertitel

Video mit Audiodeskription

 

Quelle: DGUV/VBG

Veröffentlicht am

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