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zwei Männer im Anzug arbeiten
Foto: iStock

GenerationenwechselJetzt werden die Büros getauscht

Führen zwei Generationen im Unternehmen, kann es schnell zu Konflikten kommen. Beide können aber auch voneinander profitieren. Im Interview erklärt Prof. Dr. Birgit Felden, Beraterin für Mittelstands- und Familienunternehmen, wie eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge gelingen kann.

In vielen Familienunternehmen führen zwei oder mehrere Generationen gleichzeitig die Geschicke. Wie groß ist das Konfliktpotenzial in diesem Szenario?
Wenn zwei Menschen nebeneinander führen, prallen ganz oft ganz unterschiedliche Charaktere aufeinander. Manchmal passt es, oft eben auch nicht. Es gibt da kein allgemeingültiges Rezept für diese Situation. Ich schaue stattdessen immer zuerst auf die Menschen, mit denen ich es zu tun habe.

Welchen Menschen begegnen Sie?
Das ist natürlich ganz unterschiedlich. Oft stehen sie aber vor denselben Problemen. Die ältere Generation sucht nach einer Nachfolge für ihr Unternehmen, kann der jüngeren Generation dieses aber nur schweren Herzens vermachen. Mal fehlt das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit und die Ideen der Nachfolgerin oder des Nachfolgers, mal passen die Führungsstile einfach nicht zusammen.

Potrait Birgit Felden

Prof. Dr. Birgit Felden ist Beraterin für Mittelstands- und Familienunternehmen, Autorin und Hochschullehrerin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Sie lebt und arbeitet in Köln und Berlin.

Gibt es denn typische Führungsstile je nach Generation?
Häufig haben die alten Unternehmerinnen und Unternehmer einen dominanteren Stil, was sich über die Jahrzehnte ja auch bewährt hat. Die Nachfolgerinnen und Nachfolger sind allein aufgrund ihres Alters und ihrer Sozialisation kommunikativer, harmoniebedürftiger und eher teamorientiert. Ich habe aber auch das Gegenteil erlebt: Der Senior oder die Seniorin hat oft nach Kompromissen gesucht, viel mit den Mitarbeitenden gesprochen, und der Junior oder die Juniorin hat mit harter Hand seine bzw. ihre Entscheidungen durchgedrückt. Da ist dann wiederum oft Unsicherheit im Spiel.

Welche Rolle spielt Kommunikation beim Generationenwechsel?
Eine ganz wesentliche: Reden hilft in den meisten Fällen! Wenn Kommunikation richtig funktioniert, werden die Missverständnisse geringer und Nachfolgekonflikte unwahrscheinlicher. Das Kommunikationstalent ist aber nicht bei allen Unternehmerinnen und Unternehmern gut ausgeprägt. Dabei ist der richtige Ton genauso wichtig wie der Inhalt. Konstruktive Gespräche leben von der Wertschätzung des Gegenübers. Techniken wie Mediation oder ein begleitetes Change-Management unterstützen dabei, Missverständnisse und Konflikte zu vermeiden.

Was können Senior oder Seniorin und Junior oder Juniorin voneinander lernen?
Die nachfolgende Generation kann enorm von dem Erfahrungsschatz der älteren Generation profitieren. Im Gegenzug bringen jüngere Menschen neue Ideen, mutige Visionen und generell frischen Wind ins Unternehmen. Wichtig ist, dass die Mitarbeitenden genauso profitieren und sich nicht übergangen oder überrannt fühlen. Im schlimmsten Fall würden sich Lager bilden, die sich mit dem einen der beiden Führenden solidarisieren. Die Geschäftsführung muss nach außen also immer eine Einheit sein.

Irgendwann soll die junge Chefin oder der junge Chef die Nachfolge übernehmen: Wie geht man einen solchen Generationenwechsel im Unternehmen an?
Mein erster Tipp ist immer: so früh mit der Nachfolgeplanung anfangen wie möglich. Leider beschäftigen sich viele Unternehmerinnen und Unternehmer erst dann mit der Nachfolge, wenn es etwa aus gesundheitlichen Gründen drängt. Der Prozess der Übergabe dauert aber zwischen drei und fünf Jahren. Ich empfehle den 60. Geburtstag als groben Richtwert, um die Planung aktiv anzugehen. Ist die Nachfolgerin oder der Nachfolger gefunden, hilft gerade in kleineren Unternehmen eine gemeinsame Übergangszeit, die beiden die Möglichkeit gibt, in ihre neue Rolle hineinzufinden. Ist der Moment gekommen, rate ich dazu, symbolisch die Büros oder die Schreibtische zu tauschen. Dann wissen alle Beteiligten, dass die Übergabe vollzogen wurde.

Familie und Firma: Kann das überhaupt gut gehen?
Unbedingt! In Deutschland ist der Anteil der Unternehmen in Familienhand so hoch wie in kaum einem anderen Land. Das macht unseren starken Mittelstand aus. Aus meiner Sicht ist das Familienunternehmen weiterhin ein Zukunftsmodell, auch weil viele dieser Unternehmensformen ihrer gesellschaftlichen und unternehmerischen Verantwortung gerecht werden. Wer ein Familienunternehmen führt, das seit Generationen besteht, gibt erfahrungsgemäß auch viel zurück: an die Mitarbeitenden, Vereine oder Schulen aus der Region. Da werden familiäre Werte noch gelebt.

Sicher. Gesund. Miteinander.

Damit sich Sicherheit und Gesundheit in Unternehmen von Kostenfaktoren zu Erfolgsgaranten wandeln, brauchen Unternehmen eine Kultur, die Prävention fördert. Hierfür schafft die Präventionskampagne kommmitmensch mit konkreten Ansätzen für eine gelebte Präventionskultur durch eine gesunde Führung, Beteiligung der Beschäftigten und zielführende Kommunikationen einen systematischen Rahmen. Um über Präventionskultur gemeinsam im Unternehmen ins Gespräch zu kommen, können Unternehmen die Toolbox „kommmitmensch – Dialoge“ nutzen.
Alle Informationen unter: www.vbg.de/kommmitmensch.

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