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PandemievorsorgeBetriebsärztinnen und -ärzte stehen Unternehmen zur Seite

Dr. Jens Petersen, leitender Arbeitsmediziner der VBG, erklärt, wie Unternehmen im Kampf gegen das Coronavirus Unterstützung bei Tests und Impfungen erhalten.

Herr Dr. Petersen, seit Anfang März 2021 können Unternehmen ihren Beschäftigten, die vor Ort arbeiten, kostenlose Antigen-Schnelltests anbieten. Was sind die wesentlichen Dinge, auf die sie in diesem Zusammenhang achten sollten?
Wichtig ist, gemeinsam mit den Betriebsärztinnen und -ärzten und den Fachkräften für Arbeitssicherheit eine betriebliche Teststrategie festzulegen. Ziel ist es, gefährdete Personengruppen zu schützen, indem früh Alarm geschlagen wird und Infektionsketten verhindert werden. Während die sogenannten PCR-Tests ausschließlich von Fachleuten durchgeführt werden können, sind für die Anwendung im Unternehmen sogenannte Point-of-Care- beziehungsweise POC-Formate vorgesehen. Unternehmen können diese Antigen-Tests direkt über die Herstellerfirmen, den Großhandel und Apotheken erwerben. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte führt auf seiner Website eine Liste mit den aktuell zugelassenen Schnelltests. Wichtig ist dabei, sich genau an die Gebrauchsanweisung zu halten und auf die richtige Art der Lagerung sowie die empfohlenen Temperaturen zu achten. Und schließlich muss das Ganze innerbetrieblich organisiert werden.

Dr. Jens Petersen

Dr. Jens Petersen hält Tests und Impfungen im Betrieb für ein probates Mittel zur Pandemievorsorge.

Foto: VBG/Oliver Hardt

Apropos Organisation: Nach dem Beschluss der gemeinsamen Bund-Länder-Konferenz vom 3. März 2021 sollen Unternehmen in Deutschland ihren in Präsenz Beschäftigten pro Woche das Angebot von mindestens einem kostenlosen Antigen-Schnelltest machen. Was raten Sie diesbezüglich?
Auch wenn eine Rechtsgrundlage noch nicht vorhanden ist, sind die Schnelltests Teil der Pandemiestrategie. Für die meisten Bürobetriebe empfehle ich wöchentlich zwei Testungen, zum Beispiel jeweils montags und mittwochs. Einmal nach dem Wochenende, an dem eine erhöhte Gefahr besteht, sich im privaten Umfeld angesteckt zu haben, und einmal in der Mitte der Woche, falls es im Büro zu einer Infektion gekommen sein könnte. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, ein Merkblatt für die Beschäftigten zu entwickeln, das sie über die Tests aufklärt (siehe Kasten) und Maßnahmen für den Fall eines positiven Testergebnisses definiert. Wir haben alle relevanten Informationen zur Planung, Durchführung und Dokumentation von SARS-CoV-2-Antigen-Schnelltests in Unternehmen auf der VBG-Website kompakt zusammengestellt.

Coronavirus-Schnelltests: Was beinhaltet das Merkblatt für Beschäftigte?

  • Die Testungen sind Bestandteil der Pandemiestrategie des Unternehmens und dienen dem Schutz bestimmter Personengruppen.
  • Die Maßnahmen der Pandemiestrategie sowie die AHAL-Regeln gelten weiterhin uneingeschränkt – auch bei negativen Testergebnissen.
  • Die Durchführung der Tests ist freiwillig.
  • Bei der Durchführung ist auf Handhygiene zu achten, die in der Testanleitung vorgegebene Raumtemperatur sollte zwingend eingehalten werden.
  • Der Test ist zu dokumentieren.
  • Die Maßnahmen, die bei einem positiven Testergebnis zu ergreifen sind, sind aufgeführt.

Zu den Maßnahmen: Wie sollen Betriebe vorgehen, wenn bei Beschäftigten der Test positiv ausfällt?
Bei einem positiven Testergebnis sollten folgende Maßnahmen getroffen werden: Die oder der Beschäftigte sollten den Arbeitsplatz verlassen und sich in häusliche Isolation begeben. Die Führungskraft sollte benachrichtigt werden. Alle Kontaktpersonen der vergangenen 14 Tage sollten notiert und über die mögliche Infektion informiert werden. Zur Bestätigung des Verdachts sollte ein PCR-Test durchgeführt werden. Sollte dieser negativ sein, kann die Tätigkeit in Absprache mit der Führungskraft wieder aufgenommen werden. Bei Beschwerden ist ärztlicher Rat zu suchen.

Negative Ergebnisse sorgen dann für Sicherheit?
Ein negatives Ergebnis beeinflusst den Betrieb zunächst nicht. Wichtig ist aber, im Kopf zu behalten, dass dies eine Momentaufnahme ist, die eine Infektiösität nicht hundertprozentig ausschließt und die zeitlich extrem begrenzt ist. Alle bestehenden Regeln zu Abständen, Hygiene, Mund-Nasen-Bedeckungen und dem Lüften sollten daher unbedingt weiterhin eingehalten werden.

Das andere große Thema in der aktuellen Diskussion ist die Coronavirus-Schutzimpfung. Zunächst wird in Impfzentren, dann über die hausärztlichen Praxen geimpft. Wann könnten die Betriebsärztinnen und -ärzte ins Spiel kommen?
Hoffentlich schon bald. Am 10. März 2021 ist die Impfverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit erschienen. Impfungen durch Betriebsärztinnen und -ärzte sind damit möglich, sobald ein Impfstoff zur Verfügung gestellt wird. Die laufenden COVID-19-Impfungen im Rahmen der Nationalen Impfstrategie bedeuten für alle im Gesundheitswesen beteiligten Institutionen eine enorme Herausforderung, die nur mit vereinten Kräften zu meistern ist. Koordination, Abstimmung und Arbeitsteilung sind da sehr wichtig. Ich gehe davon aus, dass Impfungen in Unternehmen angeboten werden können, sobald genügend Impfstoffe zur Verfügung stehen und die priorisierten Personengruppen – die über die Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit unter Berücksichtigung der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut festgelegt wurden – weitgehend geimpft sind. Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) als auch der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) haben schon vor geraumer Zeit ihre Unterstützung bei der Umsetzung der Impfstrategie angeboten.

Welche Vorteile sehen Sie, wenn Unternehmen ihren Beschäftigten – ähnlich wie bei der Grippeschutzimpfung – dann eine Schutzimpfung über eine Betriebsärztin oder einen Betriebsarzt anbieten?
Impfen ist bereits jetzt ein wesentlicher Bestandteil des Arbeitsschutzes in Unternehmen. Betriebsärztinnen und -ärzte verfügen in ihren Einsatzbereichen über große Expertise und eine breite Erfahrung mit dem Thema Impfen, etwa durch die Influenza-Schutzimpfung, aber auch durch vorgeschriebene Impfangebote gegen Hepatitis A oder B sowie durch weitere Impfungen im Gesundheitsdienst. Schon jetzt impfen Betriebsärztinnen und -ärzte im Gesundheitswesen gegen das Coronavirus. Gesundheits- und Krankenpflegende gehen nicht ins Impfzentrum, sondern werden in den Kliniken nach bestimmten Prioritäten geimpft. Hinzu kommt, dass das betriebliche Setting auch organisatorisch ideal ist: Die Organisation kann nah am Unternehmen erfolgen und macht die Impfung für die Beschäftigten leicht erreichbar. Kurze Wege, ein begrenzter Zeitaufwand und eine gebündelte Dokumentation sorgen für eine einfach zugängliche und reibungslose Umsetzung.

Die am 15. Dezember 2020 in Kraft getretene Coronavirus-Impfverordnung sieht keine Impfpflicht vor. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können ihre Mitarbeitenden also nicht zu einer Impfung verpflichten. Warum ist sie dennoch in der Arbeitswelt wichtig?
Die Impfung ist ein wichtiger Bestandteil in der Strategie zur Eindämmung und Bekämpfung des Coronavirus. Wenn man sich die Infektionszahlen und -wege genauer anschaut, scheint die Arbeitswelt kein zentraler Punkt der Virusverbreitung zu sein. Dennoch gibt es über die Alltagssituationen hinaus viele Möglichkeiten zur Ansteckung. Jeder Kundenkontakt beispielsweise kann ein Risiko mit sich bringen. Für Unternehmen heißt es: Geimpfte Beschäftigte erkranken natürlich weniger häufig an COVID-19 und sind deshalb auch für den Unternehmenserfolg wichtig. Mir ist in diesem Zusammenhang allerdings sehr wichtig, zu betonen, dass genau wie beim Testen die Maßnahmen der Arbeitsschutzregel und aktuell der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung, zum Beispiel das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen und die Einhaltung von Abständen, auch mit mehr geimpften Beschäftigten nicht an Bedeutung verlieren. Die Übertragungsmöglichkeiten bestehen ja nach wie vor, und sicherlich wird es immer auch noch nicht geimpfte Beschäftigte in der Arbeitswelt geben. Beides geht Hand in Hand.

Was können Unternehmen jetzt schon tun, um sich auf mögliche bevorstehende Impfungen vorzubereiten?
Uns erreichen schon jetzt viele Anfragen von Unternehmen, die ihren Beschäftigten eine Impfung ermöglichen möchten. Auf jeden Fall sollten Sie ein solches Vorhaben bereits jetzt in Ihre Planungen für dieses Jahr mit aufnehmen. Es bietet sich an, frühzeitig mit Betriebsärztinnen und -ärzten sowie anderen beteiligten Stellen im Unternehmen, etwa der Personalabteilung, ein Impfkonzept zu entwickeln, sodass die Umsetzung erfolgen kann, sobald der Impfstoff verfügbar ist. Was die unternehmensbezogenen Fragen angeht, wird sich sicherlich noch einiges konkretisieren. Wir halten unsere Mitglieder auf jeden Fall auf dem Laufenden.

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