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Dr. jens Petersen
Foto: VBG/Oliver Hardt

Coronavirus-PandemieJede Branche ist gefordert

Als leitender Arbeitsmediziner der VBG ist Dr. Jens Petersen der VBG-Experte für die Anforderungen, vor denen Unternehmen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie stehen. Im Interview erklärt er, wie die VBG ihre Mitglieder unterstützt.

Herr Dr. Petersen, im April stellte die Bundes­regierung den SARS-CoV-2-Arbeits­schutz­standard vor, der Unternehmen und ihren Beschäftigten die Sicherheit geben soll, ihre Arbeit nach Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie wieder­auf­zu­nehmen. Im August wurde der Standard durch die SARS-CoV-2-Arbeits­schutz­regel weiter konkretisiert. Was bedeutet das für Unternehmen?
Beide sind als große Hilfe für alle Unternehmen, in diesen besonderen Zeiten die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen, zu sehen. Der Standard war kein Gesetz oder eine Verordnung mit verbindlichem Rechts­charakter und auch keine technische Regel. Er galt vielmehr als Richt­schnur zur Auslegung des Arbeits­schutz­gesetzes, also die allgemeine Vorgabe, die Unternehmen dann jeweils auf die bei ihnen gegebenen Arbeits­bedingungen herunter­brechen mussten. Bei Einhaltung der Arbeits­schutz­regel können Unternehmen davon ausgehen, dass sie die Anforderungen des Arbeits­schutz- und des Infektions­schutz­gesetzes an die aktuelle epidemische Lage erfüllen. Jedes Unternehmen ist beispiels­weise dazu verpflichtet, ein individuelles Hygiene­konzept umzusetzen.

leitender Arbeitsmediziner der VBG ist Dr. Jens Petersen

Facharzt für innere Medizin und Arbeitsmedizin: Dr. Jens Petersen ist seit 1995 für die VBG tätig.

Foto: VBG/Oliver Hardt

Wie hilft die VBG ihren Mitgliedern dabei, ihren diesbezüglichen Verpflichtungen nachzukommen?
Indem wir über Verantwortlichkeiten, Pflichten und Verhaltensweisen sowie deren konkrete Umsetzungs­möglichkeiten informieren. Die Infektions­gefährdung ist dank des neuen Standards Bestandteil der Gefährdungs­beurteilung des Arbeit­gebers zur betrieblichen Pandemie­prävention geworden. Wir bieten sowohl allgemeine Muster für Hygienepläne, Gefährdungs­beurteilungen und Unterweisungs­hilfen als auch branchen­spezifische Handlungs­hilfen für Bühnen und Studios, Bildungs­einrichtungen, Büros und Call­center, Glas und Keramik, Kredit­institute, ÖPNV und Bahnen und viele weitere Branchen. Kleinen Betrieben helfen wir beispiels­weise mit dem Praxis-Check „Gesund und sicher durch die Pandemie“. Außerdem beraten wir zu diesen Themen persönlich, denn die VBG hat ihren Außendienst wieder­auf­genommen.

Für welche Branchen gibt es besondere Heraus­forderungen?
Eigentlich ist jede Branche gefordert. Der Grad der Gefährdung mag unterschiedlich sein, was die Möglichkeit einer Infizierung mit dem Corona­virus angeht. Aber die Heraus­forderung ist für alle Unter­nehmen gleich, unter­nehmens­spezifische Hygiene­pläne zu erstellen oder Organisations­maßnahmen zu treffen, um Gefährdungen zu minimieren. Besonders gefährdete Bereiche sind diejenigen, in denen die Arbeits­bedingungen wenig kontrolliert werden können oder wo direkter Kontakt mit Kundinnen und Kunden besteht.

Die Hilfen der VBG werden permanent aktualisiert. Warum?
Wie wir jetzt auch sehen, durchläuft die Pandemie verschiedene Phasen, sodass die Tätigkeit in den Arbeits­stätten Unternehmen immer wieder vor andere Heraus­forderungen stellt. Daher finden je nach Status der Pandemie Aktualisierungen statt, die neue Erkenntnisse berücksichtigen. Da immer neue Erkenntnisse über das Virus gewonnen werden, müssen neue Daten berücksichtigt und manche Empfehlungen auch revidiert werden. Zum Beispiel haben wir zu Anfang gedacht, dass die Flächen­desinfektion eine besonders große Rolle spielt. Seit einiger Zeit wissen wir, dass eine regel­mäßige Reinigung ausreichend ist. Solche Erkenntnisse haben großen Einfluss auf die Organisations­prozesse in Unternehmen. 

Eigentlich ist jede Branche gefordert. Der Grad der Gefährdung mag unterschiedlich sein, was die Möglichkeit einer Infizierung mit dem Coronavirus angeht. Aber die Herausforderung ist für alle Unternehmen gleich.
Dr. Jens Petersen, Facharzt für innere Medizin und Arbeitsmedizin

Mit welchen Fragen wenden sich Unternehmens­leitungen, Fachkräfte und Betriebs­ärzte und -ärztinnen denn momentan besonders stark an die VBG?
Das ist einmal der Fragenkomplex zu Risiko­personen. Viel wird auch nach den Möglichkeiten von Testungen und Abstrichen in Unternehmen gefragt. Gesprächs­bedarf gibt es außerdem rund um „Atem­schutz und Mund-Nasen-Bedeckungen, Erster Hilfe, Belüftung und arbeits­medizischer Vorsorge“.

Sie arbeiten in einer für Arbeits­medizinerinnen und -medizinern heraus­fordernden, aber auch sehr spannenden Zeit. Haben Sie während Ihrer Karriere vergleichbare Situationen erlebt?
Im Grunde ja, wir haben in den letzten Jahrzehnten bereits die Schweine­grippe und die erste SARS-Pandemie erlebt. Insofern haben wir reichhaltige Erfahrung in der Betriebs­betreuung zu diesem Thema. Das Prinzip, dass ein Erreger sich epidemisch oder pandemisch ausbreitet, ist immer gleich. Dennoch stellt die rasante und massive Ausbreitung des SARS CoV-2-Virus eine ganz besondere Situation dar.

Verändert das auch die Rolle der Arbeits­medizin?
Mit Sicherheit. Betriebsärztinnen und -ärzte können gerade jetzt viele Heraus­forderungen der Unternehmen lösen, was einen gesunden und guten Neustart angeht. Früher war die Arbeits­medizin eher untersuchungs­betont und auf die klassischen Gefahr­stoffe fokussiert. Heute hat auch die arbeits­medizinische Vorsorge­beratung einen höheren Stellen­wert. Sie stellt die Gesundheit der Beschäftigten in den Mittelpunkt und ist zur umfassenden Beratungs­medizin auch mit Anwendung telemezinischer Methoden geworden.

Video mit Audiodeskription

 

Was Sie jetzt wissen sollten: www.vbg.de/coronavirus

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