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Mediengruppe RTL
Foto: Mediengruppe RTL

Arbeitssicherheit bei RTLFernsehen machen trotz Coronavirus

Zu Zeiten der Coronavirus-Pandemie halten die Medien Menschen nicht nur über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden. Sie bieten mit Unterhaltungsformaten auch willkommene Ablenkung von der allgegenwärtigen Krise. Doch wie hält ein Fernsehsender seinen Betrieb unter erschwerten Bedingungen aufrecht? Uwe Schmitz, leitender Sicherheitsingenieur und Ressortleiter Arbeitsschutz bei der Mediengruppe RTL Deutschland, erklärt, wie der Sender jetzt arbeitet und wie gut er auf die Krise vorbereitet war.

Herr Schmitz, wie gut war Ihr Sender Ihrer Meinung nach auf das Corona­virus vorbereitet?
Als großes Medienunternehmen haben wir natürlich Notfall­pläne griff­bereit, sollten wir nicht mehr aus unserem Haupt­stand­ort in Köln-Deutz senden können, sei es zum Beispiel aufgrund von Natur­katastrophen oder einer Bombenen­tschärfung. Dann könnten wir beispiels­weise auch aus unserem Hauptstadt­studio oder den Studios in Köln-Ossendorf senden. Dass wir aber auf die Aus­breitung beziehungs­weise Nicht-Ausbreitung eines Virus reagieren müssen, ist neu. Und da das all unsere Stand­orte betrifft, haben wir zügig neue Abläufe und pass­genaue Verhaltens­regeln formuliert und etabliert.

Portrait Uwe Schmitz

Uwe Schmitz ist seit 28 Jahren in seiner jetzigen Funktion für den Sender tätig.

Foto: Mediengruppe RTL

Die Mediengruppe RTL hat frühzeitig eine interne Arbeitsgruppe gebildet, die die aktuellen Entwicklungen von Tag zu Tag neu bewertet und entsprechende Maßnahmen ergreift, um die Beschäftigten bestmöglich und umfassend zu schützen und zu informieren. Die Arbeits­gruppe besteht neben dem hauseigenen Betriebs­arzt und Kollegen aus dem Bereich Health & Services aus Vertretern der unter­schiedlichen Bereiche der Medien­gruppe RTL.

Wie gut funktioniert der Arbeits­all­tag jetzt?
Sehr gut! Es wurden eine Reihe von Maßnahmen definiert, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor dem Virus zu schützen. Dazu zählt vor allem regel­mäßige und gründliche Hand­hygiene. Die entsprechenden Hinweise und Anleitungen gibt es im Intranet, auf Displays und Plakaten im gesamten Gebäude sowie in allen Wasch­räumen. Hinzu kommt eine „No Handshake Policy“, sprich die Empfehlung, bis auf Weiteres das Hände­schütteln zu vermeiden, auf alle inter­nationalen und nationalen Dienst­reisen zu verzichten und stattdessen auf Telefon- und/oder Video­konferenzen umzu­steigen. Zudem arbeiten alle Beschäftigten, deren Anwesenheit im Sender aufgrund ihrer Tätigkeiten zur Sicher­stellung des Produktions- und Sende­betriebes nicht zwingend notwendig ist, seit dem 16. März mobil von zu Hause aus. Aktuell sind ca. 400 Mitarbeiter in Köln und im Haupt­stadt­studio Berlin im Einsatz. Aus dem Mobile Office schalten sich aktuell bundes­weit 3.500 Beschäftigte zu.

Die Arbeitsbedingungen sind aktuell für alle Medien sehr eingeschränkt. Was sind die größten Heraus­forderungen für Ihre journalistischen Einheiten?
Alle unsere journalistischen Abteilungen im Haus arbeiten aktuell unter besonderen Bedingungen. Es sind weniger Kolleginnen und Kollegen vor Ort, Beiträge werden nach Möglichkeit von zu Hause vorbereitet, dort geschnitten und vertont. Aber die Abstimmungen klappen hervor­ragend. Unsere IT hat es ermöglicht, dass größten­teils ein Schnitt­betrieb von zu Hause möglich ist, ohne dass das reine Video­material unsere Sende­zentrale verlassen oder dort wieder zurück­gespielt werden muss. Die von zu Hause arbeitenden Cutter bedienen quasi per Fern­steuerung die Schnitt­computer in unserem Sende­zentrum. Das bringt erhebliche Daten-Kapazitäts­ein­sparungen.

Alle unsere journalistischen Abteilungen im Haus arbeiten aktuell unter besonderen Bedingungen.
Uwe Schmitz, leitender Sicherheitsingenieur Mediengruppe RTL Deutschland

Wie schaffen Sie es, den Sende­betrieb auf­recht­zuerhalten?
Für den Betriebsablauf kritische Abteilungen (wie etwa die Sende­abwicklung) wurden zur Sicherheit bereits früh­zeitig räumlich geteilt. So vermeiden wir unnötige Durch­mischung unserer Teams und unnötige gleich­zeitige Anwesen­heiten, sodass wir immer auf ein gesundes Team zugreifen können. Zudem besteht die Möglichkeit, aus dem Haupt­stadt­studio oder den Studios in Köln-Ossendorf zu senden.

Führen Sie eine spezielle Gefährdungs­beurteilung durch, bevor ein Team los­geschickt wird?
Auch wenn es aktuell darum geht, die Verbreitung des Virus zu stoppen beziehungs­weise zu verlangsamen, so müssen unsere journalistischen Einheiten nach wie vor ihren Job machen, denn das Bedürfnis nach Informationen ist in diesen Tagen enorm hoch. Aber selbst­verständlich befinden wir uns im regel­mäßigen Austausch mit den Behörden und befolgen strikt die Anweisungen, die auch bei den Drehs eingehalten werden.

Die Gefährdungsbeurteilung ergibt sich täglich neu inner­halb der regelmäßig statt­findenden Sitzungen unserer internen Arbeits­gruppe. Die Haupt­aufgabe dieser Sitzungen ist es, alle Gefährdungen so weit wie möglich zu reduzieren – und zwar sowohl die unserer Mitarbeiter als auch die der Darsteller, des Publikums und aller weiteren involvierten Personen – und auf ein akzeptables Risiko zu minimieren.

Die Verantwortlichen bemühen sich zudem sehr um verschiedene Schutz­aus­rüstungen. Diese stehen aber leider aktuell nicht unbegrenzt zur Verfügung.

Wie gehen Sie mit Arbeits­plätzen um, die von mehreren Menschen genutzt werden, zum Beispiel als Shared Desks oder in unter­schiedlichen Schichten? Wie gewähr­leisten Sie die Eindämmung der Ansteckungs­gefahr?
Die Kolleginnen und Kollegen, die ins Büro kommen müssen, müssen sich aktuell keinen Schreib­tisch teilen. Darüber hinaus werden aber alle „Gemeinschafts­bereiche“ in sehr engen Taktungen regel­mäßig desinfiziert und die allgemeinen Regeln etwa zum Abstand­halten strikt eingehalten.

Plexiglaswände zum Schutz von MitarbeiterInnen
Mit speziellen Plexiglaswänden wird sichergestellt, dass die Beschäftigten bei RTL sich nicht durch Tröpfchen infizieren können. Foto: Mediengruppe RTL

Zudem haben wir im Regiebereich Plexiglas­wände zum Schutz vor einer Tröpfchen­infektion installiert, die mehr­mals täglich desinfiziert werden, da an manchen Arbeits­plätzen ein weiteres Aus­einander­setzen der Mitarbeiter, bedingt durch die eingebaute Technik, nicht möglich ist. Darüber hinaus ist seit Kurzem auch ein mobiles Desinfektions­gerät im Einsatz, das durch UV-C-Bestrahlung Gegen­stände innerhalb von fünf Minuten sterilisieren kann. Das Gerät kommt in den wichtigsten Abteilungen zum Einsatz und desinfiziert direkt „vor Ort“.

Gibt es spezielle Vorkehrungen dafür, wenn bei einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin das Virus erkannt wird?
Wenn ein Mitarbeiter erkrankt, werden umgehend alle geeigneten und not­wendigen Maßnahmen ergriffen, die in einem solchen Fall vor­gesehen sind. Für den Fall, dass die Erkrankung am Arbeits­platz auftritt, hat die Medien­gruppe RTL einen Isolations­raum im Erd­geschoss des Gebäudes am Standort in Köln-Deutz eingerichtet, der von außen zugänglich ist und in dem der Erkrankte bei milden Symptomen zunächst unter­gebracht werden kann. Dort wird in Abstimmung mit dem Betriebs­arzt ein Schnell­test durch­geführt. Der Arbeits­platz des Erkrankten wird gereinigt und desinfiziert. Sogenannte Kontakt­personen aus dem direkten Kollegen­kreis, die sich möglicher­weise angesteckt haben, werden identifiziert und in Quarantäne nach Hause geschickt, von wo sie gemäß den bundes­weiten Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts bis auf Weiteres arbeiten. Zudem werden umgehend alle zuständigen Behörden informiert, und in Zusammenarbeit mit ihnen wird über alle weiteren Schritte entschieden. Die Mitarbeiter werden regel­mäßig informiert.

Mehr Infos

Gut vorbereitet auf den Ernstfall: Tipps zur betrieblichen Pandemie­planung der VBG gibt es unter www.vbg.de/pandemieplanung

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