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Rudolf Demuth-Schütz
Foto: VBG/Mika Volkmann

AMS beim WDRTraumquote für den Arbeitsschutz

Der WDR wurde in diesem Jahr zum fünften Mal für sein Arbeitsschutzmanagementsystem ausgezeichnet. Rudolf Demuth-Schütz, Sicherheitsingenieur des Senders, ist einer der Regisseure dieser Erfolgsserie.

Herr Demuth-Schütz, das Arbeits­schutz­management wurde im Jahr 2007 erst­malig durch die VBG begutachtet. Was waren damals die Beweg­gründe, den Arbeits­schutz zu systematisieren?
Der WDR arbeitet auf Grundlage des Rund­funk­staats­vertrags, und seine Aufgaben haben auf Beschluss des Länder­parlaments über die Jahre zugenommen. Nach dem Start mit dem Hörfunk­programm kam das Fernsehen hinzu, dann die Regionalisierung mit dem Aufbau der Landes­studios und schließlich die Verbreitung von Programm­inhalten im Internet. Außerdem sind wir ein Unter­nehmen mit einer großen Fertigungs­tiefe. Die Band­breite reicht von der Redaktion über Design, Kulissen­bau und Studio­produktion bis zur eigenen Über­tragungs­technik, um nur einige Gewerke zu nennen. Vor diesem Hinter­grund gab es in den einzelnen Bereichen eine Viel­zahl von Regelungen, die den Arbeits­schutz betreffen. Die Einführung des Arbeits­schutz­management­systems bot die Chance, diese zu ordnen und einheitlicher zu gestalten. Mit der für uns zuständigen Bezirks­verwaltung der VBG in Bergisch Gladbach besteht zudem eine lang­jährige und gute Zusammen­arbeit.

Tom Buhrow

WDR-Intendant Tom Buhrow hat Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit beim Sender zur Chefsache erklärt.

Foto: WDR/Annika Fußwinkel
Rudolf Demuth-Schütz, Sicherheitsingenieur des WDR

Rudolf Demuth-Schütz vor den Arkaden, einem der 14 Gebäude des WDR in der Kölner Innenstadt.

Foto: VBG/Mika Volkmann

Das Leitbild Ihres Senders lautet: „Gemeinsam wollen wir das Leben jedes Einzelnen jeden Tag ein bisschen wert­voller machen.“ Ist dies auch der Grund für die erneute Auszeichnung?
Dabei spielt eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle. Wir erfahren eine stetige Unter­stützung sowohl durch die Geschäfts­leitung und die betrieblichen Vorgesetzten als auch durch die Personal­vertretung. Hinzu kommt die Mitwirkung hoch qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Viele von ihnen engagieren sich als Sicherheits­beauftragte und sorgen so für sicheres und gesundes Arbeiten in ihrem beruflichen Umfeld. Davon konnten sich die Gut­achterinnen und Gut­achter bei ihren Audits über­zeugen.

Letztes Jahr setzte der WDR als einzige aller ARD-Anstalten zusätzlich die Anforderungen der Norm DIN ISO 45001 um, die auch Fremdfirmen sowie interessierte Parteien auf besondere Weise berücksichtigt. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Der bisherige Standard OHSAS 18001 wurde durch die 2018 veröffentlichte DIN ISO 45001 ersetzt. Die neue Norm stellt die Frage, welche Personen oder Organisationen außer den eigenen Beschäftigten für das Unter­nehmen noch wichtig sind. Dies betrifft allgemein auch den Einsatz von Fremd­firmen im Unternehmen in den verschiedensten Vertrags­formen. Wir haben in diesem Zusammen­hang geklärt, wer in unserem Unter­nehmen Ansprech­person bezüglich der Auftrags­verantwortung ist, ob die Einweisungs­unterlagen bezogen auf die Arbeits­aufgabe und den Einsatz­ort geeignet sind und ob in angemessener Weise dokumentiert wird. So haben wir eine gute Übersicht über die zahl­reichen Schnitt­stellen zu Fremd­firmen und können bei Bedarf gezielt nach­steuern.

Es werden nicht nur die Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ermittelt und bewertet. Neu ist, zusätzlich die Chancen zu betrachten. Die Herausforderung besteht darin, das sicherheitstechnische Niveau nicht nur beizubehalten, sondern fortlaufend zu verbessern.
Rudolf Demuth-Schütz, WDR Sicherheitsingenieur

Nach der DIN ISO 45001 werden nicht nur die Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ermittelt und bewertet. Neu ist, zusätzlich die Chancen zu betrachten. Zum Beispiel kann der Einsatz mobiler Arbeits­formen dazu führen, dass Mit­arbeiterinnen und Mit­arbeiter unter ergonomisch ungünstigen Bedingungen arbeiten und zusätzliche Belastungen durch die Entgrenzung von Arbeit und Freizeit entstehen. Mobiles Arbeiten kann aber auch Erleichterungen mit sich bringen, indem familiäre Engpässe durch kurz­fristigen Betreuungs­bedarf unkompliziert und unbürokratisch aufgelöst werden.

Der WDR setzt die Rechtsanforderungen nicht nur am Haupt­stand­ort, sondern unter anderem auch in den elf Regional- und den sieben Auslands­studios um. In welchen Bereichen sehen Sie die größten Heraus­forderungen hinsichtlich der Arbeits­sicherheit für den Sender?
Der Stellenabbau in den vergangenen Jahren hat zu Umstrukturierungen geführt, teilweise auch zu einer weiteren Arbeits­verdichtung. Daraus resultieren Mehr­belastungen für die Mit­arbeiterinnen und Mit­arbeiter, Aufgaben werden zunehmend von Dienst­leistenden über­nommen. Die Heraus­forderung besteht darin, unter diesen veränderten Rahmen­bedingungen das sicherheits­technische Niveau in allen Abteilungen und an allen Stand­orten nicht nur beizubehalten, sondern fort­laufend zu verbessern.

Seit der ersten Zertifizierung im Jahr 2007 haben wir den Arbeitsschutz im WDR kontinuierlich angepasst und weiterentwickelt. Gerade in der jetzigen Situation sind die Themen Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders im Fokus. Denn gute Arbeitsbedingungen sind eine wichtige Voraussetzung für hochwertiges Programm.
Tom Buhrow, Intendant des WDR und ARD-Vorsitzender

AMS lebt von kontinuierlicher Verbesserung. 2019 war das Thema Brand­schutz eines der maßgeblichen Ziele. Was haben Sie sich für 2020 vor­genommen?
Auf der Grund­lage der in den Gebäuden in der Kölner Innen­stadt bereits durch­geführten Gefährdungs­beurteilung konnten wir hier den Brand­schutz verbessern und gleich­zeitig den Aufwand reduzieren. Auch in weiteren Arbeits­stätten des WDR ermitteln wir nun, ob die bisher angewandten Maßnahmen zur Sicherung des Brand­schutzes geeignet sind. Die bereits begonnene Beurteilung der Arbeits­stätten auf unserem Betriebs­gelände in Köln-Bocklemünd und den Landes­studios wollen wir im laufenden Jahr fort­führen und abschließen.

Ein weiteres Thema ist das Unfall­geschehen. Die Mehrheit der gemeldeten Unfälle im WDR sind Wege­unfälle. Daran haben Fahrrad­unfälle inzwischen einen großen Anteil. Wir rechnen damit, dass im Zuge der Diskussion um Nachhaltig­keit, Umwelt­schutz und Verkehrs­alternativen noch mehr Beschäftigte das Fahrrad nutzen als bisher und dass es entsprechend auch mehr Unfälle geben wird. Um dem entgegen­zu­wirken, werden wir Fahrsicher­heits­trainings für Fahr­rad­fahrerinnen und -fahrer organisieren.

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Sie tauschen sich auch halb­jährlich mit anderen Sicher­heits­ingenieurinnen und -ingenieuren der ARD und des ZDF in einem Arbeits­kreis aus. Welche aktuellen Inhalte lassen sich für die Verbesserung des AMS nutzen?
Themen sind unter anderem Neuerungen in Regelwerken zum Arbeits- und Gesundheits­schutz, sich ändernde Arbeits­formen oder der Einsatz neuer Arbeits­mittel. Die erarbeiteten Gefährdungs­beurteilungen, Betriebs­anweisungen, Unter­weisungs­unter­lagen und weitere Praxis­hilfen stellen wir den Mitgliedern auf einer gemeinsamen Platt­form zur Verfügung. Wir bleiben aber auch zwischen den Terminen in Kontakt – gerade in besonderen Lagen wie der Corona-Pandemie. So haben wir schnell Lösungen gefunden, die den best­möglichen Schutz für die Kolleginnen und Kollegen gewähr­leisten.

Mit AMS zum Erfolg

Wer „Arbeitsschutz mit System - AMS“ umsetzt, kann nicht nur davon ausgehen, dass er alle wesentlichen rechtlichen Anforderungen zum Arbeits­schutz berücksichtigt. Als alltäglicher Bestand­teil aller Prozesse und Entscheidungen im Unter­nehmen verbessert AMS außerdem die eigene Wettbewerbs­fähigkeit.

Der Aufbau erfolgt in sieben Schritten:

  1. Führen und organisieren
  2. Arbeitsbedingungen beurteilen und Maßnahmen festlegen
  3. Planen und beschaffen
  4. Beschäftigte informieren und beteiligen
  5. Betreuung organisieren und für Notfälle vorsorgen
  6. Prüfen und verbessern
  7. Verbesserung des AMS vornehmen

Weitere Infos zur AMS-Begutachtung:
www.vbg.de/ams

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