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Foto: movingimage

Agile MethodenT-Shape statt Hemd

Das Berliner Unternehmen movingimage setzt auf sogenannte T-shaped Professionals. Certo hat mit Geschäftsführer Erdal Ahlatci, Senior People Operations Manager Nina Ruddeck und Head of Enterprise Agility Moritz Bleu über die Vorteile des großen T gesprochen.

Agile Methoden wie Kanban oder Scrum haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Dies verändert auch die Zusammen­setzung und Zusammen­arbeit bzw. Kooperation von Projekt­teams. movingimage ist ein Anbieter von Enterprise-Video­management-Lösungen, welche die Verwaltung großer Video­daten­mengen ermöglichen. Das Unternehmen hat seine Organisation und Prozesse seit 2013 konsequent nach agilen Prinzipien aufgebaut und entwickelt. Das Unter­nehmen ist stolz auf seine T-shaped-Professionals – sie sind Generalisten und Spezialisten in einem.

Erdal Ahlatci

Geschäfts­führer Erdal Ahlatci. Das Focus Magazin zeichnete movingimage als Top Arbeit­geber National 2019 aus.

Foto: movingimage

In Zeiten, in denen Unternehmen versuchen, ihren Teil zur Eindämmung des Corona­virus bei­zu­tragen, indem sie ihren Beschäftigten nach Möglichkeit die Arbeit von zu Hause ermöglichen, erreicht Certo die drei Gesprächs­partner per Video­konferenz in ihren jeweiligen Homeoffices. „Ich weiß, dass viele Unternehmen gerade mit massiven Heraus­forderungen zu kämpfen haben. Für uns ändert sich aktuell ehrlich gesagt gar nicht so viel“, erklärt Erdal Ahlatci. „Da wir seit Jahren agil arbeiten und mobile Arbeit bei uns schon lange möglich ist, sind wir es einfach gewohnt, sehr schnell zu improvisieren. Agil zu arbeiten bedeutet ja, so auf­gestellt zu sein, dass alle in der Lage sind, auf die Veränderung zu reagieren und die Veränderung zu ihrem Vorteil zu machen. Wir sind darauf trainiert, uns auf neue Situationen ein­zu­stellen.“ Ahlatci ist im Jahr 2011 als Projekt­manager zu movingimage gestoßen. Damals hatte das Unternehmen rund 25 Mit­arbeitende, war vor allem in der Video­produktion tätig und gerade dabei, das Geschäfts­modell auf Software­produkte umzu­stellen. 2015 kaufte der Diplom-Informatiker Firmen­anteile und wurde somit geschäfts­führender Gesellschafter, gemeinsam mit dem Gründer des Unternehmens. Seitdem hat sich das Unternehmen zu einem inter­national agierenden Software­anbieter mit über 100 Beschäftigten entwickelt.

Technischer Vorteil

Senior People Operations Manager Nina Ruddeck hat in den letzten Wochen bemerkt, dass agile Strukturen gerade in Krisen­zeiten ein Vorteil sein können: „Was mir in Gesprächen mit Human-Resources-Beauftragten in anderen Unter­nehmen auffällt, ist, dass die meisten Unter­nehmen sich aktuell viele Gedanken darüber machen, wie sie jetzt eigentlich arbeiten sollen, also wie sie beispiels­weise rein technisch die eine Arbeit im Homeoffice ermöglichen. Mit diesen Fragen mussten wir uns über­haupt nicht aus­einander­setzen. Wir haben uns nur gefragt, wann wir ins Homeoffice gehen. Unsere Prozesse funktionieren genauso wie vorher. Dies ermöglicht es uns, uns auf die wirtschaftlichen Heraus­forderungen dieser Zeit zu konzentrieren.“

Nina Ruddeck

Nina Ruddeck kam 2018 zu movingimages.

Foto: movingimage

Dafür unerlässlich: eine optimale Kommunikation und ein guter Informations­fluss. „Damit diese gewähr­leistet sind, hat das Unternehmen ein eigenes Rahmen­werk zum agilen Arbeiten erstellt, das permanent weiter­entwickelt wird“, erläutert Moritz Bleu. Er ist seit 2010 im Unternehmen tätig. Nach Jahren in der Video­produktion über­nahm er 2015 immer mehr Aufgaben als Agile Coach und Scrum Master. Heute ist er als Head of Enterprise Agility dafür zuständig, allen Beschäftigten die Arbeits­bedingungen zu ermöglichen, die sie benötigen, um erfolg­reich agil zusammen­zu­arbeiten. Er sieht sich als internen Unter­nehmens­berater. Und weil das Rahmen­werk zur geschätzten guten Seele des Unternehmens avanciert ist, hat es einen Namen: „mia-Framework“ steht für das „movingimage Agile-Framework“. „mia“ sorgt für Entfaltungs­spiel­raum und Gestaltungs­möglichkeiten.

Talente binden

movingimage weiß, was qualifizierte Kolleginnen und Kollegen wert sind, und setzt unter­nehmens­über­greifend ganz buchstäblich auf das T-Shape-Konzept. (Eine grund­sätzliche Beschreibung des Konzepts finden Sie hier.) „Um unsere Teams von innen weiter zu stärken, breiten wir die Arme aus, bis sie aussehen wie ein T. T-Shape bedeutet für mich vor allem die Offenheit, von anderen zu lernen und Wissen weiter­zu­geben. So entsteht ein Wissens­aus­tausch, der jeden Menschen und damit das ganze Unternehmen weiter­bringt“, resümiert Ahlatci. Er selbst hat vor seiner Karriere in der IT-Branche als Sozial­arbeiter gearbeitet und hat so Soft Skills erworben, die ihn selbst zum Muster­beispiel eines T-shaped Professionals machen.

„T-Shape ist bei uns so selbstverständlich geworden, dass wir das Wort gar nicht mehr häufig benutzen“, verrät der Geschäfts­führer. Mit der Aussicht, unter­nehmens­intern den Job zu wechseln, hält er qualifizierte Fach­kräfte. „Unsere Chief Product Ownerin (Anm. d. Red.: übergeordnet verantwortlich für ein Produkt, ohne selbst Teil des Teams zu sein) hat ursprünglich mal als technische Support­mitarbeiterin hier angefangen. Nach verschiedenen Funktionen im Projekt­management leitet sie jetzt zwei Teams. Bei uns machen alle das, was sie können, und wenn sie in einem Bereich noch mehr können, machen sie das einfach mit. T-Shape wird im Unternehmen gelebt.“ Nach­teile habe das Unternehmen durch diese Organisations­form nicht, da die Beschäftigten trotz ihrer Zusatz­qualifikationen vor allem Spezialistinnen und Spezialisten in ihren jeweiligen Gebieten seien und sich kontinuierlich weiter­entwickeln können.

T wie Team

Moritz Bleu

Vom Videoproduzenten vom Agile Coach: Moritz Bleu ist in T-Shape

Foto: movingimage

Mittlerweile berät movingimage große Unternehmen wie Volkswagen dabei, wie sie ihre Projekte zeitgemäß strukturieren können. Auch um das eigene Unternehmen umzukrempeln, brauchte Ahlatci jedoch Zeit. „Erdal hat ja schon länger mit seinen IT-Teams sehr erfolg­reich so gearbeitet. Der Funke ist hier über­gesprungen, als er Ende 2013 einfach alle Kolleginnen und Kollegen zu einer internen Veranstaltung eingeladen hat. Bei diesem ersten Review Day haben die Mitglieder der Software­entwicklung-Teams selbst präsentiert, wie sie anhand agiler Methoden sehr schnell Projekte umgesetzt haben und dabei sehr viel Spaß hatten“, erinnert sich Moritz Bleu. Statt von oben initiiert, wurde der Wandel zur agilen Organisation von unten getragen.

„Mir geht es hauptsächlich darum, dass wir als Unternehmen mit unseren Teams so aufgestellt sind, dass wir auf eine Veränderung reagieren können“, begründet Ahlatci sein Faible für T-shaped Professionals. Dieser Aspekt ist auch für die Rekrutierungs­prozesse wichtig, weiß Nina Ruddeck: „Wir schauen zunächst, ob das Mindset passt. Dann geht es um die Fachlichkeit. Die nötigen Soft Skills sind außerdem unerlässlich. Wie kommunizieren Menschen? Sind sie offen für Veränderungen? Warum wollen sie bei movingimage arbeiten?“ Wer bei movingimage arbeiten möchte, muss ein absoluter Team­player sein. „Wir fragen auch nach den Schwächen oder ob jemand am letzten Arbeits­platz Fehler gemacht hat. Wir suchen Menschen, die auch mal Fehler machen. Wenn jemand immer alles richtig gemacht hast, ist das nicht unser Lieblings­kandidat. Wer immer nur ein Champion war, passt wahrscheinlich nicht zu uns“, meint Ahlatci.

Mitdenken 4.0

Führungskräfte haben durch die zunehmende Digitalisierung viele neue Herausforderungen zu bewältigen. In Kooperation mit führenden Partnerinnen und Partnern der Sozialpolitik hat die VBG die Initiative „Mitdenken 4.0 – Neue Präventionsansätze für Arbeitsprozesse in der Büro- und Wissensarbeit“ ins Leben gerufen. Das Ziel: Auf Basis aktueller Forschungsergebnisse entstehen Handlungshilfen für die Praxis im Betrieb – in Form von Information, Beratung und Qualifizierungsangeboten. Mehr Infos finden Sie hier.

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